PCI Gazette 37, Januar 2010

Editorial

Robert Zürrer

Wie gewohnt findet ihr in der ersten Gazette des Jahres den Veranstaltungskalender für die kommende Saison. Ganz speziell möchte ich euch auf unser Turnier, welches diesmal wieder mit einer kleinen „Fiesta“ verbunden sein wird, aufmerksam machen. Wir hoffen, dass es uns einmal mehr gelingen wird, mit einem aufgelockerten Turnierprogramm einen schönen und fröhlichen Tag zu verbringen. Ich möchte alle von euch dazu aufrufen, als Reiter/in oder wenigstens als Zuschauer/in an diesem Anlass teilzunehmen. Ganz speziell freuen würde mich, wenn auch einige unserer nicht-schweizerischen Mitglieder sich dazu entschliessen könnten, uns zu diesem Anlass zu besuchen. Ich bin mir natürlich bewusst, dass Bern für die meisten von euch nicht gerade vor der Haustüre liegt. Ich möchte aber darauf aufmerksam machen, dass wenigstens der Grenzübertritt mit den Pferden nicht mehr kompliziert ist.

Bestimmt haben einige von euch in der Presse gelesen, dass vor kurzer Zeit das komplette Genom des Pferdes entschlüsselt wurde. Dies ist eine beeindruckende (und kostspielige) Leistung der beteiligten Forschergruppen und bietet Ausgangspunkt für weitere Forschungen, insbesondere im Zusammenhang mit gewissen Erbkrankheiten. Wer weiss, vielleicht findet man in absehbarer Zukunft endlich die Gensequenzen, welche für den Tölt verantwortlich sind.

Ich persönlich stehe der aufkommenden Euphorie allerdings mit einiger Skepsis gegenüber. Gerade in der Pferdezucht, wo viele Merkmale schlecht quantifizierbar und zudem starken modischen“ Schwankungen unterworfen sind, ist nicht ersichtlich, welchen Gewinn eine solche Selektion bringen wird. Es ist zudem irgendwie grotesk, wenn man sich vor Augen hält, wie z.B. unsere Paso Rassen zu dem wurden, was sie heute sind. Spezielle Anforderungen der Umwelt, der Menschen, die Fähigkeit guter Züchter mit dem notwendigen Züchterblick, Züchterglück und unendlich viel Geduld haben über Generationen Pferderassen geschaffen, welche den speziellen Bedürfnissen der Nutzer möglichst gut entsprechen. Kann es, so frage ich mich, den leidenschaftlichen Pferdezüchter befriedigen, mit schwer verständlichen Programmen, welche eines Tages den genomischen Zuchtwert eines Fohlens beschreiben, seine Zuchtentscheide zu treffen? Wird er letztendlich nicht vielleicht doch eher auf seine innere Stimme hören bei der Auswahl der Paarungspartner? Macht es dann überhaupt noch Spass, Züchter zu sein?
Das sind wohl Fragen, welche nur die Zukunft beantworten kann.

Ein anderes Thema, welches viele Pferdebesitzer immer wieder beschäftigt, ist die Frage des Hufschutzes. Soll man sein Pferd mit Eisen beschlagen, einen alternativen Hufschutz verwenden oder ganz barfuss gehen lassen? Erfahrungsgemäss gehen bei diesem Thema die Meinungen weit auseinander. Das liegt wohl einfach daran, dass es keine für alle gleichermassen gültige Lösung gibt. Sicher ist aber, dass man sich zu diesem Thema alle möglichen Erfahrungsberichte einholen sollte, um dann nach den persönlichen Bedürfnissen die bestmögliche Lösung zu finden.

Ich wünsche euch allen ein spannendes und erfülltes Jahr und den Züchtern den richtigen Züchterblick!

Robert Zürrer