PCI Gazette 30, September 2007

Von der Pfalz ins Elsass – Wanderritt mit fünf Paso Peruanos

Barbara Camenzind

30_3_1Unser PCI Freund Fried Bauer ist ein erfahrener Wanderreiter und immer für neue Abenteuer zu haben. Auf seine Anregung hin haben sich fünf PCI Mitglieder zu einem Wanderritt von der Pfalz ins Elsass aufgemacht.

An einem sommerlichen Donnerstagabend, dem 2. August, fuhr mein Zug am kleinen Bahnhof in Bad Bergzabern ein. Der Ort liegt an der südlichen Weinstrasse in Rheinland-Pfalz, etwa 50 km von Karlsruhe entfernt. Auf dem Katharinenhof von Fried Bauer guckten mir fünf neugierige Paso Peruanos entgegen, vier von ihnen aus der Zucht Criadero Santa Maria der Familie Tschümperlin. Bald gesellten sich noch zwei weitere Familienmitglieder dazu: Der Hänger von Oskar und Huguette Zemp rollte in den Hof, und nach dreistündiger Fahrt stiegen Zar Galante CSM und Cortesana CSM aus und begrüssten ihre alten Freunde aus Villechètive Zeiten. Wir fünf Reiter/innen Fried, Nicole, Huguette, Oski und ich setzten uns am fortgeschrittenen Abend bei Spaghetti und Wein zusammen und besprachen den bevorstehenden Ritt, der vom Katharinenhof ins nahe gelegene Elsass führen sollte.

Bei gutem Wetter brachen wir am Freitagmorgen auf – nebst Zar und Cortesana ritten mit uns Umbriel CSM, Angelito CSM und Galante mit Fried. Von der ersten Minute an schritten die Pferde zügig und zielstrebig voran, steil den Wald hoch, über Kuppen und schmale, von Farn gesäumte Wege. Der Pfälzer Wald ist das grösste zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands, erzählte uns Fried. Ich muss sagen, ein wunderschöner, abwechslungsreicher, lieblicher Wald mit einer grossen Baum- und Pflanzenvielfalt. Besonders die mächtigen Kastanienbäume sorgten für Schatten, und die zahlreichen Pinien mit dem wunderbaren warmen Nadelduft liessen uns an Südfrankreich denken. Der Boden war meistens recht weich, oft fand man feinen, rötlichen Sand vor, wie zum Beispiel in der Provence, und das Tölten auf diesen Böden war einladend und angenehm.

30_3_2Am frühen Nachmittag erreichten wir den St. Germanshof, eine idyllische Pfälzer Gartenwirtschaft. Kurzerhand sperrten wir den kleinen Spielplatz mit den Halfterstricken ab und liessen die fünf Pferde zwischen Rutschbahn und Schaukel zwei Stunden grasen. Wir selbst kamen in den Genuss einer Pfälzer Spezialität: Dampfnudeln mit Weinsauce; etwas, das wir in der Schweiz gar nicht kennen. Die Eltern des Wirtepaares verstanden sich vorzüglich darauf, dieses traditionelle Gericht zuzubereiten.

Der Ritt setzte sich durch liebliche Landschaften fort und schlängelte sich der Grenze Deutschland/Frankreich entlang. Die Pferde zeigten absolut keine Ermüdungserscheinungen, und am Abend erreichten wir nach ca. 35 km unser Ziel im Elsass, das Dörfchen Petit-Wingen. Die Pferde durften die Nacht auf einer grossen Weide verbringen. Kaum abgesattelt, wälzten sie sich ausgiebig und stoben spielerisch über die Wiese dahin, um ihrem Übermut freien Lauf zu lassen. Wir selbst bezogen eine Wohnung, die dem Gasthof Hohenburg angeschlossen war, und bekränzten unsere erste Etappe mit Champagner. Fried’s Hausmeister hatte unser Gepäck mit dem Wagen hergebracht, so dass wir alle unsere Sachen bequem zur Hand hatten.

Das Frühstück am Samstagmorgen konnten wir unter strahlend blauem Himmel draussen einnehmen. Madame hatte frische Baguette und einen wunderbaren, selbstgebackenen Mirabellen-Tarte gebracht. Die Grosseltern hatten am Vortag stundenlang die kleinen Früchte entsteint und in kleine Schnitze zerlegt, das hatten wir fasziniert beobachtet. Eine solche Tarte können einfach nur die Franzosen herzaubern! Es hat uns allgemein beeindruckt zu sehen, wie in dieser Gegend die ältere Generation ins tägliche Leben mit einbezogen wird und ihre Traditionen weitergeben kann, was die heutigen Besucher – das spürt man – wieder sehr schätzen.

30_3_3Unser Samstagsritt führte uns tiefer ins Elsass hinein. Wir ritten durch kleine, malerischer Dörfer und bewunderten die pastellfarbenen Riegelbauten, den üppigen Blumenschmuck, die schönen Brunnen. Es war kein Problem auf den Strassen mitten durch die Ortschaften und über die Dorfplätze zu reiten, es gab nur sehr wenig Verkehr. Oft gingen alle Fenster auf und es lugten überall Köpfe hervor, wenn unser Hufgetrappel erklang.

Zur Mittagsrast kamen wir im „Au Cheval Blanc“ in Nieder-Steinbach an. Unsere Pferde durften zwei Stunden auf einer riesigen Weide verbringen, zusammen mit einigen Schafen. Als wir sie um vier Uhr holen wollten, waren sie nirgends zu sehen. Nach einer Weile fanden wir sie im Wald, wo sie sich in den kühlen Schatten zurückgezogen hatten.

Der Weg zurück nach Petit-Wingen war besonders malerisch. Zuerst durch den Wald auf die Bergkuppe hoch, dann hinunter und langsam wieder in die offene, bewirtschaftete Landschaft hinaus. Wir kamen um halb acht in unserem Gasthof an. Am Abend gab es ein leckeres kreolischers Buffet, da das Wirtepaar von der Insel La Réunion stammte, einer französischen Kolonie.

Am Sonntagmorgen sattelten wir wiederum unter stahlblauem Himmel und machten uns auf den Heimweg Richtung Bad Bergzabern. Der Weg führte durch viel Wald, teilweise sehr schmalen Gratwegen und Abhängen entlang, aber die Pferde zeigten sich bewundernswert trittsicher. Auch am dritten Tag legten sie viel Tempo und Gehfreude an den Tag. Unermüdlich und ohne einen falschen Tritt führten sie uns wieder nachhause. Wir hatten jeden Tag etwa 35 km zurückgelegt, und alle Pferde waren absolut fit und stark und gingen mit ungebrochenem Gangvermögen vorwärts. So hat sich bestätigt, dass sich die Paso Pferde wunderbar zum Wanderreiten eignen, und dass wir ruhig auch etwas von ihnen fordern können – sie machen gerne mit!

Barbara Camenzind