PCI Gazette 28, November 2006

Sind Paso Pferde Sportpferde

Robert Zürrer

Kürzlich hat eine Besucherin einer Paso Veranstaltung mit einem etwas geringschätzigen Unterton in der Stimme folgende Frage gestellt: „Eignen sich Paso Pferde eigentlich nur für gemütliche Ausritte, Gangprüfungen und allenfalls noch für Showauftritte? Oder kann man mit denen auch echten Pferdesport betreiben?“ Was immer diese Person unter „echtem Pferdesport“ verstanden haben mag, ihr Bild von den Pasos war ziemlich unvollständig.

Selbstverständlich sind Paso Pferde in allen möglichen Disziplinen einsetzbar. In den USA, aber auch in anderen Ländern, werden besonders Paso Finos  in Western Disziplinen, z.B. Trail, Cutting und Rinderarbeit, mit gutem Erfolg eingesetzt.

Sehr gut behaupten können sich die Paso Pferde natürlich auch im Distanzreitsport. Auch wenn sie in den sehr langen Distanzen weniger oft zu anzutreffen sind, schneiden sie im Vergleich zu anderen Pferderassen in kürzeren Distanzen immer wieder sehr gut ab. Dass die Paso Pferde es aber nicht allzu oft in die Spitzenränge von Distanzrennen schaffen hängt wohl mit den sehr hohen Tempi, welche heute in dieser Disziplin geritten werden, zusammen. Obschon die meisten Pasos, welche an Distanzritten teilnehmen, eher bei kürzeren Distanzen bis 50 km starten, gibt es auch immer wieder solche, die sich an die ganz grossen Wettkämpfe wagen, wie z.B. den weltberühmten Tevis Cup, ein Distanzrennen, bei dem allein schon das Erreichen des Zieles eine ausserordentliche Leistung darstellt.

Die Distanzreiterin Lindsay Campbell aus Lake City in Florida sagt folgendes: „Paso Finos sind ebenso gut wie jede andere Rasse für Trail und Distanzrennen geeignet. Gerade wegen ihrem speziellen Gang, welcher den Reiter über lange Distanzen bequem trägt, bieten sie sich geradezu für diese Sportart an. Sie haben zudem viel Mut und kommen mit verschiedenstem Terrain zurecht. Beim Bergabreiten können Pasos ihr Tölttempo beibehalten ohne zu stolpern, während trabende Pferde in der Regel verlangsamen müssen.“ Frau Campbells Paso Fino Wallach Obrizo Juan Simonte wurde 2004 Paso Fino Distanzpferd des Jahres.

Wir wissen, dass in der Zeit vor dem Auto in Südamerika, vor allem in Peru, der Hauptzweck der Paso Pferde darin lag, den Reiter über sehr grosse Distanzen auf möglichst erträgliche Art zu transportieren. Diese für lange Zeit etwas in den Hintergrund getretene Eigenschaft der Peruanischen Pasos findet in der seit einigen Jahren vom Peruanischen Zuchtverband wieder eingeführten Leistungsprüfung (Prueba de Fondo) neue Bedeutung. Dabei werden 40 km unter zum Teil recht schwierigen Bedingungen zurückgelegt. Die besten Teilnehmer erreichen dabei mit ihren Pferden durchaus beachtliche Durchschnittsgeschwindigkeiten von 10 – 12 km/Std.

Ob es Sinn macht, Paso Finos zum Beispiel in Springkonkurrenzen – wie dies in den USA hin und wieder praktiziert wird – starten zu lassen, sei dahingestellt. Es kann sicher nicht das Ziel sein, mit ein und demselben Pferd in allen möglichen Disziplinen dabei zu sein. Sicher ist aber, dass bei geeignetem Training die Pasos für unterschiedliche Disziplinen durchaus mit anderen Rassen  konkurrenzieren können.

Robert Zürrer