PCI Gazette 29, April 2007

DSLD – Ein peruanischer Richter und Züchter macht sich Gedanken

Roque Benavides Ganoza

Roque Benavides Ganoza, peruanischer Richter und Züchter, äusserte sich in einem Artikel, erschienen 2006 im Jahrbuch LXI Concurso Nacional, zu diesem Problem, mit dem sich die peruanische Dachorganisation ANCPCPP ernsthaft befassen muss.

Der Paso Peruano ist „das beste Reitpferd der Welt», wie es Mariano Cabrera in einem brillanten Artikel vor einigen Jahren ganz treffend ausdrückte. Aber wie alle erfolgreichen Leute, so ist auch unser peruanisches Pferd Neid und Kritik ausgesetzt, durch Aficionados ebenso wie auch durch Personen, die ein kommerzielles Interesse an anderen Rassen haben. Wie dem auch sei, wir müssen diesen Kritiken mit technischen Argumenten und ruhig und überlegt begegnen.
In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass einige (eher wenige) Paso Peruanos an DSLD leiden, und mit diesem Argument versucht man nun, die grossen Qualitäten unseres peruanischen Pferdes zu schwächen.

Es muss klar bestätigt werden, dass DSLD existiert, und dass sowohl einige peruanische Pferde als auch Pferde anderer Rassen daran leiden. Es handelt sich aber um eine PFERDEKRANKHEIT, und somit ist klar, dass nicht nur unsere Pferde davon betroffen sind.
Veterinärmedizinisch ist es heute möglich, DSLD zu diagnostizieren, und kürzlich hatten wir die Gelegenheit, mit Dr. Maria Masri über dieses Thema zu diskutieren. Sie zeigte uns, wie die Krankheit festgestellt werden kann: Zuerst beobachtet man eine Verdickung/Anschwellung im Bereich der Stützbänder. Zudem zeigen die meisten betroffenen Pferde eine übermässige Extension im Fesselgelenk sowie eine leichte bis mittlere Lahmheit in diesen und Schmerzsignale bei Palpation. Zum Schluss wird ein Ultraschall Test gemacht, der den letzten Beweis liefert. Mittels Ultraschall wird ganz klar ersichtlich, wenn ein Stützband von der Degeneration betroffen ist.

Heute sind wir in der Lage genau zu wissen, wie viele und welche Pferde betroffen sind. Es muss klargestellt werden, dass es nur wenige unserer Rasse sind, und dass die Krankheit von vielen Faktoren abhängig und nicht rassebezogen ist.

Es handelt sich bei DSLD nicht um eine Entzündung, sondern um eine degenerative und progressive Erkrankung, somit kann sie bei jungen Tieren nur schwer festgestellt werden. Man muss sie sehr genau beobachten, um im nötigen Fall VOR Ausbruch der Krankheit einschreiten zu können. Es gibt widersprüchliche Aussagen, die zum einen behaupten, dass mehrheitlich die hinteren Gliedmassen betroffen seien, andere aber sind überzeugt davon, dass die Erscheinung an hinteren und vorderen Gliedmassen gleichermassen zu beobachten sei.

Die Ursache für DSLD ist nicht erwiesen, die genetische Disposition ist möglich, und somit ist es in unserer Verantwortlichkeit als Züchter, Besitzer und Richter peruanischer Pferde, die vielfältigen und möglichen Gründe, die die Krankheit zu potenzialisieren scheinen, zu überprüfen. Von diesen Tatsachen ausgehend erlaube ich mir, eine Analyse vorzunehmen, was wir unter diesen Umständen machen können und müssen. Wir gehen dabei von dem aus, was wir von Dr. Maria Masri gelernt haben, aber auch von unseren eigenen Erfahrungen als Züchter, Aficionado und Richter des Caballo Peruano de Paso. Natürlich sind diese Kommentare ganz subjektiv aus meiner Sicht zu beurteilen.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Wissenschaft heute DSLD eindeutig feststellen kann, dürfen wir als Züchter NICHT mit Tieren, die an der Krankheit leiden, züchten. Ich persönlich würde sogar vorschlagen, ganze Zuchtlinien, bei denen DSLD häufig aufgetreten ist, aus der Zucht zu nehmen. Unserer Erfahrung nach handelt sich aber meistens um individuelle Fälle, nicht um Familien, was die Ausrottung noch einfacher machen sollte. Selbstverständlich darf man auch nicht zwei Tiere, die an DSLD leiden, kreuzen. DSLD ist, wie alles in der Zucht, ein genetischer Faktor, und so liegt es in der Verantwortlichkeit und im Willen eines jeden einzelnen Züchters, hier einen Riegel vorzuschieben.

Es gibt Mittel, die wir in unserer Zucht anwenden können, um das Risiko dieser degenerativen Krankheit zu reduzieren, oder um unseren Pferden wenigstens zu einem gesünderen Leben zu verhelfen.
Unser Pferd arbeitet nicht mehr wie in früheren Zeiten, und oftmals verlangen wir von ihm an Turnieren übertriebene Geschwindigkeit und Intensität. Nicht zu vergessen, dass es heutzutage oft übergewichtig ist und auch tragende Stuten in fortgeschrittenem Stadium präsentiert werden – all das spricht für sich selbst. Dazu kommt, dass wir die Pferde oft nicht genügend auf die Turniere vorbereiten. Cabalgatas (Ausritte im Gelände) scheinen mir hierfür eine sehr geeignete Massnahme, und wir tun gut daran, Geländeritte in jeder Hinsicht zu fördern. Sie verhelfen dem Pferd zu Kondition und Gesundheit, und wir können die Pferde richtig geniessen und so auch den Pferdetourismus respektive die Freizeitreiterei fördern.

Wie können wir die angesprochenen Probleme anpacken?

  1. Lassen wir unsere Pferde nicht zu dick werden! Übergewicht wirkt sich auf die Gesundheit im Allgemeinen, besonders aber auf die Sehnen und Bänder aus. Das Sprichwort „Der Mensch gräbt sich sein Grab mit seinen Zähnen» kann auch auf die Pferde angewendet werden!
  2. Lange Fesseln wirken sich schädlich auf Sehnen und Bänder aus. Es ist ganz einfach eine Frage des Mechanismus: je länger die Fesseln, desto mehr werden die Bänder und Sehnen strapaziert. Wir sind NICHT mit der verbreiteten Ansicht einverstanden, die uns glauben machen will, dass lange Fesseln stossdämpfend wirken und den Gang verbessern würden. Die Gangqualität unseres Pferdes hängt von der Dynamik des Bewegungsapparates ab, und nicht von der Länge der Fesseln!
  3. Züchten wir Pferde mit korrekten Winkeln (Schulter, Sprunggelenk etc.). Fehlstellungen verursachen eine grössere Belastung für die Fesseln und somit auch der Sehnen und Bänder.
  4. Ein fundamentaler Aspekt ist die Hufpflege! Dr. Maria Masri betont, dass die Hufstellung nur in den ersten zwölf Lebensmonaten korrigiert werden kann. Deshalb: pflegen wir die Hufe unserer Fohlen von den ersten Lebenswochen an!
    Der Huf ist die Stütze des Pferdes. Einige Wissenschafter sind der Ansicht, dass jeder Huf individuell beurteilt werden muss. Konkret heisst das für uns, dass wir den Hufen unserer Pferde erste Priorität zukommen lassen müssen. Und in diesem Zusammenhang sollten wir uns überlegen, ob das Beschlagsverbot an Turnieren nicht aufgehoben werden sollte.
  5. Erlauben wir unseren Pferden, sich natürlich zu entwickeln und reiten wir sie nicht zu jung ein. Wir empfehlen, mit dem Anreiten nicht vor Erfüllung des dritten Lebensjahres zu beginnen, besser noch später.
  6. Obwohl wir in dieser Frage innerhalb der Associación noch keine Einigung erzielt haben, sind wir der Ansicht, dass Halfterklassen die Bänder und Sehnen übermässig belasten. Wir würden deshalb empfehlen, Pferde nicht an der Hand zu präsentieren und die entsprechenden Kategorien wenn möglich aus den Turnierprogrammen zu streichen.
  7. Reiten wir unsere Pferde regelmässig und nicht nur auf Turnieren. Wir sollten unsere Teilnahme an Veranstaltungen auf eine vernünftige Anzahl beschränken.

Wir möchten mit diesen Ansichten nicht dogmatisch wirken, sondern Sie an unseren Erfahrungen und Lernprozessen teilhaben lassen. Wenn wir der DSLD, die schwer auf dem Image unserer Pferde lastet, die Stirn bieten möchten, müssen wir ihre Existenz anerkennen und uns des Problemes bewusst sein, damit wir die zur Lösung notwendigen Massnahmen ergreifen können. Wir müssen strikter sein in der Auswahl der Zuchttiere und unsere Pferde auf einem natürlichen Weg aufziehen und arbeiten. All das, begleitet von einer grossen Aufklärungskampagne, die die Qualitäten unseres Pferdes wieder ins rechte Licht rückt!

Quelle: LXI Concurso Nacional 2006, Roque Benavides Ganoza
Übersetzung: Barbara Camenzind