PCI Gazette 37, Januar 2010

Besuch auf Gut Kranichhof

Nicole Schmid und Fried Bauer

Unsere PCI Mitglieder Nicole Schmid und Fried Bauer haben sich das neue Paso Peruano Gestüt Kranichhof in Norddeutschland angesehen – und bereits beim ersten Besuch  ihr Herz verloren!

Auf dem Weg nach Brandenburg zu Karl Decruppe machten wir vorher noch einen Abstecher über Stuttgart, um uns die Show “Ben Hur” anzusehen. Durch die wochenlange Vorankündigung sowie Werbung in allen Pferdfachzeitschriften waren unsere Erwartungen gross. Angeblich würden 400 Schauspieler und 100 Pferde mitwirken. Der Veranstalter ist ein Deutscher und verspricht sich einen Millionengewinn durch die Aufführung. Die Premiere war Ende September in London.
Nun ist der Trupp in der ganzen Welt unterwegs, um Ben Hur aufzuführen. Leider hat es uns überhaupt nicht gefallen, wir waren total enttäuscht! Die Halle war nur zur Hälfte besetzt, und als die Show anfing strömten die vielen Schauspieler auf die Bühne, aber leider nur acht Pferde. Die Reiter ritten alle mit Gerte, was überhaupt nicht zu den Kostümen passte. Die Pferden wirkten im allgemeinen sehr wenig mit. Das Wagenrennen war nicht schlecht, aber das erste Gespann wurde von Haflingern gezogen, was überhaupt nicht zum Bühnenbild passte. Es war keine Pferdeshow im eigentlichen Sinne, sondern ein Medienspektakel, und zu all dem war die Bühnensprache Latein! Wir waren beide der Meinung, dass jede andere Show, wie zum Beispiel die Appassionata oder die Hot Top Show der Equitana, weit anspruchsvoller sind. Für uns war es ein enttäuschender Abend, der 250.- Euro, ohne Speisen und Getränke, gekostet hatte.

Am nächsten Morgen fuhren wir Richtung Berlin. Kurz davor, in der Nähe von Potsdam, hatten wir auf einem Gestüt, das auch ein Hotel führt, ein Zimmer gebucht. Wir staunten nicht schlecht, als wir durch das große Tor die Einfahrt entlang auf das riesige Anwesen fuhren: Ein Kreisel, übersät mit roten Rosen und in der Mitte eine Skulptur mit Pferden. Unser Hotel war ein Traum, wundervolle Zimmer und alles ganz neu. Wir waren die einzigen Gäste! Auf der Anlage gab es 70 Pferde und mehrere Reitplätze sowie eine riesige Halle mit einer Tribüne wie in der Wiener Hofreitschule. Es gab noch ein wunderschönes, schickes Restaurant.
Dieser Besitz gehört Frau Gutmann, die von Schockemöhle einen berühmten Hengst gekauft hat und mit ihm züchtet. Gerne kann man sich die Pferde und die Anlage samt Hotel im Internet anschauen; wer weiss, wann man mal wieder in Berlin ist, man könnte ja dort übernachten: www.gestuet-bonhomme.de

Dann ging es aber am nächsten Morgen endlich zum Gut Kranichhof. Wir wurden gleich sehr freundlich von Karl Decruppe begrüsst. Er stellte uns in Ruhe alle seine Pferde vor. Es war herrlich, sie kamen uns gleich neugierig entgegen. Auf einer riesigen Fläche, die an ein Naturschutzgebiet grenzt, haben die ca. zwanzig Paso Peruanos großzügige Koppeln. Als erste sahen wir zwei süsse kleine Fohlen, ein braunes und ein graues. Gleich waren wir in das graue verliebt, das sehr eigenwillig war und sich auf Distanz zu uns hielt. Aber die Farbe war sehr außergewöhnlich, wir waren beide so angetan von dem kleinern Kerlchen. Karl führte uns zu seinem Vater, Famoso Salteño, der mit zwei Junghengsten am Ende des Grundstückes weilte. Auch er war wunderschön und ausdrucksstark. Als wir alle Pasos kennengelernt hatten, erwartete die Freundin von Karl, Heike, uns schon mit einem köstlichen Essen.

Während der Mittagspause hatten wir viel zu erzählen und auszutauschen. Wir sahen uns anschliessend schöne Bildbände aus Argentinien an. Alle Paso Peruanos von Karl stammen aus Argentinien, was für uns sehr interessant war, da die Pferde dort noch sehr ursprünglich sind. Es wurden auch Fotos von den Anfangszeiten der Zucht in Europa herumgereicht, als die ersten Paso Pferde nach Deutschland kamen. Fried ist ja schon seit über 30 Jahren Besitzer von Paso Peruanos und hatte viele interessante Geschichten zu erzählen. Wir fühlten uns sehr wohl bei der Familie Decruppe und konnten durch das Fenster die beiden süßen Hengstfohlen beobachten. Ja, und schon bald war uns klar, dass das graue unseres wird.

Nach dem gemütlichen Plausch wurden dann die Pferde gesattelt und Karl lud uns auf einen Ausritt durch das herrliche, wilde Naturschutzgebiet ein. Die Pferde gingen sehr schön auf den weichen Sandböden. Wir konnten herrlich tölten. Nach ca. einer Stunde machte uns Karl auf Spuren von Wölfen aufmerksam, die sich hier angesiedelt hatten. Mich schauderte der Gedanke, dass uns plötzlich ein Wolf
begegnen könnte. Ich war ständig auf der Lauer. Doch mit Karl waren wir ja in sicheren Händen, da er Jäger ist und total ruhig war. Jedenfalls war es ein schöner Ritt! Wir wurden freudig von Famoso begrüsst und waren total angetan von dem wunderschönen Tier. Das kleine Hengstfohlen muss nun unbedingt in die Pfalz, unsere Augen strahlten, wir waren uns einig.

Es war ein schöner Besuch bei Karl Decruppe, und im März werden wir den kleinen Cimarron holen, da er erst 4 Monate ist und noch über den Winter bei seiner Mutter bleiben darf. Wir freuen uns jetzt schon riesig, ich kann es kaum erwarten. Dann werden wir auch wieder einen schönen Ritt mit Karl machen, der allgemein viele verschiedene Ritte und Touren organisiert.

Wir haben uns sehr gefreut, so nette Pasoleute kennengelernt zu haben. Karl schickt uns nun wöchentlich News aus „Pasohausen“, und wir sind in voller Erwartung auf den kleinen Cimarron, unser neues Familienmitglied!

Nicole Schmid und Fried Bauer,
Katharinenhof, Bad Bergzabern