PCI Gazette 29, April 2007

Faszination Paso

Petra Ruoss

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Petra Ruoss und ihr JSS Inolvidable

Petra Ruoss, neues PCI Mitglied und frischgebackene glückliche Pasobesitzerin seit März 2007, erzählt uns ihre Paso Geschichte.

Begonnen hat meine Geschichte schon 1991, als ich einen ausführlichen Bericht über Paso Peruanos im Schweizer Pferdemagazin (jetzt Pegasus) las. Schon als junges Mädchen stapelten sich diese Hefte unter meinem Bett, und den Traum vom eigenen Pferd konnte ich mir bereits als Jugendliche mit einer 6-jährigen Franzosenstute erfüllen. Als mich die Faszination Paso packte, war meine Stute Konja bereits 15 Jahre alt, und ich wollte sie in diesem Alter nicht mehr verkaufen, denn sie war ja schon „alt“ und an mein Herz gewachsen.

Inzwischen sind nochmals 16 Jahre vergangen, und meine Stute ist immer noch bei bester Gesundheit. Während all dieser Zeit gingen mir jedoch die Paso Pferde nicht aus dem Kopf. Ich besuchte einen Schnupperkurs bei Ursula John, verpasste keine Paso Veranstaltung in Fehraltorf und konnte auch mal Kursen beiwohnen, welche Carla Tschümperlin in Uhwiesen leitete. Auch Barbara Camenzind, Annelies Gnädinger, Verena Fischer, Daniela Friesecke und Petra Küenzi erzählten mir viel über diese faszinierenden Pferde und ermöglichten mir auch Proberitte mit ihren Pferden. An dieser Stelle möchte ich euch nochmals ganz herzlich für alles danken!

Mein Schlüsselerlebnis war in Costa Rica. Mit meinem Freund war ich einen Monat dort in den Ferien – wenn ich gewusst hätte, dass es dort so viele Pasos gibt… Wir besuchten Bekannte, die ausgewandert waren. Sie hatten auch Pferde, und so unternahmen wir einen wunderschönen Tagesritt durch Regenwälder und entlang einsamen Stränden. Als ich so nach hinten guckte, traute ich meinen Augen kaum. Die Bekannte ritt einen schönen, zierlichen Braunen in atemberaubendem Paso Llano mit ausgeprägtem Termino! Ich war hin und weg und hätte das Pferd am liebsten mit nach Hause genommen – es war einfach traumhaft zu reiten. Mein Freund, ein „Nichtreiter», wurde von da an nicht mehr verschont, und so erkundeten wir die Gegend, wo immer es möglich war, mit Paso Pferden. Wie sagt man so schön, einmal einen Paso – immer einen Paso.

Jetzt ist meine Stute 31 Jahre alt und immer öfters trug ich mich mit dem Gedanken, Konja langsam in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken. Mit der Offenstallanlage wäre es kein Problem, ein drittes Pferd hinzuzunehmen, und meine Stallkollegin Mäggy Marthy war damit einverstanden – obwohl, sie konnte mich nie richtig begreifen, warum ich partout so einen Paso Peruano wollte. All diese Jahre hindurch begleitete sie mich zu den Paso-Pferden und lernte diese Rasse auch immer besser kennen.

Als in diesem Januar so schönes, warmes Wetter herrschte, rief ich kurz entschlossen die Familie Zürrer in Steihus an. Ich erklärte Robert Zürrer, dass wir nur mal vorbeischauen kommen wollen – ganz unverbindlich – um Paso Peruanos aus dem Ursprungsland zu sehen, bevor sie eventuell verkauft werden. Bald darauf fuhren Mäggy und ich nach Steihus und wurden von Robert und seiner Frau Doris freundlich empfangen. Schon von weitem sahen wir viele Pferde auf der Weide – Robert stellte sie uns alle vor, und ganz zum Schluss kamen wir zu einer separaten Herde mit den drei „Peruanern», wie er sie liebevoll nannte.

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Petra und Mäggy mit JSS Inolvidable und JSS Regalo

Die drei Paso Peruanos stammen aus der Zucht von Jimmy Schneider sen. aus Peru. JSS Don Rogerio, JSS Inolvidable und JSS Regalo. Robert erzählte uns, dass man die drei am Anfang kaum erwischte, denn in Peru wurden sie jeweils mit dem Lasso eingefangen. Inzwischen haben sie sich ans Aufhalftern gewöhnt und lassen sich von der Weide führen. Wir putzten die Pferde, und bald waren wir bereit für den Ausritt – wir genossen es in vollen Zügen, mit diesen temperamentvollen und doch einfach zu reitenden Pferden im Paso Llano dahinzuschweben. Meine Kollegin erfuhr zum ersten Mal wirklich, was ich ihr immer zu erklären versucht habe – dieses absolute, unbeschreibliche, schiebende leichte Gefühl im Paso Llano – sie war hell begeistert und wollte kaum noch von JSS Regalo hinuntersteigen. Bei mir war der Funke zu JSS Inolvidable übergesprungen – obwohl er noch etwas unbändig im Handling am Boden war. Um wirklich sicher zu sein, wollte ich auf jeden Fall nochmals ein paar Tage mit ihm verbringen. So kam es, dass ich ihn reservierte und anfangs März nochmals zur Familie Zürrer fuhr – mit Mäggy, denn ihr ging JSS Regalo nicht mehr aus dem Kopf …!

Die drei Tage bei Doris und Robert Zürrer waren sehr schön und interessant, denn wir tauschten viele Erlebnisse aus, plauderten bis in den Morgen hinein und machten herrliche Ausritte mit den Peruanern. Mit jedem Mal wurden wir uns sicherer, dass wir wohl unsere Traumpferde gefunden haben. Bei einem feinen Pisco Sour zeigte uns James Schneider jun. diverse Videos aus dem Ursprungsland Peru, wie die Pferde aufwachsen, wie sie ausgebildet werden und weitere interessante Filme über Gangarten und Peruvian Tack.

Ja, der Paso-Virus hat uns definitiv gepackt und wir freuen uns nun auf viele, wunderbare Momente mit unseren Pferden JSS Inolvidable und JSS Regalo.
Die Freude bei James, Robert und Doris war gross, dass die beiden Pferde eine gemeinsame Zukunft haben, denn sie sind dicke Freunde und haben ja in Peru und auf der weiten Reise in die Schweiz schon viel zusammen erlebt.

An dieser Stelle nochmals vielen herzlichen Dank für alles an Doris, Robert und James – durch die Pferde konnten wir auch neue Freundschaften schliessen!

Petra Ruoss, Walenstadt