PCI Gazette 29, April 2007

Vom Peruaner zum Töltiberer

Daniela Friesecke

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Daniela Friesecke und Töltiberer Jacero

Anfangs der achtziger Jahre, durch Zufall (oder doch Bestimmung), auf einem Ausritt durch’s Bachsertal, ritten wir am Birkenhof (erster Peruaner Zuchtbetrieb der Schweiz) von Gina und Peter Hasler vorbei. Viele bunte Pferde, unter anderem Quarter, Appaloosas und natürlich die mir damals noch ganz unbekannten Peruanischen Pasos, tummelten sich auf einem riesigen Sandplatz. Ich war so fasziniert von der Vielfalt an Farben, die ich so noch nie gesehen hatte, dass ich beschloss, am nächsten Tag mein Fahrrad zu satteln und loszufahren, um mir diese Pferde genauer anzusehen.

Aus einem Mal wurden ganz viele Male, und schon bald verbrachte ich meine ganze Freizeit mit den Pferden und den vielen Arbeiten rund um den Hof, der damals gerade erst umgebaut worden war und mit seiner Offenstallhaltung sicher einzigartig in der Gegend war.

Die Zuchtstuten stammten von J.C. Dysli, der sie direkt aus Amerika importiert hatte. Daraus entstand eine kleine, feine Zucht mit Pferden wie dem Hengst Cristobaldo Suizo, der von J.C. Dysli westernmässig ausgebildet wurde und Spins machte wie wohl kein anderer seiner Rasse (ich weiss, das ist auch nicht aller Ziel). Auf jeden Fall war er ein Hengst, der durch sein äusserst gutmütiges Wesen und sein starkes Brío die Menschen in seinen Bann zog.

So vergingen die Jahre, und meine Faszination für Pasos Peruanos wurde immer grösser. Vor ca. sechzehn Jahren war es dann soweit und Carolina, eine Peruanerstute von G. und P. Hasler, zog bei uns ein. Ein Jahr später folgte ihr Mosquetero CSM, der nach einer Zwischenstation bei anderen Besitzern seine Heimat bei uns fand und noch heute über die Weide töltet. Von meiner Carolina entstammt auch Caramba, die den ersten Töltenden Traber namens „First Step” zum Vater hat. Bereits 11 Jahre zählt sie und ist ein sehr leistungsbereites Pferd. Sie hat einen recht guten Tölt und einen schwungvollen Trab und Galopp, beide Rassen kommen da stark durch.

Nachdem Carolina altershalber starb, suchte ich eine neue Stute, da ich schon immer im kleinen Rahmen züchten wollte. Verena Fischer als Beraterin war mir dabei eine grosse Unterstützung, konnte sie mir doch sehr viel an Wissen über Gebäude und Gang vermitteln. Wir fuhren viele Male nach Deutschland zu verschiedenen Züchtern und liessen uns die verschiedensten Pferde vorführen oder ritten sie selber. Als letztes gingen wir noch nach Schmidmühlen zu Dr. Otte, der sowohl Peruaner und Paso Criollos als auch Töltiberer züchtet. Immer noch auf der Suche nach einer geeigneten Zuchtstute, entdeckte ich einen Junghengst, der auch noch schimmelte. Falsches Geschlecht, falsche Farbe! Doch der Versuchung, so ein Pferd zu besitzen, konnte ich nicht widerstehen, sein Wesen zog mich unmittelbar in seinen Bann, und die Stute war vergessen – oder auf jeden Fall fast. Nach einem Monat Bedenkzeit und etlichen Diskussionen mit der Familie habe ich mich für den Junghengst entschieden. Jacero, so sein Name, konnte noch ein weiteres Jahr auf dem Oberadlhof bleiben. Mit Verena Fischer war ich dann noch einige Male zu Besuch bei ihm und seinen Stallgefährten. Es stehen übrigens noch immer ein paar bemerkenswerte Tölter auf dem Hof von K.C. Otte, ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Im Oktober 2006 kam Jacero dann endlich in die Schweiz zu Verena Fischer, wo er eine ausgezeichnete Grundausbildung am Boden und an der Hand als Begleitpferd erhielt. Sattel und Reitergewicht wurden trainiert, und nach dieser ersten Ausbildungsphase durfte er nochmals eine Auszeit auf einer Fohlenweide für Hengste geniessen. Ab Mai geht’s dann richtig los mit Reiten. Er hat wundervolle Gänge mit viel Tölt. Wir dürfen gespannt sein, was er uns noch zeigen wird.

In den zwei Jahren, seit ich Jacero kenne,hat er sich zu einem stattlichen Hengst entwickelt, sehr sensibel und lernfreudig, gepaart mit viel Brío, verspricht er einiges. Wir hoffen, dass er die vielen guten Eigenschaften, die diese Rasse beinhaltet, an seine zukünftigen Töchter und Söhne weitergibt. Im Frühsommer wird die Ausbildung weitergehen, und wenn er hält, was er verspricht, werden wir unsere Stute decken. Bis Frühling 2008 sollte er mit der Ausbildung so weit sein, dass er auch gesunden Fremdstuten zur Verfügung gestellt werden kann. Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen!

Bei der ganzen Warterei auf den zukünftigen Zuchthengst konnte ich mich nochmals auf die Suche nach der schon erwähnten Stute machen. Äusserst erfolgreich muss ich sagen. Bei der Familie Sibbe konnte ich ein sehr edles Pferd namens Charisma Salteña erwerben – seit einem Jahr lebt sie nun bei uns im Offenstall und kann schon ganz ordentliches Schweizerdeutsch. Die Ausbildung habe ich nun selber an die Zügel genommen, und mit der grossen Unterstützung von Verena bin ich auch schon gut vorangekommen. Charisma ist eine sehr selbstsichere Stute, was auch unser Wallach Mosquetero öfters zu spüren bekommt. Sie ist aber recht lernwillig und kooperativ, und gepaart mit sensationellem Gangwerk zeigt sie alle guten Eigenschaften, die ich an Peruanern so liebe. Gutes Temperament, bequemer Tölt, edles Exterieur und jede Menge Charme. Auf jeden Fall ein Freizeitpartner zum Träumen, was will Frau mehr?

Nach einjähriger Ausbildung als Equigarde in Avenches und mehreren Praktikas in verschiedenen Ställen habe ich nun eine gute Basis für meine zukünftige Zucht. Drückt mir die Daumen!

Hasta la vista,
Daniela Friesecke