PCI Gazette 33, August 2008

Bericht aus Zuschauersicht

Carla Tschümperlin

Vom Mittwoch 31. Juli bis Sonntag 3. August war der Matheshof in Kreuth „the place to be“ für alle Aficionados der Paso Pferde. Rund 30 Paso Peruanos und 100 Paso Finos waren an 4 Tagen in sportlichen Wettkämpfen und den unterschiedlichsten Disziplinen zu sehen.  Die Durchführung wurde zum dritten Mal durch die Paso Fino Association Europe e.V. und die Paso Peruano Europa e.V. organisiert.

Für jeden Paso Liebhaber oder Interessierten eine tolle Möglichkeit, die unterschiedlichen Rassen in verschiedenen Prüfungen zu sehen. Jede Rasse wurde getrennt gerichtet und die Pferde stellten die Qualität der Gänge und Gebäude, die Rittigkeit sowie die rassetypischen Merkmale zur Schau.

Quo vadis Paso Peruanos?
Bei den Paso Peruanos richtete Mary Donald aus Idaho, USA als erfahrene Richterin und Trainerin von Gangpferden die Prüfungen. Mary Donald war dank Ihrer breiten, über 40-jährigen Erfahrung mit Paso Peruanos in den USA fähig, die nicht sehr homogene Gruppe von Reitern und Pferden kompetent zu richten.

Von Zuchtprüfungen für Hengste und Stuten über Sportprüfungen für Paso Llano, Rittigkeit und Juniorenklassen, es standen viele Möglichkeiten offen, seine Pferde zu zeigen.
Dem Zuschauer erschlossen sich insbesondere infolge des Richtens auf Platz, bei der die Pferde gegen Schluss des Wettbewerbs in die richtige „ Reihenfolge“ gebracht werden, die Richterkriterien.

Als Zuschauerin dieser Europameisterschaft der Paso Peruano drängt sich jedoch für mich die Frage auf: Quo Vadis Paso Peruanos in Deutschland?
Nach über 30 Jahren Zuchtarbeit und Promotion der Rasse Paso Peruanos in Deutschland, hat sich das Gezeigte im Vergleich zu den Anfangszeiten kaum entwickelt.

Kann, soll man ein solches Turnier eine Europameisterschaft nennen, welche eine sportliche Qualitätsselektion sein sollte?
Wo ist die Freude und Begeisterung für diese Rasse, wo sind die Pferde und Reiter, die uns Emotionen übertragen und den Zuschauer anstecken und neue Reiter für die Rasse begeistern? Wo ist die klar erkennbare Identität des Paso Peruanos, der Reitweise, das Rassetypische, das Brio?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir Europäer vor lauter „wir wissen alles besser“ und Konflikten innerhalb der Vereine vergessen, um was es eigentlich geht.
In einem Rasseverband geht es darum, das Besondere, das Rassetypische, das Einzigartige an einer Rasse zu unterstützen und es hervorzuheben. Der Peruanische Paso ist nicht nur ein töltendes Pferd, sondern trägt ein einzigartiges Kulturerbe und eine Ausstrahlung mit sich, das den Paso Peruano erst zum faszinierenden Pferd macht. Viele Grundsatzdiskussionen über Ausrüstung und Ausbildung der Pferde, die allzu oft von reiterlichen Unzulänglichkeiten herkommen, verfehlen den Blick für die Zukunft der Rasse in Europa.

Oder glauben Sie wirklich, es reizt einen Zuschauer, der Pasos Peruanos sehen will, einen bis zur Rassenunkenntlichkeit europäisch gerittenen Paso mit Trense, Dressursattel und Gerte anzuschauen, der sich bemüht, ordentlich zu traben?
Verstehen Sie mich richtig. Ich meine nicht, dass man das als Reiter nicht tun darf. Das soll jeder Pferdebesitzer für sich entscheiden.
Unterstützt der Rassenverband aber durch seine Reglemente oder durch seine Turniere und öffentliche Ausrichtung diese Tendenzen, dann denke ich, dass man damit als Rasseverband in der Promotion der Rasse und an einer Europameisterschaft die falschen Prioritäten setzt.

Vielleicht kann in dieser Ausgangslage die Schweizer Paso Peruano Szene ein Model aus der Krise sein. Wir haben ebenfalls nicht viele Pferde an den Turnieren, die wir übrigens Fiesta oder Freundschaftsturniere nennen. Dafür sind die Paso Peruanos aber klar als Vertreter ihrer Rasse zu erkennen, mit strahlenden Besitzern, die stolz sind, ihre Pferde in „Sonntagstracht“ vorzustellen und die sich bewusst sind, dass sie, vor aller sportlicher Ambition, vor allem eines sind: Ambassadoren dieser wunderbaren Rasse!
Nur wo Begeisterung und Freude gelebt wird, kann diese auch auf dem Rücken der Peruanos in die Welt hinausgetragen werden.
Paso Finos are taking off!

Mehr von dieser Freude und Passion war für den Zuschauer bei den Paso Finos zu spüren.
Lachende, sportliche Reiter, verbunden mit einheitlicher Ausrüstungen von Pferd und Reiter, transportierten dem Zuschauer ein gelungenes Bild der Paso Finos und hinterliessen einen professionellen Eindruck der Paso Fino Szene.
Hier war der „Europameisterschaftscharakter“ deutlich zu spüren. Sportliche Auseinandersetzungen auf hohem reiterlichem Niveau mit gut trainierten Pferden machten das Zuschauen zu einer wahren Augenfreude. Ein tolles Fan Lager, insbesondere rund um die Swiss Paso Fino Farm, brachte zusätzlich Stimmung!

Man konnte anhand der vielseitigen Prüfungen gut die verschiedenen Paso Fino Typen Pleasure, Performance und Classic Fino unterscheiden.
Immer wieder unterstrichen die sehr kompetenten Richter Ellen Perez und German Higuera die Erfordernisse innerhalb der verschiedenen Prüfungen. Manchem Laien mochte die Differenzierung zwischen Performance und Pleasure Pferden zuweil schwierig erscheinen, zumal gewisse Pferde in beiden Klassen starteten.

Die Richter machten die Unterschiede und Richtschwerpunkte jedoch in ihren Platzierungen immer wieder deutlich.
Das Pleasure Pferd soll ein Verlasspferd sein mit gutem Temperament, willig und rittig in den Aufgaben, mühelos taktklar im Corto und Largo und mit einer natürlichen Aufrichtung und einem gelassenen Schritt.
Beim Performance Pferd erwartet man nebst einer höheren Aufrichtung eine taktklare Schrittabfolge mit Corto und Largo mit klaren Tempounterschieden und eine energiegeladene Hankenaktion (hookaction). Der Schritt ist akzentuiert. Auch das Performance Pferd soll tadellose Manieren haben und seine Durchlässigkeit wird ebenfalls z.B. anhand von Rückwärtsrichten geprüft. Man sieht jedoch hier, dass die Anforderungen an die reiterlichen Fähigkeiten infolge des höheren Energielevels der Pferde steigend sind.

Folgende Highlights möchte ich nicht unerwähnt lassen:
Die Klasse Pleasure Adult hatte unglaubliche 26 Paso Finos am Start! Die Richter hatten alle Pferde gleichzeitig in der Arena. Ein wahrer Augenschmaus für jeden Aficionado! Hier zeigte sich auch die Effizienz des Richtsystems der PFAE. Da die Richter auf Platz werten und nicht auf Punkte, konnten sich die Richter relativ schnell die 10 besten Pferde aus der Gruppe heraussuchen. Diese Pferde wurden dann in den Einzelprüfungen der Wertung unterzogen und auf Platz 1-8 rangiert. D.h. die einzelnen Gänge Corto, Largo, Schritt, Einzelaufgaben werden nicht mit einem Punktesystem bewertet, wie wir das z.B. im PCI machen, sondern der Richter entscheidet, nachdem er alles gesehen hat, auf den Platz des Pferdes im Vergleich zu den anderen. Dadurch wird die notwendige Richtdauer deutlich gesenkt und die Entscheidungen können schneller getroffen werden.

Diese Art zu richten ist für den PCI sicher zu überdenken, da die Prüfungsdauer bei den Paso Finos bei den PCI Turnieren als zu lange empfunden wird.
Viele Emotionen löste auch die Classic Fino Prüfung vom Sonntag aus. Hier kämpften der 7 jährige Hengst Sincope de Veleta von Claudia+ Daniel Greb mit der 8 jährigen Rappstute „La Mamba Negra“ von Britta Mühle, geritten vom Sternberghof Trainer Stanley Paul, um den ersten Platz. Beide, Reiter und Pferde, gaben nochmals alles und lieferten eine eindrückliche Leistung, der volle Anerkennung gebührt.

Nach einem vergleichenden Workout siegte schlussendlich „La Mamba Negra“, welche durch ihre absolute Taktklarheit in allen Aufgaben und Präsenz zu überzeugen vermochte.
„La Mamba Negra“ im Besitz von Britta Müller, (Paso Finos d’Alsace), war denn auch der erfolgreichste Paso Fino am Turnier mit Total 4 Erstplatzierungen.
Die Paso Fino Europameisterschaft liess punkto Qualität, Emotionen und Begeisterung keine Wünsche offen!
Carla Tschümperlin