PCI Gazette 37, Januar 2010

Der perfekte Kindergarten – Fohlenaufzucht bei Andrea Jänisch und Hermann Willemsen

Nadine Fitzgerald

Im Unterschied zur üblichen Aufzucht, bei der Jungpferde bis zu ihrem dritten Lebensjahr mehr oder weniger sich selbst überlassen bleiben, führen Andrea Jänisch und Hermann Willemsen Fohlen schon in den ersten Lebensjahren an erste, leichte Aufgaben heran. Dies geschieht sanft und ohne Überrumpelung im Sinne des Epochalunterrichts aus der humanen Pädagogik: Leichte, jungpferdegerechte Arbeit wechselt sich ab mit Erholphasen in einem grosszügig angelegten Hit-Aktivstall und Sömmerung auf grosszügigen Alpweiden. Jeweils nach einigen Wochen Ausbildung folgt also eine Ruhezeit, in der sich das Gelernte setzen kann.

Meinem Stutfohlen fehlte es eigentlich an nichts. Herdenanschluss, Weideauslauf und gute Versorgung waren gesichert. Trotzdem schien mir der Alltag des Stütchens zu einförmig und die Weiden kamen mir im Hinblick auf die Entwicklung der Motorik und Trittsicherheit sehr platt vor. In der Absicht zumindest für die Sommermonate eine andere, geländemässig anspruchsvollere Möglichkeit für mein Stutfohlen zu finden, kontaktierte ich Andrea Jänisch.

Der Ansatz, den sie zusammen mit Herman Willemsen verfolgt, geht jedoch weiter als meine ursprüngliche Idee. So bot sie mir an neben Alpaufenthalt im Sommer und Haltung im Hit-Aktivstall im Winter mein Stutfohlen auch bereits ein wenig in seine spätere Aufgabe als Reitpferd einzuführen. In kurzen Reprisen wurde sie anfänglich in die Bodenarbeit eingeführt, später ans Handpferdereiten gewöhnt und schliesslich sanft eingeritten. Daneben lernte sie Hängerfahren, findet sich in verschiedenen Umgebungen und Herden zurecht und ist ein aufgewecktes und wohlerzogenes Jungpferd, das dem Menschen Respekt und Vertrauen entgegen bringt.

Die oft genannten Befürchtungen, dass Jungpferde bei frühem Gewöhnen an den Menschen frech und respektlos würden, kann ich nicht bestätigen. Bei meinem letzten Besuch auf der Sommeralp war sie zutraulich, wie man das von einem gearbeiteten Pferd erwarten kann, drängelte und stupste aber nicht ein einziges Mal. Dieses junge Pferd hat den Menschen ganz klar als verlässlichen Leader kennengelernt.

Für mich bringt diese Form der Aufzucht den Vorteil, dass nicht nach jahrelanger Unterforderung in den ersten Lebensjahren das Pferd beim Einreiten dann eigentlich zu viele Dinge auf einmal lernen soll. Ein Pferd, das portionenweise kleinere Aufgaben zu lösen bekommt, hat es mit Sicherheit einfacher und steht der Arbeit mit dem Menschen prinzipiell positiver gegenüber.
Genauso wie beim Einreiten des Dreijährigen ist aber natürlich auch bei der Arbeit mit Fohlen die Qualität der Arbeit entscheidend. Als langjährige Kundin von Andrea Jänisch und Herman Willemsen weiss ich, dass ihre Arbeit meine Ansprüche in jeder Hinsicht befriedigt. Ich würde mich wieder für diese Aufzuchtsvariante entscheiden.

Nadine Fitzgerald

Interessierte Fohlen- und Jungpferdebesitzer finden weitere Auskünfte unter
www.andrea-jaenisch.de oder unter +49 (0)1 72/6 11 00 69.