PCI Gazette Gazette 39, Januar 2011

Jahreshauptversammlung 2010

Barbara Camenzind

PCI Jahreshauptversammlung vom 31. Oktober 2010

Die sehr gut besuchte, diesjährige PCI Jahreshauptversammlung – in der Schweiz GV genannt – fand am 31. Oktober im Tierpark Langenberg statt. Er wurde 1869 zur Erhaltung der beinahe ausgestorbenen Wildtiere gegründet und beherbergt heute 18 einheimische Tierarten. Imposante, prächtige Steinböcke begrüssten die Besucher schon im Eingangsbereich, und vor dem Restaurant Langenberg spielten Bären in ihrem Graben. Doch unser Hauptthema, das uns hierher führte, waren die Przewalski Pferde, von denen zwei Herden im Langenberg leben.

Prof. emerit. Dr. Ewald Isenbügel, langjähriges PCI Mitglied und Fachmann auf dem Gebiet der Przewalski Pferde, hat sich für uns Zeit genommen und in einem sehr interessanten Vortrag die Geschichte dieses mongolischen Urwildpferdes erzählt. Nachdem 1880 die letzten wildlebenden Steppentarpane getötet worden waren, galten die Wildpferde als ausgestorben. Deshalb galt es als zoologische Sensation, als 1878 der polnisch-russische Major Nikolaj Michajlowitsch Przewalski (1839-1888) auf einer Forschungsreise in der Mongolei ein östliches Wildpferd entdeckte. Gemäss Tradition wurde diese Wildpferdeart nach ihrem Entdecker resp. „Beschreiber“ benannt.

In den darauffolgenden Jahren, bis ca. 1947, traten insgesamt 55 wildgefangene Przewalskifohlen die Reise nach Europa an, wo sie in Tierpärken ein neues Leben fanden.

In seiner mongolischen Heimat verringerte sich der Bestand des Wildpferdes nach dem zweiten Weltkrieg kontinuierlich, und ab 1970 galt es in seinem ursprünglichen Lebensraum als ausgestorben. In der Gefangenschaft in verschiedenen Tiergärten hat es jedoch überlebt.

Bald war man sich weltweit dieses grossen Verlustes bewusst und es wurden Projekte ins Leben gerufen, das mongolische Urwildpferd wieder in seiner Heimat anzusiedeln. Prof. Isenbügel als damaliger Zootierarzt von Zürich war Feuer und Flamme für diese Idee und traf zusammen mit dem Tierpark Langenberg Vorbereitungen für einen ersten Transport von Przewalski Pferden von der Schweiz in die Mongolei. Er hat die Pferde für die lange Reise medizinisch vorbereitet (jede Handlung mit einem Przewalski Pferd erforderte eine Vollnarkose!), und auf ihrem Weg über Peking und Ulan Bator begleitet. Die damalige Swissair erwies sich unter anderen als grosszügiger Sponsor, was die Luftfracht betraf.  Aber die Ankunft in der abgelegenen, mongolischen Weite sorgte bei Prof. Isebnbügel jedes Mal für heftiges Herzklopfen: Auf dem Landefeld – eine schlichte Wiese – standen winzige Menschen und dirigierten die alten, dröhnenden chinesischen Maschinen mit zwei Ping Pong Schlägern in der Hand in die richtige Position.

Die Pferde wurden in ihrer alten, neuen Heimat sorgfältig an die klimatischen Bedingungen angepasst, ihr Lebensbereich wurde nach anfänglicher Einschränkung zur Angewöhnung immer mehr erweitert, bis sie ganz selbstständig in der freien Wildbahn überleben konnten. Erfreut berichtet Prof. Isenbügel, dass entgegen manchen Behauptungen die in Gefangenschaft geborenen Wildtiere ihren Urinstinkt auch über Generationen hinweg nicht verlieren und in Gefahrensituationen artgerecht handeln. So hat der Przewalski Hengst Wenzel, der in Langenberg geboren und aufgewachsen war, in einer kritischen Situation in seiner neuen Heimat Mongolei bei einem Angriff zwei Wölfe mit gezielten Hufschlägen erlegt, obwohl er zuvor noch nie einem Wolf begegnet war.

Heute ist der Bestand der Urwildpferde in der Mongolei gesichert und das Equus ferus Przezwalskii  vermehrt sich wieder in der freien Wildbahn, sofern keine Naturkatastrophen Einhalt gebieten. Im letzten Winter 2009/2010, der aussergewöhnlich streng war, starben leider hunderte von den Pferden mangels Futter.

All diese Informationen und Geschichten hat Ewald Isenbügel äusserst kurzweilig erzählt und mit vielen wunderbaren Anekdoten geschmückt. Man hätte stundenlang zuhören können… Doch jede „Geschichtenstunde“ geht leider vorbei, und am Gehege der Przewalski Pferde im Tierpark fand sie ihren Abschluss. Die Pferde standen um die Raufe und futterten, im Hintergrund funkelten die schneebedeckten Berge in einem vom Föhn gelb gefärbten Licht – wären nicht die Autos auf dem Parkplatz im Sichtfeld gestanden, hätte man sich in der Mongolei wähnen können!

Nach dem Mittagessen im Jägerstübli fand dann um 15:30 die PCI Jahreshauptversammlung statt. Nach den üblichen Traktanden wie Jahresberichte, Kassabericht, Entlastung des Vorstands kam es zu einer wichtigen Änderung im Traktandum Wahlen. Robert Zürrer, der das Amt zehn Jahre lang inne hatte, stellte sich nicht mehr zur Wiederwahl und wollte sein Präsidium gerne weitergeben. Der Vorstand schlug Carla Tschümperlin als Nachfolge vor, was die Versammelten einstimmig guthiessen. Infolge dieser Rotation stellte Carla ihr Amt als Paso Fino Delegierte zur Verfügung, das aber an der GV nicht besetzt werden konnte und bis auf weiteres frei bleibt, resp. Vom Vorstand wahrgenommen wird. Robert Zürrer übernahm von Barbara Camenzind das Amt des Paso Peruano Delegierten.  Als neue zweite Revisorin wurde Yvonne Ward gewählt. Die neue Vorstandsliste finden Sie anbei.

Eine weitere Neuerung ist die Umstellung des PCI Geschäftsjahres (1.7.-30.6.) auf das Kalenderjahr, also wieder vom 1.1. bis zum 31.12. (wie dies früher der Fall war). Somit dauert das gegenwärtige PCI Geschäftsjahr eineinhalb Jahre, vom 1.7.2010 bis zum 31.12.2011. Das zusätzliche halbe Jahr wird nicht in Rechnung gestellt. Sie werden deshalb im Frühjahr 2011 keine Rechnung erhalten, erst wieder im Frühjahr 2012.

Huguette Zemp, Sportchefin, hat ein abwechslungsreiches Jahresprogramm 2011 zusammengestellt, das Sie in der „Agenda“ dieser Gazette finden. 2011 feiert der PCI sein 25-jähriges Bestehen. In welcher Form dies gefeiert wird, steht noch nicht fest. Anregungen seitens der Mitglieder nimmt der Vorstand gerne entgegen!