PCI Gazette 38, August 2010

PCI Fiesta in Bern vom 3. Juli 2010

Barbara Camenzind

Für das diesjährige Turnier mit Fiesta hat der PCI mit dem NPZ – Nationales Pferdesportzentrum – in Bern einen idealen Austragungsort gefunden. Mitten in der schweizerischen Hauptstadt gelegen, mit Reithallen, festen Stallungen, schattigen Alleen und einem Hotel gleich nebenan bot das NPZ eine ideale Infrastruktur für Reiter/innen und Pferde.

Ein strahlend blauer Himmel spannte sich am Samstagmorgen des 3. Juli über Bern, und die Hänger fuhren aus verschiedensten Richtungen ein. Fünfzehn Pferde waren gemeldet, wobei leider drei in letzter Minute ausfielen.

Die erste Prüfung startete pünktlich um 11 Uhr, eine leichte Rittigkeit, die gut belegt war. Ein Aufgabenteil, den fast alle Teilnehmer/innen verbessern könnten, wäre laut Richterin Andrea Jänisch das Stillstehen für mind. 3 Sekunden. So einfach sich das anhört, so schwierig ist dies für die Pferde, die sich in einer ungewohnten Umgebung und alleine in der Bahn befinden.

Als zweite Prüfung stand Paso Fino Pleasure auf dem Programm. Zum ersten Mal war PCI Mitglied Britta Mülle aus dem Elsass mit dabei und entschied mit ihrer Schimmelstute Brujula del Caron die Prüfung für sich. Auch Bonita del Cielo von Barbara Fenner präsentierte sich als ideales Pleasure Pferd und belegte den zweiten Rang. Hierzu sei noch angemerkt, dass die Einfuhr von Britta Mülles Pferd in die Schweiz mit einem Freipass erfolgte und problemlos und ohne Wartezeiten über die Bühne ging. Sie hatte alle Papiere schon am Vortag vorbereitet und abstempeln lassen.

Die Mittagspause fand in der schattigen Allee vor der Reithalle statt, wo sich verschiedene Stände mit südamerikanischem Kunsthandwerk, mit Spezialitäten und Tack eingerichtet hatten. James Schneider sorgte dafür, dass Anticuchos und Pisco Sour nicht fehlten. Das Novotel, das unseren Anlass durch verbilligte Zimmer finanziell unterstützte, kochte eine wunderbare Paella, genau das Richtige für diesen südlichen Sommertag. An die 150 Besucher zirkulierten zwischen den Ständen, plauderten, assen und tranken. Von der Paella musste Nachschub herbeigeschafft werden, sie schien begehrt zu sein!

Um eins gab es eine erste Tanzeinlage der Gruppe „America Baila“ mit witzigen, traditionellen Tänzen aus Kolumbien und Peru.Im Tanz „…“ versuchten die Männer, mit einer brennenden Kerze die kurzen, wippenden Röckchen der Frauen in Brand zu setzen, und die Frauen versuchten kokett, mit den Rüschen die Flamme zu ersticken. Hin und her ging das Geplänkel, doch zum Glück blieben alle von einem wirklichen Feuer verschont…

Mit der Prüfung Paso Llano Natural startete das Turnier in den Nachmittag. Der Wallach Don Rogerio JSS, ein Direktimport aus Peru aus der Zucht von Jimmy Schneider, zeigte wiederum – wie wir dies aus früheren Anlässen schon kannten – einen leichtfüssigen, natürlichen und taktreinen Paso Llano und holte sich den ersten Rang. Er wurde von Robert Zürrer geritten.

Es folgte die zweite Gruppe der Rittigkeit, gefolgt von einer weiteren Tanzeinlage der Gruppe „America Baila“. Die anschliessende Paso Peruano Pisos Prüfung legt den Schwerpunkt auf drei unterschiedliche Tempi – Arbeitstölt, versammelter Tölt, schneller Tölt – auf beiden Händen vorgestellt. Alle Pferde waren traditionell mit peruanischem Sattel und Zaumzeug geritten, die Reiter/innen trugen Ponchos aus Peru und die typischen peruanischen Strohhüte. Ein sehr harmonisches Bild, das die Weichheit und Leichtrittigkeit der Pferde unterstrich.

Obwohl keines der gemeldeten Paso Fino Pferde ein typisches Performance Pferd war, zeigten sich die beiden Reiterinnen Barbara Fenner und Britta Mülle bereit, ihre zwei Pferde in dieser Klasse vorzuführen um den Zuschauern einen Einblick in die Prüfungsanforderungen zu geben. Andrea Jänisch kommentierte die Vorführung und gab den Zuschauern eine Idee mit auf den Weg, wie ein Performance Pferd idealerweise auszusehen, respektive zu gehen hätte. Das Steppen über den Finostrip begeisterte und animierte die Zuschauer gleichermassen wie die Reiterinnen.

Mit der Copa de Champan ging das fröhliche Turnier zu Ende. Die Siegerin musste sogar in einem Stechen erkoren werden, da zwei Reiterinnen keinen Tropfen verschüttet hatten. Was für ein schöner Beweis für die Weichheit der Paso Pferde! Am Schluss freuten sich alle, ihr Glas Champagner austrinken zu dürfen, und der Siegerin Petrag Küenzi auf JRK Finura winkte eine extra Flasche zum Nachhausenehmen und sogar ein spezielles Geschenk – ein peruanischer Ministeigbügel -, gestiftet vom peruanischen Konsul.

Anschliessend folgte eine sehr schöne, halbstündige Showeinlage mit und ohne Pferde.  Drei Reiter/innen eröffneten die kleine Gala mit einem Fahnenritt: die kolumbianische, peruanische und die PCI Flagge wehten von der Hand der Reiterinnen. Die Gruppe „America Baila“ verwöhnte die Augen mit zwei traditionellen Tänzen aus Peru, einer Marinera und einem Tondero. Wer die authentische Musik zur Marinera, eine sehr blechern tönende Militärmusik, noch nicht kannte, wird wohl gestaunt haben, wie sich der leichte, kokettierende Tanz mit der Blasmusik vereinen liess.
Ein sehr schönes und speziell harmonisches Pas-de-Deux zeigten Huguette und Oskar Zemp auf Zar Galante CSM und Cortesana CSM. In fliessenden Figuren, Seitengängen und Barridas schwebten sie zu einem Flamenco angehauchten Chillout Stück über den Sand. Die Zuschauer verfolgten die Vorführung ganz still und aufmerksam.

Britta Mülle peitschte dann die Stimmung wieder auf, als sie zu rassiger, moderner Musik Brujula, ihre Paso Fino Stute, in rasantem Tölt präsentierte und über den Fino Strip steppte. Eine tolle Einlage, die die Zuschauer begeistert beklatschten.
James und Andrea Schneider zeigten eine Marinera, geritten – auf Don Rogerio – und zu Fuss. Andrea Schneider’s Ausstrahlung ist zauberhaft, und mit flinken Füssen – barfuss notabene – umgarnte sie Pferd und Reiter in ihrem rauschenden Kleid, bis es zum finalen Kuss kam. Don Rogerio zeigte sich schon sehr geübt im Steigen und sah toll aus in diesem Showbild.

Mit dem Ende des reiterlichen Teils war aber das Fest noch nicht zu Ende, sondern setzte sich ab 19 Uhr im Hotel Novotel fort. Die Müdigkeit und den Staub des Tages abgeduscht, fanden sich an die 60 Mitglieder und PCI Freunde zu einem feinen Nachtessen am Buffet ein. James Schneider, der im Novotel kocht, hat hervorragendes hergerichtet und die Gaumen verwöhnt.  Aber das ganz grosse Plus dieser Abendveranstaltung war die Musik: die Gruppe Los Ases Paraguayos untermalte den Abend mit stimmigen, melancholischen und spritzigen Rhythmen aus ihrer Heimat. In den Pausen verschwanden die drei „Ases“ jedoch ins Nebenzimmer, wo sie das WM Spiel Paraguay-Spanien verfolgten. Etwas traurig kamen sie dann in den Saal zurück, weil Paraguay verloren hatte und damit aus der WM ausgeschieden war. Doch trotz schweren Herzens spielten sie weiter und brachten die Gäste zum Träumen, Staunen und Schmunzeln. Hervorzuheben ist der Harfenist, der mit seiner paraguayanischen Harfe erst kürzlich Weltmeister auf diesem Gebiet geworden ist. Unglaublich, wie virtuos er die Finger über die Saiten fliegen liess, zum Beispiel, als er das Stück „El Tren“ in einer eigenen Fassung interpretierte.

Rückblickend darf gesagt werden, dass es eine fröhliche, kleine, feine Fiesta war, die den Erwartungen des Vorstandes entsprochen hat. Der Aufwand konnte dank Hilfe von James Schneider (Verantwortlich für das Catering) und dem Novotel sowie der vorhandenen Infrastruktur des NPZ im Rahmen gehalten werden. Ganz besonders freute sich der Vorstand über den Besuch von vier PCI Mitgliedern aus Österreich, die zum ersten Mal an einem PCI Anlass teilnahmen. Alle Anwesenden erlebten einen tollen Tag, nahmen schöne Erinnerungen, gute Gespräche und Anregungen mit nachhause, und diejenigen, die im Novotel übernachtet hatten, fanden beim Frühstück am nächsten Morgen noch Zeit für weitere gemütliche Gespräche.

Der Vorstand dankt allen, die mit ihrem Einsatz zum Gelingen des Turniers beigetragen haben, sehr herzlich für ihr Engagement. Namentlich James Schneider für das Catering, Walter Haigis für den Fino Strip und allen Sponsoren.