PCI Gazette 28, November 2006

Ich gehe zufrieden, aber nicht befriedigt

Aníbal Vásquez

Aníbal Vásquez Nacarino, ex Präsident der peruanischen ANCPCPP, gewährte der Zeitschrift Orgullo del Perú kurz vor Ablauf seiner Amtszeit in diesem Frühjahr ein Interview in dem, wie mir schien, einige nennenswerte Aspekte hinsichtlich der Zucht zur Sprache kamen. Ich habe hier einen Auszug aus dem Gespräch übersetzt, das Aníbal Vázquez mit Martín Higa führte. Der neue Präsident der ANCPCPP wurde übrigens inzwischen gewählt und heisst Eduardo Risso Montes.

Einen eigenen Typus schaffen

„Warum, Señor Vásquez, unterscheiden Sie in ihren Ausführungen zwischen seriösen und neuen Züchtern?»
Es geht nicht um die Frage, ob es seriöse und unseriöse Züchter gibt, aber es gibt Züchter mit unterschiedlichen Zielen. Es gibt zum Beispiel solche, die, wenn sie zu züchten beginnen, einzig darauf versessen sind, am Concurso Nacional eine blaue Rosette zu gewinnen und sich auf dem Siegerfoto verewigen zu lassen. Wir aber, die wir schon Jahrzehnte in der Zucht verbracht haben, sind längst zur Erkenntnis gelangt, dass die Wettbewerbe nur ein Mittel sind, das Ziel aber einzig und allein das Zuchtprodukt ist. Nach einigen Turnierteilnahmen und Besuchen auf anderen Gestüten weiser geworden, beginnen zum Glück auch neue Züchter regelmässig einen positiven Gesinnungswandel in diese Richtung zu zeigen. Für mich ist es viel wichtiger, innerhalb meiner Zucht einen eigenen persönlichen Stil – einen eigenen Typus innerhalb der Rasse – zu schaffen, als einen Preis zu ergattern, und nur diese Einstellung hat es mir ermöglicht, meine Zucht bereits seit über fünfzig Jahren leidenschaftlich zu betreiben. Sicher, es kann durchaus sein, dass dem Richter meine Pferde besonders gefallen – oder auch nicht; aber ich bin glücklich, wenn ein Pferd nach meinen eigenen Vorstellungen, nach meinem „Stil» gelungen ist. Darauf muss man Wert legen, und das Schöne daran ist, dass man eine solche typvolle Zucht auch an seine Nachkommen weitergeben kann, wie es schon mein Vater mit mir gemacht hat. Ich selbst habe einen Sohn und eine Tochter, die beide begeisterte Aficionados sind, und sie beide werden fortfahren, die Zucht mit den ganz typischen Charaktereigenschaften, die den Namen Aníbal Vásquez Montoaya ausmachen, weiterzupflegen. An dem Tag, an dem unsere Pferde aufhören werden, diese Charaktereigenschaften zu tragen, wird unser Nachname nichts mehr bedeuten.

„Die Asociación, und vor allem die Leidenschaft für das peruanische Pferd, ist in den letzten Jahren sehr gewachsen. Besteht die Gefahr, dass die Rasse als Modeerscheinung degradiert wird?»
…oder dass sie als etwas Snobistisches angesehen wird und es ihr an der nötigen Tiefe fehlt? Nein, mir scheint das wirklich kein Risiko zu sein. Glauben Sie nicht, dass das etwas Neues ist, all die unzähligen Menschen, die weissgekleidet zu den Concursos strömen – die gab es schon immer. Der Unterschied ist nur, dass es heutzutage unzählige mehr sind! Derjenige Züchter, der mit dieser Haltung die Szene betritt, wird sich schnell langweilen und bald wieder von der Bildfläche verschwinden. Vielleicht widmet er der Zucht fünf, acht oder zehn Jahre, was bei einer Rasse wie der unseren nichts bedeutet. Der Paso Peruano bedarf einer Zucht über Generationen, denn von jedem Züchter muss ein individueller Typus herausgebracht werden. Damit du es einem Pferd von weitem ansiehst, aus welcher Zucht es kommt.
Ein peruanisches Produkt

„Man spricht mehr und mehr von der Notwendigkeit, dass die Asociación eine Marketing Strategie für das peruanische Pferde entwickeln solle. Sind Sie damit einverstanden? Um es auf den Punkt zu bringen: Was fehlt dem Paso Peruano, damit er sich international etablieren kann?»
Ich glaube, dass wir ein einzigartiges Produkt in Händen halten, das nun einer grossen Marketingstrategie bedarf die es auf ein Niveau hebt, auf dem es von allen Ländern der Welt erkannt werden kann. Dies ist ein Thema, mit dem sich die Statuten, die eingeführt werden, und das Züchterkomitee befassen werden müssen. Wenn wir auch jetzt bereits in zweiundzwanzig Ländern vertreten sind wird es einer enormen Anstrengung bedürfen, den noch verbleibenden unermesslichen Platz einnehmen zu können. Zum Beispiel Brasilien; so nah dieses Land liegt, ist es uns bis jetzt nicht gelungen, dort Fuss zu fassen.

„Lohnt sich der Export von Paso Peruanos kommerziell?»
Heutzutage betrachten wir das peruanische Pferd immer noch wie ein kostbares Schmuckstück, und darum als nicht geeignet für den Massenexport. Zudem sind die Verkäufe im Ausland rückläufig, was den Zeitpunkt für Exporte nicht gerade begünstigt. Was wir machen möchten ist, das peruanische Pferd in ein nationales Symbol zu verwandeln. Dies, muss man verstehen, ist eine Leidenschaft, auch wenn einige es nur vom kommerziellen Standpunkt aus betrachten. Aber es ist ein schlechtes Geschäft, wir verlieren immer Geld dabei. Darum ist der Vereinigung daran gelegen – und sie engagiert sich gezielt dafür – das peruanische Pferd als Markenzeichen bekannt zu machen und unsere Kenntnisse zu verbreiten. Diese sind so reich an Geschichte und Tradition. Sollte der Tag kommen, an dem wir diesen Hintergrund verlieren, werden wir auch das peruanische Pferd verloren haben.

Auszug, erschienen in „Orgullo del Perú», Nr. 14/2006..

Zusammengestellt und übersetzt von
Barbara Camenzind