PCI Gazette 34, Dezember 2008

La Estancia Alegre – Paso Peruanos in New Mexico/USA

Barbara Camenzind

Eine feine Paso Peruano Zucht in New Mexico/USA

In der sand- und erdfarbenen Landschaft von Alcalde, auf dem Weg zwischen Taos und Santa Fe, dort, wo der Rio Grande noch jung und unspektakulär ist, liegt an seinem Ufer eine feine, ausgesuchte Paso Peruano Zucht. An die vierzige Pferde – Stuten, Fohlen, Wallache und drei Deckhengste – leben hier in einer Umgebung, die derjenigen Perus fast eins zu eins entspricht. Trocken von Natur aus, mit niedrigem Steppengebüsch und rötlicher Erde, erheben sich ockerfarbene Sandhügel hinter dem Fluss, der immerhin etwas Grün hervorbringt. Ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, das vom Rio Grande gespeist wird, sorgt dafür, dass die Pferde auf Grasflächen weiden können und unter ausladenden Bäumen Schatten finden. Eine grüne Oase in der Wüste, genau wie sich die Ranchos auch in Peru präsentieren. Sogar die Häuser sind in New Mexico im selben altspanischen Hacienda Stil gebaut – hier wie dort.

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Barbara Windom

La Estancia Alegre, wie dieses kleine Pferdeparadies heisst, wurde vor ca. zwölf Jahren von Barbara Windom gegründet. Es sind erst fünfzehn Jahre her, dass sie die Paso Peruanos durch eine Freundin kennen gelernt hat. Spontan hat sie ihr erstes Pferd erworben, nicht viel später folgten weitere, und 1996 stellte sie den peruanischen Trainer Roberto Quijandria ein, der ihr bis heute treu geblieben ist und sich in den USA in der Zwischenzeit einen hervorragenden Namen geschafften hat. Roberto bildet die Pferde traditionell peruanisch aus, war und ist aber stets bereit, bessere Methoden zu akzeptieren und zu integrieren. So liebt er es, mit den Pferden zu spielen und er lehrt sie von klein auf, sich überall anfassen zu lassen. Die Pferdenasen auf La Estancia Alegre sind neugierig und zutraulich. Seine Trainingseinheiten hält Roberto kurz, dafür regelmässig. Für seine Arbeit stehen ihm eine angenehm schattige Reithalle, ein Roundpen, eine Wiese mit gedeckten Sitzplätzen für Vorführungen und schöne, weiche Reitwege zur Verfügung. Die Ställe sind blitzblank sauber, und in der Stallgasse sorgt eine Sprinkleranlage, die jede Minute einen ganz feinen Sprühregen verstäubt, für die benötigte Kühle bei 35 Grad Sommerhitze.

Die Anlage verfügt über eine kleine Gästewohnung und einen gemütlichen Aufenthaltsraum, in dem alle erworbenen Schlaufen bunt von der Decke hängen. Fotos von vergangenen und jüngeren Erfolgen zieren die Wände. Nicht zu übersehen das Porträt eines charaktervollen Hengstes, dessen Ausstrahlung auf den ersten Bick in Bann zieht: Domecq, der viel gepriesene Zuchthengst der La Estancia Alegre und einstmals eines der Top Endurance Pferde der USA, der dieses Jahr am 1. Februar im Alter von 29 Jahren verstorben ist. Roberto Vavra hat ein wunderbares Porträt von ihm im Bildband „Pferde der Sonne“ verewigt.

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Die neugierige Stutenherde!

Domecq’s Blutlinie lebt in den Pferden in Alcalde weiter, und einer seiner Söhne, LEA Dorado de Domecq (8 J.), ein sehr konformer, freundlicher und kräftiger Junghengst, ist einer der drei Zuchthengste auf La Estancia Alegre. Der zweite Hengst auf dem Gestüt ist der inzwischen schon sehr bekannte, pechschwarze LEA Conquistador (11 J.). Kürzlich ist ein dritter Vererber hinzugekommen, ein sehr wohl geformter Fuchs namens LB Tesoro aus der Hand des Züchters Luis Bakker aus Ecuador.

Alle drei Hengste, die in Paddocks oder grossen Boxen mit Auslauf gehalten werden, sind sehr ruhig und zutraulich und machen einen guten Eindruck.

Aufgefallen bei dieser Zucht sind die starken, eher kurzen Fesseln, die bedeutend weniger durchtrittig sind als oft in Peru beobachtet. Auf diese Qualität legt Barbara Windom besonderen Wert. Das ist auch dem belgischen Züchter Georges Smits aufgefallen, der schon mehrere Pferde der La Estancia Alegre nach Europa importiert hat, entweder für seine kleine, feine Zucht oder für Kunden. Gerade werden wieder zwei Pferde bereit gemacht, die bald den Weg nach Belgien antreten werden, eine dunkle, junge Stute und ein schwarz glänzender Wallach, Juan Pablo. Laut Auskunft von Barbara Windom dauert die Quarantäne in Texas dreissig Tage, bevor die Pferde reisefertig gemacht werden.

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LEA Trainer Roberto Quijandria

Für Nachwuchs ist auch dieses Jahr gesorgt: Sechs muntere Fohlen vergnügen sich mit ihren Mamas auf den grünen Weiden. Eines mausert sich wohl zum Palomino, ein anderes wechselt gerade sein Fell von den Fesseln nach oben von mausgrau zu braun. Irgendwann wird sich ein Mensch finden, der das eine oder andere ins Herz schliessen und auf eine neue Reise mitnehmen wird.

Auf einer anderen Weide finden sich drei Quarterhorse Stuten, die Paso Peruano Fohlen austragen. Das tönt für uns fremd, ist aber in den USA schon normal. Die Embrios werden von Paso Stuten, die z.B. nicht gut austragen können, zu einer „Ersatzmutter“ transferiert. Die Züchterin ist mit den Resultaten durchwegs zufrieden.

Im Durchschnitt werden auf LEA vier bis sechs Pferde pro Jahr verkauft. Das erstaunt bei der doch grossen Anzahl an munteren Tieren, die sich hier überall tummeln – und es zeigt die Realität: Auch in den USA ist der Paso Peruano etwas ganz Besonderes, dessen Ausstrahlung und Eleganz nicht die Masse und den Sportgedanken, sondern die Seele anspricht.

Für mehr Informationen: www.laestanciaalegre.com

Fotos und Text: Barbara Camenzind