PCI Gazette 37, Januar 2010

Barhuf unterwegs mit einem Paso Peruano

Carla Tschümperlin

Erfahrungsbericht von Carla Tschümperlin
Beschlagen oder Unbeschlagen?
In unserem Gestüt Criadero Santa Maria haben wir die Jungpferde nach dem Anreiten immer beschlagen. Denn sobald wir auf den steinigen Untergründen mit zum Teil scharfen Silexsteinen unterwegs waren, war klar, ohne Hufschutz konnte kein konsequentes Training in nützlicher Zeit stattfinden.

Trotzdem verfolgte ich seit einigen Jahren den Barhuf Trend in Deutschland und in der Schweiz mit viel Interesse. Viele der Argumente, welche Barhuf Befürworter vorbringen, leuchteten mir ein. Wobei auch hier einige «Fundamentalisten» zu finden sind.

Es ist bekannt, dass die Paso Peruanos in ihrem Ursprungsland Peru praktisch alle barhufig sind, und dies sogar Voraussetzung für die Teilnahme an Turnieren ist. Der Peruaner will keinerlei äussere (Gewichts-) Einwirkung auf die Gangqualität des Pferdes.

Einige Argumente, welche ich gut nachvollziehen konnte:
– Ein Barhufpferd zeigt harmonischere, rundere Bewegungsabläufe und ist dabei besonders trittsicher.
– Ein unbehinderter Hufmechanismus ermöglicht gute Durchblutung der Extremitäten und hält den Stoffwechsel in Schwung.
– Natürliche Stossdämpfung und Schonung der Gelenke.

Was ich auch immer wieder höre:
– Dass ein Peruaner durch den Termino sämtliche Hufschuhe verliert.
– Dass Hufschuhe an einem Pferd total schrecklich aussehen und kompliziert anzuwenden sind.

Ein Praxistest
Ich entschied mich zu einem Praxistest, denn ich war einfach neugierig, wie es meinem Pferd und mir ergehen würde, als «Barhufer» unterwegs zu sein. Ich entschloss mich deshalb, mein Jungpferd Dominguita CSM, eine Paso Peruano Stute, nach dem Anreiten nicht zu beschlagen, sondern weiterhin barhuf laufen zu lassen.
Etliche Erfahrungsberichte zeigten auf, dass die Umstellung von einem beschlagenen Pferd zum Barhuf Pferd auch einige Schwierigkeiten (Hufabzsesse etc.) beinhalten kann. Ich sah es deshalb als ideale Gelegenheit, ein noch nie beschlagenes, junges Pferd weiterhin unbeschlagen zu lassen, denn es konnte bereits ein recht resistentes Horn ausbilden.

Unterwegs mit Barhufen
Eine der Thesen, die ich gelesen hatte, besagte, dass ein Pferd, wenn es gut auf das Barhuf laufen vorbereitet wird und in dieser Zeit ausreichend auf verschiedenen Böden stimuliert wir, auch keinen temporären Hufschutz benötigt. Ich entschied mich deshalb, diese Variante auszuprobieren. Nachdem Dominguita CSM im Frühling aus Frankreich zu mir in die Schweiz kam, lernte ich die Schweizer Bodenverhältnisse kennen, die in meiner Gegend aus Asphalt, Wiesenwege, Kieselsteinwege und Mergelwege sowie Steingeröll bestehen.

Ich war erstaunt, wie gut die junge Stute barhufig mit den Bodenverhältnissen klar kam. Sie suchte sich jeweils die etwas weicheren Wegränder aus, schritt bei Bedarf aber auch gut über grössere und kleinere Steine hinweg.

Nach ca. 2 Wochen steigerte ich das Tempo und töltete über die Wege. Hier zeigte Dominguita schon deutlicher, dass sie unbedingt am Seitenrand gehen wollte. Töltete ich auf Wegen, die Steine hatten, fiel sie aus dem Gleichgewicht und ich konnte weder Form noch Tempo bestimmen. Auf Asphalt schien es ihr dagegen sowohl im Schritt und Tölt bestens zu gehen.

Nach ca. einem Monat musste ich feststellen, dass ich barhuf mit meinem Pferd zwar überall hinkam, aber mein Tempo immer auf den Boden abstimmen musste und somit das Training des Jungpferdes nicht optimal gestalten konnte. Es war mir klar, dass 1 Monat Erfahrung deutlich zuwenig war, um zu sagen, ob mein Pferd auch ganz barhuf laufen kann. Dafür braucht es nach Literatur schon mal bis zu 2 Jahren, bis das Horn genügend resistent ist. Trotzdem entschloss ich mich, dass das nur barhuf laufen vorläufig als Experiment abgeschlossen war und ich Hufschuhe ausprobieren wollte.

Welcher ist der richtige Hufschuh?
Es gibt x verschiedene Modelle von Hufschuhen, und schnell wurde mir klar, dass es nicht so einfach ist, die richtigen Hufschuhe für sein Pferd zu finden, wenn man nicht alle Modelle durchprobieren will. Ich wollte ein «diskretes» Modell, das einfach anzuziehen war, kein Spezialwerkzeug benötigte, das keine «schlappende Geräusche» beim Reiten macht und dessen Sohle ein gutes Untergleiten der Hinterhand ermöglicht (bei der Gangmechanik des Peruaners wichtig). Glücklicherweise hatte ich bereits einen wertvollen Erfahrungsbericht von Oskar Zemp mit der Paso Peruano Stute Cortesana CSM, welche seit einigen Jahren mit Easyboot epic erfolgreich unterwegs sind.

So suchte ich jemanden, der mir Easyboot epic Schuhe für mein Pferd anpassen konnte oder mir aufgrund der Hufform andere Schuhe empfehlen konnte. Kurze Zeit später kam Simone Tschumi, Hufpflegerin BESW auf den Hof und raspelte Dominguitas Hufe erst mal in korrekte «Barhufform». Danach vermass sie die Hufe genau und ermittelte die passende Grösse (00) für die Hufschuhe. Jede Hufschuhmarke hat eigene Grössen, und deshalb macht es Sinn, die ersten Schuhe durch einen Profi korrekt anpassen zu lassen, damit sowohl Form wie auch Grösse stimmen.

Easyboot epic
Der Easyboot epic besteht aus einem Plastikschuh, einem Fesselschutz (Gaiter) aus Neopren und einer Schnalle, mit welcher ein Befestigungsdrahtseil gespannt wird. Der Vorteil des Gaiters ist, dass die Flugkraft des Schuhes (beim Termino des Paso Peruanos nicht unwesentlich) deutlich gemindert wird und der Schuh sicher am Huf bleibt. Zudem treten dadurch deutlich weniger Schmutz und Steinchen in den Hufschuh. Kosten pro Schuh Fr. 110.-. Es sah bei ihr ziemlich einfach aus. Sie überprüfte die richtige Einstellung, und zeigte mir auf, dass die Schnallen durchaus fest sitzen müssen. Wir prüften in einer Testrunde, wie das Pferd mit den Schuhen lief, und waren mit dem Ergebnis zufrieden. Simone erinnerte mich daran, die Stute langsam an die Schuhe zu gewöhnen und die Rittlänge langsam zu steigern, um allfällige Scheuerstellen durch den Gaiter zu verhindern.

Wie krieg ich dem Pferd nur die Schuhe an….
Nun war ich dran mit ausprobieren. Nach kurzer Zeit hatte ich Schweissausbrüche, denn was bei Simone so leicht ausgesehen hatte, empfand ich als ziemliches Gewürge und ich hoffte, dass Dominguita der Geduldsfaden nicht reissen würde, während ich mich abmühte. Simone gab mir da und dort noch einen Tipp und meinte fröhlich, mit etwas Übung werde das sicher klappen.

Ich zweifelte etwas daran, denn weder ich noch Dominguita empfanden das Anziehen der Schuhe als angenehm. Dies liess mich Dominguita beim zweiten Mal auch deutlich wissen und kickte mit den Hinterbeinen bei jedem Versuch, den Schuh anzulegen, aus.
Ich brauchte also erstmal Helfer, um die Schuhe anzulegen, (welche alle härzig fanden, weil sie sooo klein sind). Ganz zu schweigen davon, dass man bei solchen Schuh Experimenten, in einem konventionellen Stall zwischen Freibergern und Haflingern, doch eher skeptisch beäugt wird. So schwer konnte das doch aber nicht sein. Ich überlegte mir deshalb, was ich falsch machte und recherchierte nochmals im Internet. Dort schaute ich mir die Youtube Videos des Herstellers an, und siehe da, ich entdeckte ein paar kleine Details, welche diese anders machten. So zieht man z.B. das Vorderbein etwas nach vorne und klemmt es sich zwischen die Oberschenkel, dann hat man den Huf im richtigen Winkel und zwei Hände frei, um den Schuh sanft in Position zu drücken. So ging ich beim nächsten Mal mit viel Geduld, neuer Technik und deutlich mehr Feingefühl an die Arbeit, und wirklich, es klappte schon deutlich besser.

Das Anlegen erfolgt ohne jegliches Hilfsmittel. Die Schnallen mache ich vorne mit den Händen zu, hinten trete ich mit dem Fuss auf die Schnalle, um sie zu schliessen. Beim Ausziehen nehme ich einen Vollmetall Hufkratzer und heble damit die Schnalle wieder auf. Mit blossen Händen ist das nicht zu bewältigen. Inzwischen geht das Anziehen wirklich schnell, ca. 45 Sek. pro Schuh. Nach dem Reiten wasche ich die Schuhe kurz mit einer Bürste aus und lege sie umgekehrt auf einen Balken. Das Neopren trocknet schnell und ist einfach sauber zu halten.

Dominguita CSM hatte von Anfang an keinerlei Scheuerstellen, und wir konnten die Rittlänge schnell steigern. Anfänglich lief sie aus Gewohnheit den Wegrand entlang, merkte jedoch schnell, dass ihr die Steine nicht viel anhaben konnten.
Wir haben in ¾ Jahren die Hufschuhe nie verloren. Wir sind im Schritt, Tölt und Galopp unterwegs. Ich bin zum Test auch auf Schnitzelplätzen und Sandplätzen mit Schuhen geritten. Dort sammelt sich allerdings gerne Material in den Schuhen, und barhuf erscheint die bessere Variante. Die Hufschuhe sind noch immer in gutem Zustand und können noch lange benutzt werden.

Winterzeit

Dann kam der Winter, und wir spazierten zum ersten Mal mit Schuhen im Schnee. Ich hatte gewisse Zweifel, ob das gut gehen würde, und nahm vorsichtshalber den Hufkratzer mit, damit ich die Schuhe unterwegs ausziehen konnte. Für Dominguita CSM war es der erste Ritt im Schnee überhaupt, und deshalb war sie nicht besonders vorsichtig. Schon nach wenigen Metern glitt sie auch ohne Reiter mit den Schuhen aus. Vor allem mit der Hinterhand machte sie einige Sliding Stopps. Ich nahm die Hufschuhe deshalb sofort ab und ging barhuf weiter. Das war eindeutig die richtige Entscheidung, denn die Stute hatte sofort besseren Halt.
Huguette Zemp‘s Warnung per SMS: «Nicht mit Hufschuhen im Schnee reiten» kam leider zu spät, bestätigte aber meine Erfahrung.

Entsprechende Recherchen zum Thema ergaben, dass Praktiker für den Winter entweder das Barhufreiten oder aber Hufschuhe mit Metallstollen empfehlen.  Da ich inzwischen auch barhuf einige Male auf der Strasse gerutscht bin und Dominguita CSM auch jederzeit zu unternehmungslustigen Hüpfern aufgelegt ist, habe ich 4 neue Easyboot epic bestellt, die mit je 6 Stollen ausgerüstet sind, damit ich ein paar «Winterreifen» für mein Pferd habe. Ich bin gespannt, wie gut es sich damit auch im Winter reiten lässt.

Vielleicht hilft Euch mein Erfahrungsbericht bei euren Entscheidungen, und ich wünsche euch allen, mit oder ohne Hufeisen, wunderschöne Ritte mit Euren PASOS!

Erfahrungsbericht Barbara Camenzind
Meinen Paso Peruano habe ich angeritten im Alter von viereinhalb Jahren und beschlagen übernommen.  Nach zwei Jahren und nach einem sechswöchigen Weideaufenthalt im Jura, für den die Eisen entfernt werden mussten, beschloss ich, es dabei zu belassen und auf Barhuf umzustellen. Damals, etwa vor zehn Jahren, gab es noch keine so grosse Auswahl an Hufschuhen wie heute. Ich wolle so dezente und einfache wie möglich, die am natürlichsten aussahen, und entschied mich für die bewährten Swiss Horse Boots, einer der Prototypen der Hufschuhe. Es sind derzeit die leichtesten Hufschuhe auf dem Markt. Die Hufe habe ich von einem Huftechniker bearbeiten lassen, der anschliessend die Hufschuhe sorgfältig anpasste. Ich gewöhnte das Pferd durch Spazierenführen und kleine Ritte daran, das war aber eine kurze Phase, und schon bald ritten wir ganz normal. Mir scheint, dass der Schuh den Bewegungsablauf des Pferdes in keiner Weise beeinträchtigt, weder im Tölt noch im Galopp. Ab und zu verlieren wir mal einen Schuh im Galopp, aber wenn ich vorne noch ein Fangriemchen befestige, passiert das nur noch selten.

Seit zehn Jahren sind wir nun mit Hufschuhen unterwegs, kurze Strecken zur Reithalle auch barhuf, und nie hatten wir irgendwelche Probleme mit Scheuer- oder Druckstellen. Der Huf ist gesund, stark und von bester Qualität, was uns Freude macht und für das Barhuf laufen spricht.

Für den Winter habe ich übrigens ein extra Set Hufschuhe mit Stollen. So kann ich je nach Wetterlage enscheiden, ob barhuf besser ist – bei weichem Schnee – oder ob Stollen sicherer sind – auf eher eisigen Wegen.

Für die Barhufpflege lasse ich den Hufpfleger alle drei Monate kommen, zwischendurch rasple ich mal selbst oder schneide den Strahl. Eine Barhufpflege kostet Fr. 110.-, ein Swiss Horse Boot kostet Fr. 95.- und hält bei meinem Pferd ein- bis eineinhalb Jahre, aber das ist von Pferd zu Pferd sehr verschieden.

Barbara Camenzind

Erfahrungsbericht Huguette und Oskar Zemp
In unserer Gegend ist es nur schwer möglich, ein Pferd barhuf zu reiten. Ich konnte es mit meiner ersten Stute Graziella Suiza machen, weil sie ein ausserordentlich gutes Hornwachstum hatte. Leider haben mein jetziger Wallach Zar und Cortesana, die Stute meines Mannes, zwar sehr gutes Horn, aber das Wachstum ist zu geringfügig, um dauerhaft barhuf zu gehen. So entschlossen wir uns für den üblichen Beschlag. Damit hat Zar gar keine Probleme, aber Cortesana wurde von Beschlagsperiode zu Beschlagsperiode fühliger. Sie fing an zu lahmen oder zu «pantoffeln», d. h., anstatt mit der Hufspitze zuerst auf den Boden zu kommen, wich sie auf die Trachten aus flap, flap, flap tönte es neben mir her.

Wir versuchten es mit Alueisen, mit Spezialbeschlag, extra dünn und tief genagelt wie bei Rennpferden, nichts half. Nachdem die Röntgenbilder nichts Auffälliges gezeigt hatten und wir über zwei Jahre herumprobiert hatten, wollten wir sie nicht länger leiden sehen. Aus lauter Unwohlsein war sie komplett verspannt, mit sechs Jahren lief sie auf dem Weg zur Weide hinter mir her wie ein altes, müdes Pferd. Während mein Wallach auf der Weide herumtobte, lief sie zum erstbesten Grasbüschel und frass: ja kein Schritt zu viel! Wir nahmen die Eisen selber weg, zwei Stunden später nahm ich die Pferde mit zur Weide ? und siehe da: sie rannte umher, wie ich es von einem jungen, gesunden Pferd auch erwarte. Ich war total erleichtert!

Für mich war klar: wir müssen jetzt die passenden Hufschuhe suchen.

Unser erster Versuch mit Swiss Horse Boots war nicht befriedigend. Cortesana konnte nun ihr wahres, feuriges Temperament zeigen und verlor ihre Schuhe ständig, obwohl wir diese von einem Hufpfleger extra hatten anpassen lassen. Hufform und Grösse waren eben für die Swiss Horse Boots nicht optimal.

Als zweites versuchten wir die Easyboot Epic mit Metallschnallen und Neopren-Manschette und hatten die Hoffnung, dass diese Schuhe besser am Huf bleiben würden. So war es dann auch. Wir sind jetzt seit über drei Jahren bei jedem Wetter und bis zu sechs Stunden und mehr ohne Probleme unterwegs, auch im Peruaner-Galopp. Hufschuhe können jedoch heikel sein auf

– nassem, langem Gras
– im Match
– im Schnee oder auf vereisten Strassen

Daher ist es sehr empfehlenswert, Schuhe mit Stollen zu verwenden.

Die Neopren-Manschetten sind wirklich sehr weich, und wenn sie sauber gehalten werden, verursachen sie keine Scheuer- oder Druckstellen. Bei Cortesana, die zwei weisse und zwei schwarze Fesseln hat, stellten wir fest, dass die weissen Haare im Haarwechsel, also Frühling und Herbst, empfindlicher sind als die schwarzen und gerne von der Manschette abgeschabt werden. Wir haben zuerst mit alten Socken die Fesseln geschützt, was recht gut ging. Einfacher und bei Cortesana ebenso hilfreich ist es, die trockenen Fesseln gut mit Babypuder einzupudern. Die Manschette gleitet dann, ohne das Haar abzureiben oder die Haut zu reizen, falls eine Kahlstelle schon vorhanden ist.