PCI Gazette 30, September 2007

Fettleibigkeit bei Pferden – ein aktuelles Problem

Robert Zürer

Eine Gruppe von Forschern in Virginia, USA, hat kürzlich eine Studie betreffend Übergewicht bei Pferden publiziert. Dabei wurden in 114 verschiedenen Farmen 300 Pferde nach dem Zufallsprinzip ausgelesen. Mit zwei unabhängigen  Methoden ( einer Art Body Mass Index) wurde die Fettdeckung der Pferde bestimmt. Die Resultate waren in gewisser Weise niederschmetternd: 51 % der untersuchten Pferde erwiesen sich als übergewichtig und 19 % als extrem fettleibig (Adipositas).

Im Weiteren wurden alle Pferde auf Anzeichen von Laminitis (Hufrehe) untersucht und das Blut wurde auf Insulin- und Zuckerwerte sowie weitere Hormonwerte kontrolliert. 18 % der übergewichtigen und 32 % der fettleibigen Pferde zeigten einen deutlich erhöhten Insulinwert im Blut.

Prof. Craig Thatcher und seine Forscherkollegen sind der Ansicht, dass das Übergewichtsproblem bei Pferden bis heute zu wenig ernst genommen wird. Übergewicht bei Pferden hat sich in den letzten 10 Jahren zu einem der wichtigsten Gesundheitsprobleme entwickelt. Die gesundheitlichen Risiken von Übergewicht bei Pferden sind, wie man das auch beim Menschen kennt, beträchtlich. Beim Pferd steht sicher die Problematik der Hufrehe im Vordergrund. Ein statistisch signifikanter Anstieg von Huflederhautentzündungen in den letzten Jahren war denn auch der Auslöser für diese Studie.

Es wird ausserdem darauf hingewiesen, dass übergewichtige Pferde prädestiniert sind für weitere Erkrankungen wie Störung der Insulin- und Blutzuckerwerte, chronische Entzündungen sowie eine Störung von metabolischen Abläufen im Organismus. Ausserdem wären noch erhöhter Hitzestress, höhere Belastung der Gelenke, Knochen und Sehnen zu erwähnen.

Interessanterweise hat die Studie gezeigt, dass die untersuchten Pferde nicht etwa extra grosse Kraftfutterrationen oder ein besonders energiereiches Futter erhalten haben. Bei den Meisten handelt es sich um Weidetiere, die nur wenig Kraftfutter zugefüttert bekommen und sich zur Hauptsache von Gras und Heu ernähren.

Warum hat sich das Problem des Übergewichts bei Pferden in letzter Zeit (nicht nur in den USA) so stark verschärft? Pferde werden, wie wir Menschen auch, dann zu dick, wenn die Energieaufnahme den Energieverbrauch übersteigt. Wenn nun also Weidepferde, die praktisch kein Kraftfutter erhalten, von Übergewicht betroffen sind kann dies nur daran liegen, dass sie entweder zu wenig Bewegung haben oder dass der Energiewert des Grünfutters zu hoch ist. Wahrscheinlich spielen beide Faktoren eine gewisse Rolle.

Zweifellos ist der Nährstoffgehalt im Rauhfutter (Gras, Heu, Silage) in den letzten Jahren massiv verbessert worden.  Moderne Klee-Grasmischungen, welche vor allem auf eine optimale Nährstoffversorgung von Rindvieh ausgerichtet sind, haben deutlich höhere Gehaltswerte als Mischungen, welche vor 20 oder 50 Jahren angebaut wurden. Vergleicht man einschlägige Nährstofftabellen, so stellt man Unterschiede im Energiegehalt von bis zu 20 % fest. Gleichzeitig sinkt der Rohfasergehalt bei früh geerntetem Heu, bzw. Silage, was die Aufnahme von leichtverdaulicher Energie ebenfalls begünstigt. Früher wurde im Vergleich zu heute eher spät Heu geerntet. Eine Ausnahme bildet das sogenannte Ökoheu, welches bei uns im Flachland erst ab dem 15. Juni gemäht werden darf und sich speziell für die Pferdefütterung gut eignet, vorausgesetzt, es ist von guter Qualität und besteht nicht zu 50 % aus unerwünschten (Un)kräutern.

Um also Übergewichtsprobleme bei Pferden möglichst zu vermeiden würden Pferdehalter vor allem Grasmischungen benötigen, welche explizit auf die Bedürfnisse der Pferde ausgerichtet sind. Glücklicherweisen bieten heute die meisten Saatguthersteller solche Saatgutmischungen an. Spezialmischungen für Pferdeweiden und Spezialmischungen für besonders strukturreiches Rauhfutter werden heute mindestens in der Schweiz verbreitet angeboten. Es lohnt sich im Interesse der Pferdegesundheit, dieses Angebot zu nutzen. Zusammen mit ausreichender Bewegung der Pferde gelingt es so sicher, Übergewichtsprobleme zu vermeiden.

Robert Zürer