PCI Gazette Gazette 39, Januar 2011

Rassetage für Paso Iberoamericanos

Nadine Fitzgerald

Am 25./26. September 2010 fanden auf der von Herman Willemsen mit viel Liebe zum Detail errichteten Reitanlage El Rocio in Fehling/Bayern erstmals die Rassetage für Paso Iberoamericanos im Rahmen einer Benefizveranstaltung für ein rumänisches Waisen- und Kinderheim statt.

An diesem Wochenende erhielten die Besitzer dieser in Europa noch wenig verbreiteten Rasse die Gelegenheit zur Vorstellung ihrer Pferde. Im Beisein von Dr. Kai Otte, Experte für sämtliche Pasopferderassen (es gibt 20!), wurden Paso Iberoamericanos verschiedenen Alters und Ausbildungsniveaus vorgestellt. Die Zuschauer gewannen so einen Überblick über typische Rassevertreter und ihre Nutzungsmöglichkeiten.

Wie es die Rassebezeichnung schon andeutet, ist der Paso Iberoamericano (spanisch Caballo de Raza Iberoamericana Modalidad Paso) über die Anpaarung iberischer Pferde mit töltveranlagten Landschlägen aus Südamerika entstanden. Zuchtziel ist ein rittiges Pferd mit Dressurbegabung sowie natürlichem Tölt. Charakterlich zeigen sie sich sehr arbeitseifrig, sind aber gleichzeitig nervenstark und freundlich im Umgang. Sie eignen sich dank ihrer Vielseitigkeit sowohl für Gangpferdesportprüfungen wie auch für den Reiter, der sein Pferd dressurmässig fördern möchte, und sind natürlich auch einfach ein Spasspferd für den bequemen Ausritt im Tölt.

Anlässlich der Rassetage der Paso Iberoamericanos erhielten die reitenden Teilnehmer Gelegenheit unter der Anleitung von Andrea Jänisch in die Disziplin Working Equitation reinzuschnuppern. Eingangs wurde je eine einfachere und eine schwerere Rittigkeitsprüfung vorgeritten und erläutert. Im Anschluss konnte das Trailreiten und die Rinderarbeit ausprobiert werden. Andrea Jänisch lieferte dazu hilfreiche Ratschläge und erklärte, worauf besonders geachtet werden muss. In erster Linie bedeutet dies für den Neueinsteiger Tempo raus. Dem Pferd soll die Zeit gegeben werden, um die neuen Aufgaben zu verstehen. Ein Pferd, das geduldig aufgebaut wurde, denkt später mit und unterstützt seinen Reiter. Wie das beim erfahrenen Reiter ausschaut, zeigte Bettina Strahlhuber, eine erfolgreiche Working Equitation-Reiterin, zusammen mit zwei weiteren Reiterinnen sehr eindrücklich. Ihre Pferde präsentierten sich äusserst aufmerksam, reaktionsschnell und beweglich.

Seit einiger Zeit wird der Einsatz der Gangpferde in Working Equitation-Prüfungen in Betracht gezogen. Die ursprünglich für 3-Gänger konzipitierten Prüfungsreglemente müssen zu diesem Zweck etwas angepasst werden. Noch ist nicht entgültig festgelegt, wie diese Prüfung von Gangpferden geritten werden soll. Die Teilprüfungen „Rittigkeit“, „Trail“ und „Arbeit mit Rindern“ werden jedoch natürlich fester Bestandteil bleiben. Vermutlich wird jedoch auf den „Speed Trail“ verzichtet. In den Fachgremien wird derzeit über den verlangten Einsatz der Gangarten diskutiert und welche Wahlmöglichkeiten dem Reiter diesbezüglich zugesprochen werden können.

Reaktionsgeschwindigkeit wurde auch in der anschliessenden Polo-Darbietung geboten. Den einleitenden Worten zu Spiel und Ausrüstung folgte eine Demonstration zu Pferd. Stops und Gos wurden von den Poloponys unter hervorragendem Einsatz der Hinterhand blitzgeschwind und äusserst agil ausgeführt. Spätestens jetzt verstand jeder Zuschauer, die Disziplin spielt die untergeordnete Rolle. Beim Tölten, beim Rindertreiben oder im Polo ist der Reiter der Erfolgreiche, der die Hinterhand seines Reittieres zu nutzen weiss!

Abgerundet wurde das Tagesprogramm mit Autorenlesungen, Vernissage, Weindegustation und einem Vortrag von Ulrike Dietman zum Thema „Haben Pferde Gefühle?“. Highlight am Abend war die Fiesta Argentina. Die kleine, aber feine Vorführung mit gerittenen, getanzten und gesungenen Einlagen erzählte die Geschichte typischer südamerikanischer Bauern, die nach einem harten Arbeitstag zu etwas Entspannung und Geselligkeit zusammen finden.

Die Rassetage für Paso Iberoamericanos sollen von nun an jährlich stattfinden. Diese wunderbare Rasse benötigt unbedingt ihre eigne Plattform, um in Europa bekannter und verbreiteter zu werden. In diesem Sinne freuen wir uns im Herbst 2011 neue wie alte Gesichter wiederzutreffen!

Kontakte:
Andrea Jänisch: +49/172 6 11 00 69
Kai Otte: +49/9474 12 13
Herman Willemsen: +49/8664 927 351
www.working-equitation.de