PCI Gazette 36, September 2009

1. Swiss Paso Fino Classic in Schocherswil

Barbara Camenzind

Am 8./9. August fand auf der Swiss Paso Fino Farm in Schocherswil die erste Paso Fino Classic statt. Mehr als fünfzig gemeldete Pferde und eine vielzahl von abwechslungsreichen Prüfungen machten das Turnier zu einem Erfolg.

Nachdem der Samstag etwas regnerisch war, präsentierte sich der Sonntag dafür umso schöner und bot eine perfekte Kulisse für die feinen, südamerikanischen Pferde. Schocherswil ist ein kleines, ländliches Dorf, auf einem Hügel in der Nähe des Bodensees gelegen. Hier konnten sich Daniel und Claudia Greb, die Ausrichter dieser PFAE Veranstaltung, seit 2002 ein mittlerweile grosses Pferdeparadies erschaffen mit Offenställen, Hengstställen, gedecktem Trainings-Roundpen und vielen Weiden. Kürzlich kam eine Ovalbahn hinzu, die nun diese erste Paso Fino Classic in der Schweiz ermöglicht hat.

Es waren über 40 Pferde in Schweizer Besitz, die am Turnier teilnahmen, nebst Pferden vom Sternberghof aus Deutschland – präsentiert von Doris Sperber und Bereiter Stanly Paul – und von Britta Mülle aus dem Elsass. Erfreut haben die vielen jungen Reiterinnen und Reiter, die die Paso Fino Szene für sich entdeckt haben. Sie ritten Pferde der Swiss Paso Fino Farm oder Pferde im Besitz ihrer Familie, und mehrere Prüfungen wurden nur für diese Junioren unter 18 Jahren angeboten.

Die Adult Klassen waren ebenfalls alle durchwegs zahlreich besetzt, und ein Höhepunkt waren jeweils die Classic Fino Prüfungen. Die Classic Fino Adult entschied Stanley Paul mit Ovación de los Angeles (im Besitz von Doris Sperber) für sich, die Classic Fino Schooling (für Jungpferde bis 72 Monate) Claudia Greb mit Enero de la Suiza. In der Performance Adult waren 12 Pferde gemeldet, und Doris Sperber gewann die Prüfung mit Ensueño de Classico.

Mehrere Hundert Zuschauerinnen und Zuschauer besuchten den Anlass, der perfekt und professionell organisiert war und einen guten Einblick in die Paso Fino Zucht und Szene in Europa gab. Die Swiss Paso Fino Farm gilt heute mit über 70 Pferden als der grösste Paso Fino Betrieb in Europa, entsprechend vielfältig präsentierten sich die Pferde. Wie auf allen Pferdeturnieren gab es korrekt gerittene Pferde, aber auch Bilder, die man lieber nicht sehen möchte. Zu solchen Eindrücken haben im Nachhinein Nicole Giger, Reitlehrerin klassische Dressur, und Andrea Andrighetto, Gangpferdetrainerin nach klassischen Grundsätzen, Stellung genommen. In einem offenen Brief bemängelten sie u.a. weggedrückte Rücken, zähneknirschende Pferde, verspannte Muskulaturen und röchelnde Atemgeräusche. Sie fordern die Organisatoren auf, an zukünftigen Paso Fino Turnieren in der Schweiz „die Qualität (der Reiterei) vor Quantität zu setzen und entsprechende Richtlinien zu erlassen.“ Diese Kritikpunkte bilden die negative Seite der Reiterszene – nicht nur bei den Paso Finos – die wir alle kennen, und wir hoffen, dass das Wohl und die Psyche des Pferdes immer vor dem sportlichen Erfolg stehen werden. Wir alle sind dazu aufgerufen, sich dafür einzusetzen.

Die Turnierergebnisse zur ersten Swiss Paso Fino Classic können hier eingesehen werden: http://www.pasofino.ch/page12.html

Barbara Camenzind