PCI Gazette 29, April 2007

DSLD – Neue Forschungsergebnisse

Robert Zürrer

DSLD – Degenerative Suspensory Ligament Desmites (Degenerative Erkrankung des Fesselträgers). Diese Krankheit macht in der Welt der Paso Peruanos von sich reden – sie stigmatisiert die Rasse und schreckt viele potentielle Käufer ab. Tatsache ist aber, dass nicht nur Paso Peruanos, sondern ebenso Warmblüter, Rennpferde, Araber und Quarterhorses dazu neigen, sich diese unheimliche Erkrankung zuzuziehen. Was die Ursache genau ist, bleibt bis heute ungeklärt. Es ist möglich, dass genetische Veranlagungen eine Rolle spielen, aber es sind nach Beobachtungen eher einzelne Pferde als ganze Pferdefamilien betroffen. Diese Gazette widmet sich diesem brennenden Thema, das immer wieder interessiert, mit Beiträgen von Robert Zürrer (Präsident Paso Club International), Sandra Eggert (Paso Peruano Besitzerin und Züchterin) und Roque Benavides Ganoza (peruanischer Richter und Züchter).

Neuere Forschungsergebnisse im Zusammenhang mit dieser Krankheit zeigen, dass DSLD sich nicht auf die Erkrankung der Sehnen im Bereich der Fesselträger beschränkt, sondern eine ganze Anzahl verschiedener Organe betrifft (BMC Veterinary research, 2006 Vol 2, Issue1). Eine Gruppe von Wissenschaftlern in den USA konnte feststellen, dass in Geweben verschiedener Organe von Pferden mit DSLD eine massive Ansammlung von sogenannten Proteogly-kanen (Glykoproteine) gefunden werden konnte. Dies sind grosse Moleküle, welche im Organismus zahlreiche Funktionen erfüllen. So dienen sie u.a. auch als strukturelle Bestandteile von Zellmembranen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es sich bei DSLD nicht, wie bisher angenommen, um eine auf die Fesselträger beschränkte Krankheit handelt, sondern um eine „Systemkrankheit», welche eine Vielzahl von Organen betrifft. Aufgrund dieser Erkenntnisse wird vorgeschlagen, der Krankheit einen neuen Namen zu geben nämlich ESPA (Equine Systemic Proteoglycane Accumulation).

Dass die alte Krankheit nun mit einem neuen Namen daher kommt, hilft den betroffenen Pferden und deren Besitzern nicht gerade viel. Interessant ist aber, dass nun, wie es scheint, bereits am lebenden Pferd eine eindeutige Diagnose gestellt werden kann (Gewebeproben). Es scheint auch so zu sein, dass die klinischen Erscheinungen von Lahmheit bereits auf ein fortgeschrittenes Stadium der Erkrankung hindeuten, und man darf gespannt sein, ob sich aufgrund dieser neuen Erkenntnisse Wege für eine erfolgreiche Therapie dieser Krankheit öffnen.

Da jedoch nach wie vor vieles für eine starke genetische Komponente der Erkrankung spricht ist zu hoffen, dass in absehbarer Zeit ein Gentest entwickelt wird, der uns erlauben würde, Zuchttiere mittels Marker gestützter Selektion vor dem Einsatz auf DSLD/ESPA untersuchen zu können. Dabei dürfte allerdings die Finanzierbarkeit eines solchen Tests das grössere Problem als die technische Machbarkeit darstellen. Es lohnt sich aber sicher die, wenn auch etwas spärliche, Forschung auf diesem Gebiet weiter zu verfolgen.

Robert Zürrer