PCI Gazette 36, September 2009

TVD Equiden

Robert Zürrer

Informationen zum aktuellen Stand der Diskussion betreffend Realisierung einer zentralen Kennzeichnung und Registrierung von Equiden in der Schweiz.

Ausgangslage

Seit Inkrafttreten der Tierarzneimittelverordnung wird über eine zentrale Kennzeichnung aller Pferde, Esel usw. diskutiert. Diese Kennzeichnung und Registrierung soll, wenn man dem Bundesamt für Landwirtschaft glauben will, einem allgemeinen Bedürfnis entsprechen. Als Gründe für die Notwendigkeit einer solchen Massnahme werden unter anderem die Lebensmittelsicherheit und, wie dies in letzter Zeit üblich ist, der Hinweis, dass entsprechende Schritte auch in der EU vorgesehen sind, angeführt. Ob die Einführung einer zentralen Datenbank mit all dem unvermeidlichen administrativen und finanziellen Aufwand sinnvoll ist oder nicht, sei jedem Leser selbst überlassen zu entscheiden. Im Folgenden sollen lediglich der Stand der Diskussion und der Fahrplan für die Einführung dieser Pferderegistrierung dargelegt werden.

  • 2007 wurde durch die Änderung des Tierseuchengesetzes die gesetzliche Grundlage für die zentrale Registrierung aller Equiden geschaffen;
  • 2008 beschloss die EU die Einführung eines Identifizierungssystems für Equiden;
  • 2008/2009 wird die Tierseuchenverordnung geändert, und damit müssen ab 1.1.2010 alle Tierhaltungen mit Equiden zentral registriert werden. Gleichzeitig starten die Bundesämter (Veterniärwesen und Landwirtschaft) zusammen mit der Identitas AG (IT Firma, welche auch die Rinderdatenbank betreibt), das Projekt TVD Equiden.

Ziele des Projekts

Es soll eine Datenbank für eine gemeinsame Datennutzung im Agrar-, Veterinär- und Lebensmittelbereich entstehen. Sie soll, wie bereits angetönt, zur Überwachung der Tiergesundheit und der Lebensmittelsicherheit dienen.

In Anlehnung an die EU Verordnung sollen alle Equiden gekennzeichnet und auf einer zentralen Datenbank registriert werden sowie einen Pass erhalten. Jedes Pferd soll eine sog. UELN Nummer erhalten ( Universal Equine Life Number). Der Status Nutztier/Heimtier gem. Tierarzneimittelverordnung wird auf der zentralen Datenbank geführt. Ferner soll der Zugriff für Berechtigte auf die zentrale Datenbank gewährleistet und die Lösung kostengünstig sein (was immer das dann einmal heissen mag).

Stand der Arbeiten des Projektteams

Das Projektteam setzt sich zusammen aus Vertretern der grossen Pferdezuchtverbände, dem Pferdesportverband der erwähnten Bundesämter und der Identitas AG.

Vorgesehen ist, dass bei der Geburt eines Pferdes der Besitzer die Geburt innert 30 Tagen an die zentrale Datenbank meldet. Er erhält dann ein PDF mit den gemeldeten Daten und der UELN.

Darauf folgt die Grundidentifizierung, d.h., der Eigentümer muss bei der Geburt die Stelle angeben, welche das Fohlen identifizieren wird ( Verband, Organisation, Tierarzt usw.). Diese Stelle soll dann beauftragt werden, das Fohlen zu identifizieren. Diese Identifizierung wird anschliessend bis zum 31.12. des Geburtsjahrs auf der zentralen Datenbank erfasst.

Der nächste Schritt wäre die Kennzeichnung. Diese soll mittels Mikrochip erfolgen. Der Eigentümer erteilt dem Tierarzt den Auftrag, und dieser erfasst die Kennzeichnung auf der zentralen Datenbank. Anschliessend kann der Pass ausgestellt werden. Ob es hier eine Änderung geben wird, d.h., ob der Pass in Zukunft von einer zentralen Stelle ausgestellt wird oder wie bisher durch die Zucht- oder Pferdesportorganisationen, ist zur Zeit noch offen.

Im Weiteren müssen natürlich alle Änderungen gemeldet werden (Eigentümerwechsel, Tod, Schlachtung, Export usw.).

Die Einführung der Datenbank ist für den 1.1.2011 vorgesehen. Pferde, welche bis dahin nicht identifiziert worden sind, müssen innerhalb von 2 Jahren (Übergangsfrist) identifiziert werden. Tiere, welche vor dem 1.1.2011 nicht mit einem Mikrochip gekennzeichnet waren, müssen NICHT nachgekennzeichnet werden.

Für die Einführung müssen verschiedene Verordnungen angepasst werden, so z.B. die Tierseuchenverordnung, die Verordnungen über die Tierverkehrdatenbank, über die Gebühren für den Tierverkehr, über die Tierarzneimittel sowie über das Schlachten und die Fleischkontrolle.

Offene Fragen

Es bleiben noch verschiedene offenen Fragen.

  • Wie sollen Hobby Tierhalter, welche keinem Verband angeschlossen sind, informiert – und vom Nutzen der ganzen Geschichte überzeugt werden
  • Wer vergibt die UELN
  • Wer stellt Equidenpässe aus

Dies sind die offenen Fragen aus Sicht der Projektleitung. Den Pferdebesitzer dürften vor allem auch die Kosten interessieren.

Weiteres Vorgehen

Das weitere Vorgehen ist wie folgt geplant:

  • Anhörung beteiligter Kreise Nov/Dez 2009
  • Bundesratsentscheid Frühjahr 2010
  • Inkraftsetzung 1.1.2011
  • Diskussion Equidenpass
  • Realisierung im Rahmen der Gesamterneuerung der TVD per 1.1.2011

Mit dem vorgesehenen Projekt wird ein weiterer Schritt zur Bürokratisierung der Tierhaltung gemacht. Der Aufwand ist, wie die Erfahrung der Rindvieh-, Schaf- und Ziegenhalter zeigt, beachtlich und der Nutzen, wenigstens im Moment, nicht klar erkennbar. Die Einführung der zentralen Datenbank wird voraussichtlich auch Anpassungen in unserer Herdebuchführung notwendig machen. Wir werden nun die Anhörung abwarten. Wir nehmen gerne Kommentare unserer Mitglieder entgegen, um diese gegebenenfalls in unsere Antwort auf die Vernehmlassung einfliessen zu lassen.

Robert Zürrer