PCI Gazette 30, September 2007

Paso Fino Fiesta auf dem Sternberghof

Barbara Camenzind

Vom 29. Juni bis 1. Juli führte die Paso Fino Association Europe ihre dritte Paso Fino Fiesta wiederum auf der einmaligen Anlage des Sternberghofs in Markt Nordheim durch.  Mit gutem Grund waren Doris und Reini Sperber auch diesmal die Gastgeber, denn der Sternberghof feiert heuer sein 15-jähriges Bestehen.

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Alexandra Burri auf Capistrano

In einer eindrücklichen Dia-Show am Samstagabend konnten die zahlreichen Gäste den Werdegang des Sternberghofs verfolgen: den Abbruch des baufälligen Gehöfts 1991, den Beginn der Bauarbeiten und die erste Wohnsitznahme von Doris und Reini in einem grossen Camper am Rande des Bauplatzes. Dann den Einzug der ersten und schliesslich die Beendigung des ersten Stadiums des neuen Sternberghofs 1992. Und seit diesem historischen Tag wird am Sternberghof ununterbrochen weitergebaut, die Anlage wächst von Jahr zu Jahr und immer wieder verwirklichen sich Ideen des Besitzerpaars. Gerade rechtzeitig zur Fiesta wurden ein Reitzirkel in der Ovalbahn und weitere überdachte Gastpaddocks eingeweiht. Besonders attraktiv ist auch der grosse Offenstall mit dem witzig angelegten, terrassenförmigen Ruheplatz, auf dem sich die Pferdekinder und –mütter gerne tummeln. Da liess sich gut verweilen und beobachten…

Wenn dann aber die Lautsprecher ertönten und Florian Schneider’s sympathische und sachkundige Stimme erklang hiess es, dass es Zeit war, sich dem Turniergeschehen rund um die Ovalbahn zuzuwenden. Das Wetter war windig und eher kühl, aber glücklicherweise wurde die Veranstaltung von Regen verschont, so liessen sich zahlreiche Zuschauer rund um den Platz nieder. An die 35 Prüfungen wurden von Freitag bis Sonntag angeboten, und 79 gemeldete Paso Fino Pferde zeugen von einer aktiven Paso Fino Vereinigung in Europa. Die am weitesten gereisten Pferde kamen aus England, aber auch die lange Anfahrt aus der Schweiz war nicht zu unterschätzen; aus dem Wallis reisten Hanspeter und Angelika Guntern mit zwei Pferden an, aus der Ostschweiz Claudia und Daniel Greb mit vier Pferden. Auch Gaby Haderer aus Österreich hat den weiten Weg nicht gescheut.

Die abwechslungsreichen Prüfungen gaben dem Zuschauer Gelegenheit, sich ein Bild über die verschiedenen Paso Fino Zuchttypen zu machen (Pleasure, Performance und Classic Fino) und die Pferde bei der Bewältigung vielfältiger Aufgaben zu beobachten. Die allermeisten zeigten gute Nerven und präsentierten sich kooperativ und umgänglich. Sehr schön konnte man dies zum Beispiel in der Country Pleasure Prüfung beobachten, die die Leichtrittigkeit und einwandfreies Benehmen in den Vordergrund stellte. Dazu gehörten Aufgaben wie das Pferd anzuhalten, abzusteigen, um das Pferd herumzugehen und von der rechten Seite wieder aufzusteigen. Dabei sollte das Pferd ganz ruhig stehen.

30_fiesta2In den Dressurprüfungen, die auf dem Reitplatz stattfanden,  wurden Durchlässigkeit, Lockerheit, Genauigkeit der Bahnfiguren sowie harmonische Übergänge und die Einwirkung des Reiters benotet. Im Trail konnten die Pferde Mut beweisen – toll, dass es auf dem Sternberghof einen Froschteich gibt, der in den Trail mit einbezogen werden konnte! Da zeigte sich, wer noch wasserscheu war…
Beliebt waren die spektakulären Classic Fino Prüfungen. Davon gab es zwei, eine Classic Fino schooling (für Pferde bis zu 6 Jahren), und eine Classic Fino adult (für Pferde ab 73 Monaten). Classic Fino Pferde werden im Typ als solche geboren und finden sich nicht oft in Europa. Deshalb ist es jeweils ein besonderes Erlebnis, eine Gruppe Classic Fino Pferde gegeneinander antreten zu sehen und sich vom Staccato auf dem Finostrip hinreissen zu lassen.

Die Classic Fino schooling hat übrigens Doris Sperber auf der Rappstute Ovación de los Angeles gewonnen, die Classic Fino adult Claudia Greb mit der Stute Capistrana, gefolgt von Simbolita de Guadalupe mit Stanley Paul im Sattel (im Besitz von Doris Sperber) und Hans-Peter Guntern mit Hengst Orgullo del Manantial auf dem dritten Rang. Herzliche Gratulation!

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Angelika Guntern auf Gananciosa

Gerichtet wurde drei Tage lang von Carlos Tobon, der die Ergebnisse jeweils kommentierte und den Weg aufzeigte, wie er zu seiner Entscheidung gekommen war. Die Gangprüfungen wurden ausnahmslos auf Platz gerichtet, und Carlos Tobon erklärte, wie er ein Prüfungsfeld zu Beginn recht schnell in drei Gruppen einteile, eine erste, mittlere und letzte. Innerhalb dieser Gruppen platziert er dann die dazugehörigen Pferde. Ist eine Reihenfolge schwierig auszumachen, lässt er die Pferde in Einzelaufgaben gegeneinander antreten. Dies kann eine extra Länge über den Fino Strip sein, eine Runde auf der Ovalbahn oder ein Absteigen und Wiederaufsitzen, um den Gehorsam des Pferdes zu testen. Auf diese Weise war die Wertung auch für die Zuschauer nachvollziehbar und lehrreich.

Das Turnier war hervorragend organisiert und der Zeitplan konnte über drei Tage lang auf die Minute genau eingehalten werden. Dies setzt viel Erfahrung voraus… Die Turnieratmosphäre war freundschaftlich, harmonisch und hat sichtlich allen Spass gemacht. Einen Höhepunkt erreichte sie an der Abendveranstaltung am Samstag in der Reithalle, als die Stimmung durch eine redegewandte Moderatorin angeheizt wurde und die unkonventionelle Copa de Champan und das Kostümreiten zahlreiche Lacher hervorrief. Herrlich witzig gestaltete sich auch die Übergabe eines Geschenkes des Vorstandes der PFAE an Doris und Reini Sperber zum 15-Jahre Jubiläum: Claudia Greb und Frederik Laux spielten Schweizer Garde und trugen zu Fuss gemeinsam eine Fahnenstange in die Halle, Claudia vorne, Frederik hinten. Claudia gab den militärischen Ton an: Einmal rechts um, Classic Fino, marsch! Und die beiden „tölteten“ in ihrem besten Fino Fino über den Strip, die Stange zwischen sich… Dann wurde sie gehievt und mit einer blauen Sternberghof Flagge geschmückt, die von nun an wohl die Einfahrt auf den Hof zieren wird.

Die Turnierresultate können auf www.pfae.de eingesehen werden.

Barbara Camenzind