PCI Gazette 29, April 2007

DSLD/ESPA – Symptomatik, Diagnose und wie man mit dieser Erkrankung umgehen kann

Sandra Eggert

DSLD/ESPA ist eine systemische Erkrankung des Bindegewebes, die für gewöhnlich als erstes in den Fesselträgern sichtbar wird. Die jüngsten Forschungen fanden eine Anreicherung von Proteoglycan in den betroffenen Geweben. Ein treffenderer Name für die Erkrankung ist daher ESPA = Equine Systemic Proteoglycan Accumulation.

DSLD/ESPA wurde in verschiedenen Pferderassen bei Pferden verschiedener Altersgruppen nachgewiesen, einschließlich Araber, Vollblüter, Quarter Horses, Morgans, Paso Peruanos, Paso Finos, Saddlebreds, Warmblüter, Appaloosas, Friesen, Missouri Foxtrotter, Tennessee Walker, Paints, National Show Horses, Mustangs, Kreuzungen, Mulis und andere.

Die Ergebnisse von Necropsien (= Gewebeentnahmen an toten Pferden) haben gezeigt, dass DSLD/ESPA-Pferde an Sehnen und Bändern aller Beine, am Nackenband und an Bändern im Bereich der Kniescheibe betroffen sind, ebenso können die Augen, die Aorta und verschiedene Organe betroffen sein. Bei einigen Pferde wurde ein Eisenüberschuss in der Leber nachgewiesen.

Um die Biochemie der Erkrankung komplett  zu verstehen muss noch viel Forschungsarbeit geleistet werden. Es wird davon ausgegangen, dass DSLD/ESPA genetisch ist und rezessiv oder dominant vererbt wird – die neuesten Forschungen lassen auf ein dominates Gen schließen. Um die genetische Verbindung zu finden, muss noch weiter geforscht werden, so dass ein DNA-Test möglich wird. Wegen des genetischen Risikos empfehlen wir zum derzeitigen Stand auf keinen Fall, mit DSLD-Pferden zu züchten, damit die Erkrankung durch diese Pferde nicht weiter verbreitet wird! Dies ist derzeit die einzige Möglichkeit, die weitere Ausbreitung der Erkrankung zu stoppen.

MÖGLICHE SYMPTOME

  • Unerklärliche Lahmheit
  • Stolpern und trippeln
  • Im frühen Stadium kann es den Anschein haben, dass die Lahmheit von einem, zwei oder in allen Beine wechselt
  • Wärme & Schwellung im Fesselkopfbereich, diese kann innen oder außen am Fesselgelenk lokalisiert werden oder den ganzen Fesselkopf betreffen
  • Schmerzhaftigkeit beim Abtasten des Fesselträgers, besonders in den Zweigen des Fesselträgers
  • Vergrößerter Fesselträger, besonders die Zweige des Fesselträgers •Entlang der Sehne können Schwellungen auftreten
  • Beim Abtasten der Sehne fühlt es sich so angespannt und hart an wie eine überspannte Gitarrenseite kurz vor dem Reißen. Oder es kann sich vergrößert und breiig/ weich anfühlen.
  • Viel Liegen und Probleme beim Aufstehen, „Sitzen wie ein Hund“ vor dem Aufstehen
  • Widerwille, aufzustehen
  • Rückenschmerzen oder Schmerzen in der Hüfte
  • Löcher graben, um darin zu stehen und die Zehenspitze in das Loch zu stellen
  • Auf Zäunen, Steinen o.ä. „sitzen“
  • Das Pferd kann gereizt/nervös werden und sein Verhalten ändern
  • Die Fesseln können horizontal stehen, wenn sie Gewicht tragen, oder können auch aufrecht ohne Anzeichen vom Absacken des Fesselkopfes sein
  • Geschwollene Fesselköpfe – gefüllt mit Flüssigkeit, seltsam geformte, übergroße Fesselköpfe
  • Abgesackte Fesseln
  • Gallen im Bereich der Fessel. In diesem Stadium muss noch keine Lahmheit vorliegen.
  • Andere Anzeichen, die gelegentlich  beobachtet wurden, sind ein abgescheuerter Mähnenkamm oder dass das Pferd plötzlich starke Allergien gegen Mückensprays und Mückenbisse zeigt sowie sehr sensibel auf Berührung ist. In manchen Fällen treten diese Symptome auf, noch bevor es am Fesselträger irgendwelche Anzeichen gibt.
  • „Falsche Koliken“ werden gelegentlich beobachtet: Niederlegen und Stöhnen, aber kein Wälzen, „zu den Flanken Umgucken“, aber normale Darmgeräusche
  • Wenn die Hinterbeine betroffen sind, wird oft ein breites Gehen hinten beobachtet, eine Bewegung „wie ein steifer Roboter“
  • Gewichtsverlagerung von einem Bein zum anderen,
  • während die Zehe in den Boden gebohrt wird
  • Plötzlicher Gewichtsverlust, und wenn das Pferd älter auszusehen scheint als es ist
  • Einige Pferde mit DSLD/ESPA haben eine sehr „lose“ Haut mit  „vorzeitiger Alterung“
  • Weigerung/Probleme beim bergab gehen
  • Der normale Gang des Pferdes ändert sich, es tritt kürzer, der Gang wird holperig, das Pferd will nicht galoppieren
  • Beim Aufsetzen des Hufes wird zuerst die Spitze aufgesetzt, beim Gehen wird die Hufspitze „in den Boden gebohrt“
  • Extremes „Gehen, wie auf einem Seil“
  • Sich weigern oder Schwierigkeiten beim Hufschmied, die Beine hochzuhalten, wegziehen, fallen
  • Hinfallen, anlehnen an Wände oder Zäune um sich zu stützen (oft werden diese Pferde fälschlicherweise mit Erkrankungen des Nervenapparates diagnostiziert)
  • Das Gebäude ändert sich in „bärentatzige“ Stellung und „Nach hinten raus stehen“

DIAGNOSE

Beugeprobe und Ultraschall
Beugeprobe der Fesselgelenke, Ultraschalluntersuchung der Fesselträger. DSLD Pferde werden die Beugeprobe in mindestens 2 Beinen nicht bestehen.
Beim Abtasten der Fesselträger werden diese sehr hart und straff erscheinen oder auch vergrößtert durch Kalkablagerungen oder sie können breiig weich sein. Außerdem wird eine Schmerzhaftigkeit festgestellt. Vergrößerte Fesselträger und deren Zweige sind  in fortgeschrittenen Fällen offensichtlich.
Drucken Sie das Diagnoseprotokoll von Dr. Mero aus und geben Sie es Ihrem Tierarzt zum lesen, bevor er das Pferd untersucht. Sie finden es auf der DSLD/ESPA-Homepage: www.dsldequine.info

Eisenwert testen
Lassen Sie ihrem Pferd Blut entnehmen und auf Eisen und Ferritin testen. Das zeigt, ob Ihr DSLD-Pferd einen Eisenüberschuss hat. Viele DSLD-Pferde zeigen hohe Eisenwerte und manche niedrige Magnesiumwerte.
An der Universität von Kentucky werden Tests über Ferritinwerte bei DSLD-Pferden im Vergleich zu gesunden Pferden durchgeführt. Informationen darüber finden Sie (englisch) auf den „Vet Pages“ der DSLD-Homepage.

Untersuchungen des Bindegewebes
Es sind in USA nun Untersuchungen von Bindegewebe anhand einer Necropsie möglich. Die Gewebe werden von Dr. Halper an der Universität von Georgia untersucht. Infos und Details finden Sie auf der DSLD-Homepage unter dem Punkt „Dr. Halper‘s Research Article“ (nur in englisch).
Es werden derzeit von Dr. Halper auch einige Versuche an lebenden Pferden in Form einer Biopsie des Nackenbandes zur Analyse durchgeführt. Bisher wurden so mehrere Fälle mit lebenden Pferden getestet. Sogar wenn äußerlich bisher keine Symptome ersichtlich sind, kann anhand der Biopsie des Nackenbandes festgestellt werden, ob das Pferd betroffen ist.

Tips für Besitzer von DSLD-Pferden
In akuten Fällen wird Phenylbutazon (Anm. d. Übersetzerin: z.B. Equipalazone) verschrieben. Nach der akuten Phase kann man zu anderen schmerzlindernden Mitteln übergehen, z.B. pflanzliche Mittel, die Weidenrinde, Yucca und Teufelskralle enthalten.
Bei akuten Schmerzen können Heilerdepackungen Linderung bringen. Auch Kühlgel haben einige Besitzer mit Erfolg zur Schmerzlinderung angewendet.

Hufpflege
Das Beste für die meisten DSLD-Pferde ist, die Hufe in einer ausgewogenen, natürlichen Form waagrecht zum Hufbein zu schneiden. Eine kurz geraspelte „eckige“ Zehe, um besser abrollen zu können, ist auch hilfreich. Das Schlimmste ist, die Zehe lang zu lassen und untergeschobene Trachten zu haben.
Eiereisen wurden auch ausprobiert und die Ergebnisse waren unterschiedlich, genauso der Gebrauch von Keilen. Es hat sich gezeigt, dass Keile in Wirklichkeit  mehr Belastung auf die Sehnen bringen.

Fütterung
Es wird empfohlen, die Fütterung auf wenig Zucker umzustellen. Entfernen Sie alle Getreide und Melasse aus dem Futterplan. Eingeweichte, nicht-melassehaltige Rübenschnitzel sind gut geeignet. Die Pferde können bis zu 1/3 oder die Hälfte ihrer bisherigen Kraftfutterration in Form dieser Rübenschnitzel zum Heu dazu bekommen. Wenn Getreide gefüttert werden muss, dann ist das Beste eine handvoll Hafer. Gemahlene Leinsamen können auch dazugegeben werden. Sie können ganze Leinsamen kaufen und z.B. in einer Kaffeemühle selbst mahlen. Ihr Heu testen zu lassen wäre ein guter Schritt um zu wissen, was es beinhaltet und ob es wenig oder viel Mineralien enthält. Auf diese Weise wissen Sie, was sie ergänzen müssen.

Futterergänzungen
Die meisten DSLD-Pferde haben einen zu geringen Magnesiumwert, deswegen kann eine Zugabe von Magnesium nötig sein.
MSM (Methyl-sulfonyl-methan) hat ebenfalls bei einigen DSLD-Pferden geholfen.
Bei Zimt wurde festgestellt, dass er den Blutzuckergehalt reduziert, 3 Teelöffel am Tag waren hilfreich. Fangen sie mit einer kleinen Menge an und steigern es langsam.
Probiotische Futterzusätze – wie z.B. „Fastrack Probiotik“ – werden ebenfalls empfohlen.
Verringern Sie den Eisengehalt bei der Fütterung, lassen Sie auch Ihr Mineralsalz prüfen, Sie können die weißen Salzlecksteine an Stelle der Minerallecksteine nehmen.

Beschäftigung
Das Beste für ein DSLD-Pferd ist, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, freie Bewegungsmöglichkeiten, je nach Lust und Laune, zu haben. Stallruhe, wie bei einer Verletzung, hilft normalerweise nicht.

HILFREICHE TIPPS
Bandagen wurden auch in einigen Fällen benutzt. Wenn sie maximal 12 Stunden am Tag angelegt werden, kann es in einer akuten Phase hilfreich sein.

Das Phenylbutazon, gemischt in Apfelbrei mit etwas Zimt, in einer Spritze aufziehen und ins Maul spritzen. Sie können auch das Phenylbutazon in die Rübenschnitzel, zusammen mit den Zusatzfuttermitteln, mischen. Wenn Ihr Pferd sehr pingelig ist, versuchen Sie es nur mit Apfelbrei und etwas Zimt, in der Spritze aufgezogen, und geben Sie erst ein bisschen zum Probieren. Wenn das Pferd es akzeptiert, dann mischen Sie erst das Phenylbutazon dazu.

Massage und Akupunktur wurden ebenfalls schon angewendet, um es einem DSLD-Pferd leichter zu machen.

PROGNOSE
Der Zustand Ihres Pferdes kann sich nach einer akuten Phase stabilisieren. Schwellungen und Wärme können verschwinden und das Pferd bewegt sich leichter mit weniger Schmerzen. Dieser Zustand ist aber nur vorrübergehend und kann sich jederzeit wieder verschlechtern.

Es gibt derzeit keine Heilung für DSLD, aber mit Schmerzlinderung und Futterumstellung können Sie Ihrem Pferd das Leben eventuell erleichtern und den Prozess vielleicht verlangsamen. Es gibt derzeit für all diese Tips hier keine klinischen Beweise, dass sie helfen, aber es hat erfahrungsgemäß schon vielen Pferden geholfen und wir denken, wenn Sie die Tips anwenden, können Sie es ihrem Pferde leichter machen.
Wenn der Zustand des DSLD-Pferdes sich verschlechtert, sei es, dass der Schmerz konstant bleibt und sich weitere Anzeichen zeigen, z.B., indem die Fesseln absacken, das Pferd mit den Hinterbeinen „nach hinten heraus“ steht und ernsthaft Gewicht verliert, manchmal nach dem Liegen nicht aufstehen kann, dann ist spätestens der Zeitpunkt gekommen, das Pferd einschläfern zu lassen.

Sandra Eggert