PCI Gazette 41, Dezember 2011

Unsere Reise nach Peru

Yvonne Ward und Stefan Rütsch

Im April war es endlich so weit: wir verbrachten wunderbare Ferien im Ursprungsland unserer Pferde – in Peru.

Durch die Vermittlung von James Schneider waren wir mit charmanten und ortskundigen Reiseleitern unterwegs. Mit Organisator Jorge Cockburn Junior im Hintergrund und Jorge Senior als Guide und Fahrer fühlten wir uns in Lima sofort sehr wohl und gut aufgehoben.

Die erste Woche verbrachten wir vorwiegend am Concurso Nacional in Mamacona, Lima. Bereits die tägliche halbstündige Fahrt vom Quartier Miraflores dorthin war ein kleines Abenteuer. Der Verkehr war ziemlich wild, Autos überholten uns in waghalsigen Manövern und der Lärm war ohrenbetäubend. Die Eindrücke, die man von den armen Vororten in der Wüste ausserhalb Limas bekam, waren bedrückend und aufwühlend. Und inmitten dieser Gegend ist man dann plötzlich von einer Minute zur nächsten in einer völlig anderen Welt: Mamacona. Nach der Kargheit der Wüste taucht man in eine grüne Oase ein, wo zahllose Paso Peruanos auf ihren Einsatz am Concurso warten. Die umgebende Armut ist nur noch in unseren Köpfen präsent.

Es war faszinierend, die verschiedenen Prüfungen zu sehen und inmitten der „Nord-Peruaner“ – Jorge‘s Freunde und Bekannte – auf der Tribüne mit zu fiebern. Für uns als Laien war vor dem Hintergrund der wenigen Paso Peruanos in Europa schon alleine die Zahl von mehr als 800 teilnehmenden Pferden umwerfend.

In den Pausen konnte man sich zur Erholung an den zahlreichen Ständen mit peruanischem Handwerk eindecken oder leckere Spezialitäten wie Causa, Anticuchos und vieles mehr verspeisen.

Nach der Grossstadt ging’s dann auf der Panamericana nordwärts, in eine ruhigere Gegend, dafür mit viel Kultur und Natur. Dazu gehörten die Besichtigungen einiger der vielen Pyramiden aus der Vor-Inka Zeit (Moche-Kultur), Wanderungen im Bosco-Seco (Trockenwald) oder Spaziergänge entlang des Pazifiks. Ein Höhepunkt  war der Besuch bei Marika und Jimmy Schneider. Am Vormittag hatten wir Gelegenheit, auf ihrem Gestüt zuzuschauen, wie Santiago, der Chalan, verschiedene Pferde ritt, und anschliessend durften wir diese selbst ausprobieren. Am Mittag wurden wir spontan an ein Geburtstagsfest mitgenommen, an dem wir peruanische Gastfreundschaft und wunderbares Essen genossen. Dabei durfte natürlich auch der berühmte Pisco Sour zum Aperitif nicht fehlen.

Das Wahlwochenende der ersten Runde des Präsidentschaftswahlkampfs verbrachten wir im Hochland in Cajamarca und besuchten Rosa und Arno Ackermann. Ihre Pferdezucht und Käserei waren eindrücklich. Da die Angestellten beim Wählen und Feiern in der Stadt waren, beschränkten wir uns auf die Degustation von leckerem Käse und verschoben das Reiten auf unsere nächste Reise nach Peru.

Zurück in Lima flogen wir in den Altiplano, der Hochebene der Anden, nach Puno, das am faszinierenden Titicacasee liegt. Dabei sollte die Höhe des Sees – er liegt auf über 3800 m – nicht unterschätzt werden. Nur zu schnell leidet man unter „Soroche“, der Höhenkrankheit. Dagegen ist jedoch ein Kraut gewachsen, das immerhin ein bisschen hilft. Dies erfuhren wir auf der Insel Taquile, die von den Quechua bewohnt wird. Dort wächst die Muña-Pflanze, die man zerreibt und dann inhaliert. Danach fällt das Atmen und Gehen tatsächlich wieder etwas leichter. Nach ein paar Tagen gewöhnt man sich an die Höhe und sportliche Aktivitäten wie Reiten fallen einem schon wieder leichter. Dies taten wir im Colca Cañon, der bis zu nahezu 3300 m in die Tiefe geht und bekannt für seine Kondore ist, auf einer atemberaubenden fünfstündigen Reittour. Die Pferde erbrachten eine enorme Leistung in dieser Höhe. Es ging über Felsen und Hänge immer höher durch eine wunderbare Landschaft, zum verlassenen Dorf „Uyo Uyo“ und weiter hinauf zu unserem Mittags-Rastplatz. Von dort hatten wir eine atemberaubende  Aussicht auf den Talboden des Cañons sowie die berühmten Inka-Terrassen, auf denen immer noch Mais, Kartoffeln und vieles mehr angebaut wird.

Die letzten Tage unserer Reise verbrachten wir in der wunderschönen weissen Stadt Arequipa. Die Kolonialbauten sind beeindruckend. Da wir an Ostern dort waren, kamen wir auch in den Genuss der eindrucksvollen Prozessionen, die stundenlang durch die dunkle Stadt wanderten.

Yvonne Ward und Stefan Rütsch