PCI Gazette 33, August 2008

Artikel

Mag. Eva Maria Svoboda

Vom 31. Juli bis 3. August 2008 fand auf Gut Matheshof in Kreuth die dritte Europameisterschaft für Paso Fino und Paso Peruano Pferde statt. Conni Schneider und Eva Maria Svoboda schildern uns ihre Eindrücke aus der Sicht je einer Paso Fino und Paso Peruano Teilnehmerin. Weitere Berichte oder Leser/innenbriefe unserer Mitglieder zu diesem Thema nimmt die Geschäftsstelle gerne entgegen.

Bei der heurigen EM teilten sich die Pferderassen PASO FINO, PASO PERUANO und TENNESSEE-WALKER die wie gewohnt perfekte Anlage des Gut Matheshof. Auch der Wettergott war gnädig. Es war nicht zu heiss und nicht zu kalt, fallweise ein wenig Regen.
Wie gewohnt war das Starterfeld der PASO FINOS gross und die Teilnehmer hochkarätige Konkurrenten, wobei ausserhalb der Bewerbe freundschaftliche Stimmung herrschte. Zahlenmässig waren Deutsche und Schweizer stark vertreten und auch eine beachtliche Gruppe aus Grossbritannien nahm teil, was wesentlich zum Charakter einer ‚echten‘ EM beitrug. Auch Sprecher und Richter der Paso Finos waren wie immer professionell und mit viel Pfiff und Humor ausgestattet.
Wir Österreicher haben unsere Schweizer Nachbarn um ihre tolle Abendstimmung beneidet und sie um ihre verbliebene Restenergie bewundert, mit der sie bei romantischem Kerzenlicht und Teppichen in der Stallgasse ihre Abende verbracht haben. Ab der Dämmerung war wirklich eine wunderschöne und gemütliche Atmosphäre in einigen Stallgassen. Wir hätten uns nichts sehnlicher gewünscht, als uns dazuzusetzen – aber unsererseits hat die Müdigkeit gesiegt.
33europameisterschaft2Das Starterfeld der PERUANISCHEN PASOS war eher klein (ca. 40). Einige starke Mitbewerber sind der EM fern geblieben, um mit ihrem Boykott auf ihre Unzufriedenheit gegenüber der PPE hinzuweisen. Da wir so weit weg von den Insidern auf unserem Berg leben und uns die ‚News‘ meist stark verfälscht mit einjähriger Verspätung erreichen, tangiert uns das Vereinsgeschehen wenig.
Auch heuer haben wir uns erst wieder im letzten Moment entschieden, an der EM teilzunehmen. Es war nicht klar, ob wir mit dem Trainingsstand so weit kommen und ob sich Kosten und Aufwand lohnen würden.
Wir hatten eine unserer Zuchtstuten, die aus dem Import stammt, und zwei Jungpferde im Bozal, darunter unseren Deckhengst, vorzustellen. Aufgrund der Altersbeschränkung wären die Pferde bei der EM 2010 zu alt für die Bozalklasse.
Soweit ich mitbekommen habe, dürfte ein Richter oder eine Richterin noch nie so umstritten gewesen sein wie heuer Mary Donalds. Was mir gefallen hat war, dass kein zusätzlicher europäischer Richter mitgerichtet hat. Somit war die Lösung wahrscheinlich die günstigste. Befürchtungen wie Voreingenommenheit oder parteiisch würde ich widerlegen. Viele Entscheidungen waren nachvollziehbar, andere wieder nicht. Mary Donalds ist es gut gelungen, sich den Anforderungen der unterschiedlichen Prüfungen, vor allem der eher ‚unperuanischen‘ Prüfungen zu stellen und entsprechend zu richten. Peruanische Richter haben oft ein Problem, die für sie widersinnigen, Peru-unüblichen Prüfungen wie Trail, Gehorsam etc. zu bewerten.
Vermisst haben wir allerdings das von peruanischen Richtern sehr gewichtige Richtkriterium der ruhigen Hinterhand. In Pisos-relevanten Prüfungen wurden Pferde vorne platziert, die aufgrund ihrer starken Kruppbewegung hinten liegen müssten.
Nur einen Richter zu haben, hat natürlich auch einen Nachteil. Nämlich den, dass der Richter nie sieht, was hinter seinem Rücken passiert. Die ausgefuchsten Profis unter den Reitern haben diesen Umstand selbstverständlich ausgenutzt. Man munkelt, dass die Richterin, eine ältere Dame, auch gar nicht mehr so gut gesehen habe, um die andere Seite der Halle hin- und wieder zu beobachten.
Was wir sehr vermisst haben war ein ordentlicher Kommentar und während des Bewerbes eine Reihung. Es wäre interessanter für das Publikum, und ganz besonders für die Reiter und Züchter. Denn das ist einer der Hauptgründe und eine der wenigen Gelegenheiten, warum jemand an einer EM teilnimmt: Um vergleichen und lernen zu können. Die meisten Europäer können schon ganz gut Englisch, um den Inhalt zu verstehen – es wäre auch ohne Übersetzung gegangen. Nicht alles verstehen ist immer noch besser als gar nichts.

Was wir und etliche andere uns für die nächsten Bewerbe wünschen würden:

  • einen standhaften peruanischen Richter, der peruanisch richtet
  • permanente, direkte Kommentare vom Richter während der Prüfungen und dann die Übersetzung
  • Reihungen und Erklärungen warum
  • genaue Erklärungen bei Merito Zootechnico
  • eine kurze Einführung vor der Prüfung, worauf es bei der Prüfung ankommt und nach welchen Kriterien der Richter wertet
  • mehr peruanische Prüfungen wie die Enfrenadura (feine Dressurprüfung, wobei der Richter wertet, wie sensibel das Pferd auf den Reiter reagiert, winzige Kreise & Achter, Stops, Rückwärtsrichten – etwas ähnlich der Performance. Bei der Performance steht aber die korrekte Ausführung der Figuren im Vordergrund und danach die unsichtbare Einheit zwischen Pferd und Reiter) oder die Prueba del Fondo (Ausdauerprüfung)

Was nicht gefallen hat:

  • es gibt keine/n Campeon/a de Campeones. D.h., eigentlich keinen Turniergesamtsieger
  • die Preise waren mickrig, die Rosettas winzig, den Sekt für den 1. Platz haben wir unserer gerade nicht mehr jugendlichen Nadja ausgesoffen weil sie selbst keinen Alkohol trinkt, und die Pferdeleckerlis wären auch um ein Haar am ersten Abend verfüttert worden.
  • OK, wenn gespart werden muss, verstehe ich das auch. Im Vordergrund stehen schliesslich die Freude und der Spass an der Sache – und die hatten wir.

Was wir heuer besser gefunden haben:

  • es gab Urkunden für die Teilnehmer (kostet nicht viel und ist auch was wert)
  • die Richterin hat mit jedem Reiter und jeder Reiterin nach der Prüfung bei der Verteilung der Rosetta kurz gesprochen und ihm/ihr zwei Argumente genannt, was er/sie gut oder nicht so gut gemacht hat, und das auf eine recht diplomatische Art
  • die 10 km Einstiegsprüfung

Die Einstiegsprüfung war/ist umstritten. Mir wäre es sogar lieber, wenn ausnahmslos alle daran hätten teilnehmen müssen, auch (unsere) Bozal-Pferde. Denn trotzdem wir uns gewaltig verritten hatten (als brave Wanderreiter hat uns das Reitverbotsschild so verschreckt, dass wir auf den einzig vorhandenen Weg abgebogen sind, anstatt die Wiese hinter dem Verbotsschild zu bereiten), waren die 10 km gleich erledigt. Die anstrengenden Prüfungen waren ohnedies erst am nächsten Tag. Ich denke, die meisten Pferde gehen ausreiten, und 10 km hat man in einer Stunde. Auch für junge Pferde ist das keine grosse Leistung. Zudem bedeutet das einigermassen eine Angleichung zu den Prueba de Trabajo-Teilnehmern. D.h. die Prueba de Trabajo wird attraktiver, weil es einfach fairere Bedingungen schafft.

Der schöne Ritt mit Sabine Steffens war entspannend und gemütlich, hat unseren Pferden nach der langen Fahrt gut getan, zudem waren sie bei den folgenden Prüfungen ausgeglichener. Ein halbwegs trainiertes Pferd steckt das doch locker weg, oder? Ist nicht viel gegenüber einem 60 km Tagesritt.
Die Strecken-Markierung war lausig – könnte in Zukunft besser sein. Die Streckenwahl war gnädig – und für uns Gebirgsbewohner fast schon Luxus. D.h. der Boden war meist Wiese und kaum steinig bzw. man hatte die Wahl. Der einzige Horror-Boden war bei unserem ‚Verritt‘, aber grundsätzlich ist es der Turnierleitung gelungen, hufschonende Wege zu finden – es war kein Problem für unsere barfüssige Stute.
Die Beteiligung an den Bewerben war durchaus gut. Die Prüfungen waren auch wie immer interessant und die Zeiteinteilung war schon fast perfekt, beinahe immer pünktlich.
Schwierig war, dass immer zwei Peruano-Bewerbe hintereinander stattgefunden haben. Das bedeutete, dass kaum Zeit zum Umsatteln blieb. Bei der Prueba de Resistencia waren unsere Pferde durch die zwei hintereinander liegenden Prüfungen eine ganze Stunde im PasoLlano im Einsatz – gewonnen haben sie trotzdem. Natürlich ist das aus der Sicht des Publikums spannender, wenn sie nicht nach jeder Prüfung davonlaufen müssen… – aber Fremd-Publikum gab es ohnehin nicht.
Bei der ‚Best Gaited Horse of the Show‘ wussten wir heuer wenigstens, dass das auch eine Prüfung ist. Es gab am Schluss einen spannenden Zweikampf zwischen der legendären Stute Nirvana mit der Jugendlichen Tamara Stephan und der Stute Retama. Ich denke, die Entscheidung der Richterin war klug. Es hätte nicht gut ausgesehen, hätte ein Erwachsener gegen ein Kind gewonnen. Die Stute Retama ist zwar die Pisos-stärkere Stute, aber etwas grob vom Gebäude und nicht so edel wie Nirvana, die auch noch mit akzentuiertem Termino läuft. Mit zwei gleichwertigen Reitern wäre die Sache sehr interessant geworden, denn dann wäre eine evt. diplomatische Entscheidung irrelevant. Andersrum hätte ein schwerer Erwachsener Reiter wahrscheinlich noch mehr aus seinem Pferd herausgeholt, sodass Nirvana wieder vorne gelegen wäre.
Leider waren bei den Peruanos keine Schweizer vertreten; die Italiener waren nicht gekommen, weil der Hengst nur mit Bozal geritten wird und für die Bozalklasse zu alt ist (schade, ich hätte ihn gerne gesehen) – und unsere Belgier waren ohne Pferde da. Von den Franzosen, die auch drei Spitzenpferde haben, fehlte jede Spur und die Ungarn haben zwar vereinzelt Pferde, sind aber nicht sehr kontakt- und reisefreudig. Dafür gab es holländische Teilnehmer mit einem starken Hengst.
Als Österreicher hat es uns natürlich gefreut, dass die Gewinner der wichtigen Prüfungen häufig Landsleute waren. Die ersten Plätze für Bozal Hengst und Stute, Gebissklasse Stute, Prueba de Resistencia und Pisos gingen nach Österreich, Gebissklasse Wallache nach Deutschland und Gebissklasse Hengste nach Holland.
Da wir unsere Kinder mit hatten, konnten wir nicht am Gala-Diner teilnehmen, weil es zu spät geworden wäre. Daher waren wir schon um 18 Uhr im Gutshof essen – was im Nachhinein eine glückliche Entscheidung war. Etliche Leute haben uns berichtet, dass sie elend lang anstehen mussten für ein eher trauriges Buffet. Wir waren auch der Meinung, das Show-Programm würde während des Diners stattfinden. Aber leider… Um 20 Uhr waren wir und unsere Kinder schon recht erschöpft und auch andere Leute zogen ein langes Gesicht. Als die Show dann endlich begann, haben schon einige geschlummert. In der Mitte der Show ging bei meiner Familie leider nichts mehr und wir mussten zu Bett.
Zum Glück war das Kostümreiten der erste Programmpunkt, bei dem wir uns die Hände wund geklatscht haben. Meine Kinder waren hoch begeistert über die Prinzessinnen, die Gallier, die Indianer und vor allem über Pippi-Langstrumpf mit ihrem Äffchen Mr. Nielsen – welche auch den Wettbewerb gewannen.
Tolle Stimmung war beim Copa de Champán, der hauptsächlich durch Finos vertreten war. Ich glaube es gab nur drei Peruanos, wobei sich einer recht gut bis zum Schluss hielt.
Der 4-Takt Wettbewerb mit Wetteinsatz am Fino-Strip war auch wie immer spannend und der Publikumshit. Die restlichen Vorführungen haben wir leider aus oben genannten Gründen verpasst.
Alles in allem – die EM war ein nettes, familiäres Ereignis ohne hektischen, mondänen Charakter, bei dem die Qualität des Gezeigten durchwegs gefreut hat. Es war wichtig und schön, wieder einmal mehrere Aficionados zu treffen um sich unterhalten zu können. Man ist mit einem seligen Lächeln, der Erinnerung an angenehme Stunden und sogar entspannten Pferden im Anhänger nach Hause gefahren.

Mag. Eva Maria Svoboda, Österreich, www.paso-peruano.at

Zitat:
Abschließend ein sehr positiver Eindruck von dieser EM. Was ich eben verbessern würde, sind ein „mehr miteinander“ der verschiedenen Rassen. Auch wenn die Finos oft etwas temperamentvoller wirken, haben wir ja alle eines gemeinsam:
Die Liebe zu den Gangpferden! Ich denke, man könnte sicher gegenseitig viel voneinander lernen und profitieren, denn unser gemeinsames Ziel sollte sein, die wunderbaren, verschiedenen Rassen der Gangpferde den Menschen näher zu bringen.