PCI Gazette 32, April 2008

Hier bin ich – Und ich bin ein Paso Peruano

Barbara Camenzind

Die erstaunliche Geschichte des ausdrucksvollen Paso Peruano Wallachs Hidalgo hat uns unser Mitglied Renate Gurtner aus Österreich erzählt. Sie war auf der Suche nach einem Paso Peruano für sich und ihre Tochter.

32_hierbinichAuf einer Pferdemesse in Österreich hat sie den Paso Peruano Züchter Johann Groh kennen gelernt, ist mit ihm ins Gespräch gekommen und hat sich nach Möglichkeiten erkundigt, hierzulande rassetypische Paso Peruanos sehen und eventuell erwerben zu können. Johann Groh erzählte ihr daraufhin von seiner typvollen Stute Primavera, die er vor zwei Jahren trächtig an einen Pferdehändler für dessen Enkelin verkauft hatte. Primavera war eine seiner ausdrucksvollsten Stuten gewesen, und er hatte sie 2005 auf der Pferdemesse in Wels vorgestellt. Der über 80-jährige Pferdehändler stand damals mit seiner Enkelin am Ring, und das zehnjährige Mädchen war von der eleganten Primavera ganz und gar angetan. Ein Probereiten wurde arrangiert, und die Begeisterung kannte anschliessend keine Grenzen. «Opa, so sicher bin ich noch nie auf einem Pferd getrabt», schwärmte es. Der grosszügige Opa freute sich über die Schwärmerei des Mädels und arrangierte den Kauf. Herr Groh klärte ihn über die Rasse auf und versorgte ihn mit allen möglichen Unterlagen über Paso Peruanos. Er wies darauf hin, dass Primavera von einem Paso Peruano Hengst tragend sei.

So fand Primavera ihren Weg in einen neuen Stall mit vielen unbekannten Pferden. Sie gebar ein Fohlen, das später den Namen Hidalgo erhielt. Die Enkelin war anfangs glücklich und genoss die Weichheit der Gänge und die guten Charakterqualitäten der Stute, doch mit der Zeit vermisste sie die Sprungqualitäten von Primavera. Für Hindernisse über 1 m schien sie nicht sehr begabt zu sein! So verlor das junge Mädchen bald ihr Interesse und verlangte nach einem geeigneteren Springpferd.

Auf Vermittlung von Johann Groh hin durfte sich Frau Gurtner Primavera ansehen, und obwohl sie eigentlich keine Stute suchte, war es eine typische «Pferdeliebe» auf den ersten Blick. Der Preis war schnell verhandelt, denn der Opa meinte es würde eh nicht leicht sein, ein Pferd mit einem so schaufelnden Gang verkaufen zu können. Er überreichte Frau Gurtner die Rasseunterlagen, die er damals von Herrn Groh erhalten hatte, ungeschaut! Ihm war wichtig, dass das Pferdchen brav war, alles andere interessierte ihn nicht.

Etwas irritiert erkundigte sich Frau Gurtner, was er denn mit dem Fohlen Hidalgo vor hätte. «Ach geh», meinte er, «der schaufelt ja noch schlimmer als die Mutter. Galoppieren kann der auch nicht, so ein Pferd kann ich als seriöser Pferdehändler niemals verkaufen! Nächste Woche geht ein Transport nach Italien, da kann er gleich mit.»

Frau Gurtner glaubte kaum, was sie da hörte und versuchte ihm klarzumachen, was für ein einzigartiges Paso Peruano Hengstchen er da in seinem Stall hätte. «Na gut,» grummelte er, «zum Schlachtpreis kannst es ja mitnehmen.»

Frau Gurtner selbst hatte keine Kapazität für ein zweites Pferd, aber sie war dankbar, dass der Opa ihr Zeit gab, ein Plätzchen für Hidalgo zu finden. Sie setzte alle Hebel in Bewegung, und zwei Tage später wurde er von einer jungen Frau abgeholt, die sich schon längst sehnlichst einen Paso Peruano gewünscht hatte. Nun steht Hidalgo auf grünen Weiden im Tirol und freut sich eines munteren Lebens.

Das Erlebte hat Frau Gurtner tief beeindruckt. Sie hat Kontakt mit dem österreichischen Fernsehen aufgenommen und bewirkt, dass im ORF Tirol am 8. März 2008 eine Sendung über Hidalgo und die Rasse der Paso Peruanos gesendet wurde. Es war ihr ein Anliegen, Aufklärungsarbeit zu leisten, damit nie wieder ein Paso Pferd aus Unwissenheit in die «Salami» muss.

Der Opa hat sich inzwischen belehren lassen und besucht mit seiner Enkelin Primavera regelmässig und verwöhnt sie mit vielen Leckerbissen! Frau Gurtner ist überzeugt, dass sich ihre Stute jedes Mal über den Besuch freut, denn trotz «schaufelnden» Ganges, oder vielleicht gerade deshalb (smile), hat der Paso Peruano mit seinem Stolz und der einzigartigen Menschenfreundlichkeit das Herz des Pferdehändlers letztlich doch erobert!

Schön, dass diese Geschichte ein gutes Ende gefunden hat!

Barbara Camenzind