PCI Gazette 34, Dezember 2008

Einfluss energiereicher Fütterung

Robert Zürrer

Jedes Jahr gibt es unzählige Publikationen aus der Forschung zum Thema Pferd zu lesen. Vieles davon ist zwar aus akademischer Sicht recht spannend, hat aber manchmal doch wenig Bezug zur Praxis. Hin und wieder stösst man aber auf Arbeiten, welche grundlegende Probleme der Praxis berühren, aber kaum von der breiten Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen werden. Zu dieser Kategorie gehört eine Untersuchung einer Gruppe von Wissenschaftlern um Dr. Jan Bowman, einem Wissenschaftler, welcher an der Montana State University speziell im Bereich der Tierernährung forscht.

Bowman und seine Mitarbeiter haben zwei Gruppen junge, nah verwandte Pferde (Quarter Horses), welche alle aus dem gleichen Betrieb stammen, mit zwei grundsätzlich verschiedenen Futterrationen gefüttert. Die eine Gruppe erhielt ausschliesslich Heu (Gras/Luzerne Mischung), während die andere Gruppe zusätzlich 2-3 kg (5lbs.) eines Mischfutters aus Mais, Gerste, Hafer und Melasse erhielten. Alle Pferde konnten Heu fressen so viel sie wollten. Während des Versuches wurden die Pferde mit Schrittzählern und Pulsmessern ausgerüstet. Damit wurden die höchsten, tiefsten und durchschnittlichen Herzfrequenzen erfasst.

Die Forscher fanden nun heraus, dass diejenigen Tiere mit der energiereichen Nahrung unruhiger, ängstlicher und auch ungehorsamer waren. Sie zeigten deutlich mehr Widerstand gegen das Satteln und benahmen sich offenbar widersetzlicher als die Pferde aus der Gruppe mit nur Heufütterung. Auch seien die Pferde mit energiereicher Fütterung eher an der Herde „geklebt“, hätten bei Trennung öfter gewiehert und gebockt. Die Pferde wurden täglich 30 bis 40 Minuten trainiert. Bowman glaubt, dass die Ergebnisse ein Hinweis sind, dass sich die Trainingseffektivität junger Tiere erhöhen lässt, wenn man sie nicht mit energiereichem Futter füttert. Dabei wird aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es keineswegs darum gehe, die Pferde hungern zu lassen. Alle Pferde haben während der Untersuchung an Gewicht zugelegt.

Wade Black, ein Pferdetrainer und ehemaliger Student Bowmans, war der Initiant für diese Untersuchung. Er beschäftigt sich damit, die Resultate weiter auszuwerten, z.B. zu untersuchen, ob energiereiche Fütterung einen Einfluss auf den Adrenalinspiegel der Tiere hat.

Das frühe Training junger Pferde – Bodenarbeit, erstes Satteln usw. – dauert (in den USA) etwa 30 Tage und bildet, wie überall, die Grundlage für die weitere Ausbildung. Eine problemlose und effiziente Erstausbildung erleichtert die nächsten Stufen der Ausbildung wesentlich. Pferde, die in ruhiger Art die ersten Schritte der Ausbildung durchgemacht haben, sind auch von zukünftigen Besitzern einfacher zu reiten, auch wenn diese nicht so sichere Reiter sind.

Es kann aufgrund dieser Forschungsergebnisse deshalb durchaus Sinn machen junge Pferde, wenn auch nur während dieser ersten Trainingszeit, restriktiv zu füttern.

Quelle: Montana State University.

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Robert Zürrer