PCI Gazette 35, Mai 2009

Leserbrief

Mag. Eva Maria Svoboda

Die Gazette ist eine tolle Einrichtung, vor allem schätze ich, dass sie mehrmals jährlich erscheint. Die Beiträge sind spannend, informativ und ich warte immer schon sehnsüchtig, dass die Post wieder einmal eine Ausgabe bringt, wo doch der Informationsfluss im Paso-Bereich grundsätzlich etwas mager ausfällt – weil eben so eine kleine Population etc.

Die Gazette fällt für meinen Wissensdurst ein bisschen ‚dünn’ aus und sie könnte auch lebendiger sein – auch wenn vielleicht ab und zu Blödsinn dabei wäre. Es fehlt mir an Leserbriefen! Ein echter Aficionado ist doch mit Leidenschaft dabei! Da gibt es doch immer etwas zu meckern, zu berichten, Themen anzureissen, offene Diskussionen zu führen…

Gerade bei den grossen Distanzen ist die Gazette eine Chance für aktive Mitglieder, die sich Gedanken machen wie sie unsere Rassen vorwärts bringen können. Deshalb nun ein Aufruf an alle Mitglieder, auch wenn sie nur ein Pferd oder gar keines haben. Denn die Meinung jedes einzelnen zählt.

Also bitte an jeden einzelnen um Beteiligung an folgender Diskussion!

1. EM 2010 
Wir haben in Österreich in einem kleinen Kreis, der leider auch hier aufgrund der Distanzen nicht vollständig war, das Thema EM 2010 diskutiert und waren grundsätzlich einer Meinung. Dabei haben wir verschiedene Ansätze und Meinungen einiger Mitglieder der PPE aufgegriffen.

1.1. Vollständiges Aus der EM
Eine EM verleiht unseren Rassen doch ein bisschen mehr Wichtigkeit und ist ein Vorteil bei der Vermarktung unserer Pferde. Die EM gibt den Pasos die Möglichkeit, auch als Sportpferde wahr- und vor allem ernstgenommen zu werden. Ohne EM fällt der Paso wieder zurück in ein komplettes Schattendasein als Freizeitpferd, das gerade gut genug zum Ausreiten ist.

Weiters wäre es ungemein schade, auf die Erfahrungen und die gewaltige Vorarbeit der Organisatoren der EM zu verzichten. Denn wie wir alle wissen, gibt es wohl kaum jemanden in unserer Szene, der ‚Paso’ als Hauptberuf betreiben und somit das ganze Vereinsgeschäft so nebenbei abwickeln kann.

1.2. Staatsmeisterschaften
Die Vorschläge, eine Staatsmeisterschaft abzuwickeln, wird über den Status der Theorie nie hinauswachsen. Zwar stehen die Chancen für eine Staatsmeisterschaft in der Schweiz und Deutschland etwas besser, dennoch betreffen alle Länder die selben Argumente warum nicht.

Beispiel Österreich (ähnlich Italien, Belgien, Holland):

a) die potenziellen Teilnehmer sind zu wenig

b) Niemand traut sich an so eine Sache ran, weil schon die Organisation eines Kurses fast unmöglich ist wegen zu wenig Teilnehmern. Letztlich ist der Organisator der Dumme, weil er auf den Kosten sitzen bleibt, unmengen Arbeitsaufwand hat, das Risiko der Veranstaltung trägt und hinterher noch Schimpf und Schande erntet – denn reibungslos funktioniert eine Veranstaltung nie. Es gibt immer zumindest einen der meckert oder in welcher Form auch immer Pech hat. D.h., wir glauben, dass es kaum einen Hof gibt, der sich freiwillig ein Turnier antut.

c) In erster Linie geht es ja nicht darum, dass wir unseren persönlichen Ehrgeiz befriedigen um uns in einem Turnier zu messen, sondern für uns geht es primär darum, die Bekanntheit des Pasos vorwärts zu bringen. D.h., ein Turnier sollte den Zweck haben, für PR genützt zu werden. Ist dieses schlecht besucht und nur eine peinliche Farce oder wird auf PR verzichtet ist das Turnier den Aufwand nicht wert.

1.3. Trennung EM Peruano – Fino

Der Vorschlag, wieder eine eigenständige Peruano WM ohne Finos durchzuführen, weil die Peruanos (hauptsächlich finanziell) draufzahlen und die Finos einfach stärker sind:

Unsere Meinung: selber schuld, wenn die Peruanos zu schwach sind (Anm. wir sind aus dem Peruano-Lager). Man sollte sich vielleicht ein Beispiel an den Finos nehmen und deren Erfolg nutzen und sich anhängen.

Uns wäre überhaupt ein gemeinsames Paso Europa mit Untergruppe Fino + Peruano mit jeweiligen Länderdelegierten am liebsten. Und kein extra PCI, PPE, PFAE etc. Die einzelnen Vereine sind zu klein, um effizient und zu schwach, um effektiv arbeiten zu können. Eine Bündelung der Energien und Mittel und nur ein Ansprechpartner würden wir uns wünschen. Auch eine dickere Gazette und eine PasoLlanoNews, die öfter als 1 x jährlich erscheint. Natürlich, Weihnachten ist vorbei und wir sind mit den Wünschen zu spät, auch wissen wir, dass es bei den vorhandenen Kontroversen wahrscheinlich nie zu einem grossen Gemeinsamen kommen wird. Aber wünschen dürfen wir doch. Ausserdem glauben wir, dass wir nicht alleine diese Meinung vertreten.

1.4. Austragungsort EM

Auch aus Rücksicht auf alle Beteiligten, die aus anderen Ländern anreisen, kamen wir zu dem Schluss, dass der Mathes-Hof relativ zentral gelegen ist. Die Anreise ist für Schweizer, Italiener, Österreicher, Belgier und Holländer in etwa gleich weit. Selbstverständlich gibt es auch Mitglieder aus Dänemark und dem hohen Norden. Aber würden diese letztendlich auch wirklich teilnehmen, wenn die EM vor ihrer Haustüre läge? Die Frage ist, woher kommen potenzielle, ernst zu nehmende Teilnehmer?

Die Schweiz als Austragungsort ist aufgrund der Einreisebestimmungen am schwierigsten und hat, wie Österreich auch, eine saftige Maut. Süd-Deutschland als Austragungsort ist am sympathischsten.

Bei unserer Diskussion sind wir zum Schluss gekommen, dass eine EM in Verbindung mit einer Pferdemesse optimal wäre. Dabei hätten wir endlich die gewünschte Aufmerksamkeit und viel Publikum. Nachteil ist natürlich die nicht gerade pferdefreundliche Unterbringungsmöglichkeit und die Schwierigkeit, zwischendurch genügend Bewegungsmöglichkeiten für die Pferde zu finden. Normalerweise bekommt man Mobil-Boxen, die auf einem Asphaltboden aufgestellt werden. Aber vielleicht sollten wir im Namen unserer Pferde die Zähne zusammenbeissen und unserer geliebten Rasse zu liebe mitmachen. Dafür gibt es mehr Publikum und hoffentlich eine bessere Zukunft für die Pasos.

2. Reiterpass (Certificado)
Es wird immer wieder bekritelt, dass es zu wenig Nachwuchs gibt. Ich werde immer wieder von Kindern gefragt, ob sie denn bei uns den Reiterpass machen könnten. Die Möglichkeit sich weiterzubilden und dafür eine anerkannte Bestätigung zu erhalten, dürfte dem Nachwuchs eine bedeutende und berechtigte Forderung sein.

Wir können nicht länger mit leeren Händen dastehen und sagen: leider nein, es gibt nichts.

Der Reiterpass ist aber auch wohl die für Paso Pferde unpassendste Prüfung. Und seitens der FENA stiessen wir bisher in jeder Hinsicht auf blanke Ablehnung, wahrscheinlich aus Eigenschutz und Konkurrenzdenken heraus. Vor zwei Jahrzehnten hat sich die FENA noch erfolgreich gegen die Isländer- und Westernbewegung zur Wehr gesetzt, bis es nicht mehr ging und die FENA von der Welle überlaufen wurde und diese nun zähneknirschend auch diese Richtung zumindest nicht mehr ganz negieren kann.

Wesentlich sympathischer und nicht ganz so abwegig erscheint uns das Westerncertificate oder die AIWA. Da ist die Kluft schon viel geringer. Dennoch wäre es Unsinn, einen Peruano oder Fino durch das Certificate zu quälen, weil für uns der Sinn verloren ginge.

Im Mittelpunkt soll nicht das Besitzen irgendeines Abzeichens stehen, sondern die Qualität der Ausbildung. Ausbildung und Prüfung muss rassespezifisch erfolgen.

Das Westerncertificate hat unserer Meinung nach etwas zu wenig Theorie, was beim Paso wesentlich umfassender sein sollte. Bei den Distanzen ist es einfacher, ein gutes Buch zu kaufen als hunderte Kilometer zu einem Kurs zu fahren. Zudem haben die Pasos mehr Tradition und Kultur zu bieten als die nordamerikanischen Rassen.

Was spricht dagegen, ein eigenes Certificado für Pasos ins Leben zu rufen? Natürlich viel Arbeit und Frust!

Wir sind da zu wenig informiert, aber möglicherweise gäbe es eine Anerkennung von der AIWA? Andererseits; was spricht gegen eine Unabhängigkeit? Voraussetzung ist natürlich eine ‚interne’ Anerkennung von allen Paso-Vereinen in Europa und ein qualitativ hochwertiger standardisierter Hintergrund bei Ausbildung und Prüfung.

FAZIT:
Wir hätten gerne:
a) jedes 2. Jahr eine EM in Süd-Deutschland – wie gehabt, aber nach Möglichkeit gemeinsam mit einer Messe
b) einen eigenen Reiterpass (Certificado)

Mag. Eva Maria Svoboda