PCI Gazette 28, November 2006

Hufkurs mit Dr. med. vet. Jürg Hugelshofer

Barbara Camenzind

Einen sehr interessanten Tageskurs mit Dr. med. vet.Jürg Hugelshofer, Gründer und Mitinhaber der Tierklinik Rossweid, erlebten diejenigen PCI Mitglieder, die sich am 2. September 2006 im Bereich Hufkenntnisse und Hufrehe weiterbilden wollten. Dr. Hugelshofer präsentierte ein thematisch gegliedertes und gut strukturiertes Programm, das er mittels Power Point Präsentationen am Morgen theoretisch und am Nachmittag anhand einer Pferdeuntersuchung praktisch umsetzte.

Die folgenden Punkte wurden eingehend besprochen:

  • Anatomie des Hufes
  • Physiologie, Gang
  • Huf nach Mass
  • Gang- und Hufbeurteilung praktisch
  • Röntgen eines Hufes
  • Hufrehe – neueste Erkenntnisse

Was die Anatomie des Hufes betrifft, ist es immer wieder spannend, den Beschreibungen einer Fachperson zu lauschen, vor allem wenn das Thema so eloquent und kompetent behandelt wird wie von Dr. Hugelshofer. Als wichtigste Voraussetzung für gesunde Hufe nennt er die PROFILAXE, die Vorbeugung, das heisst, ein genaues Beobachten der Hufe und eine gute Hufpflege! Und leider stehe es damit teilweise noch sehr im Argen. Beeinträchtigte Leistungen des Pferdes durch mangelnde Hufpflege würden mit Dopingmitteln und Futtermitteln wieder auszugleichen versucht. Er zählt die wichtigsten Punkte auf, die eine fachmännische Hufpflege ausmachen und die jedermann/jedefrau beachten sollte:

  1. Die Zehenlänge kontrollieren. Durschnittlich 8 – 8.25 cm für ein Pferd von ca. 425 – 475 kg, vom Kronsaum bis zum Boden gemessen. Passt die Hufgrösse zum Pferd?
  2. Der Hufwinkel muss stimmen. Nach heutigen Erkenntnissen um die 50 º.
  3. Die Hornqualität prüfen, wie die Rinnen verlaufen, ob das Hufwachstum regelmässig ist.
  4. Die Qualität der Hufsohle und des Strahls
  5. Die Kontur der Hufform
  6. Die Paarsymmetrie
  7. Die Zehenachse
  8. Die Hufbalance. Die Aussenwand ist in der Regel ca. 5º weniger steil als die Innenwand.
  9. Die Beurteilung des Ganges
  10. Regelmässige Beschlagsperioden oder Hufpflegetermine

Wenn man diese Aspekte immer im Auge behält, erkennt man Veränderungen rascher und kann sie mit dem Hufpfleger, Hufschmied oder Tierarzt besprechen und dementsprechende Massnahmen treffen.
Was nun die Hufrehe betrifft  überraschen die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft: Eiweissvergiftung ist kein klassischer Auslöser für Hufrehe, wie bisher angenommen. Inzwischen weiss man, dass nicht das Eiweiss, sondern bestimmte Kohlenhydrate (Zucker, Stärke und Fruktan ) im Futter der Pferde die Auslöser für Hufrehe sind. Es handelt sich um eine Erkrankung des Energiehaushalts, beziehungsweise des Zuckerstoffwechsels. Überhaupt gibt es für die Hufrehe nicht EINE Ursache, Hufrehe ist ein SYNDROM  , also ein Krankheitsbild. Dr. Hugelshofer vergleicht die Hufrehe mit dem menschlichen Herzinfarkt – einem Zusammentreffen verschiedenster Faktoren, die zum Auslöser werden. Die Hufrehe ist immer ein NOTFALL – wie der Herzinfarkt – und der Tierarzt muss unverzüglich gerufen werden; im schlimmsten Fall kann die Ablösung des Hufbeins von der Hufkapsel schon innert 4 Std. beginnen! Die erste Massnahme, die der Tierarzt einleiten wird, ist, die Schmerzen mittels hochgradiger Dosierung zu stoppen.
Heutzutage können die Tierärzte dank mobiler Röntgengeräte und digitaler Fotografie Röntgenbilder in erstklassiger Qualität gleich im Stall aufnehmen und auch bearbeiten. Eine Fahrt in die Klinik ist also nicht zwingend notwendig. Die Bilder können sofort vor Ort am Laptop angeschaut werden.

Mögliche Auslöser für die Rehe sind

  • Stoffwechselerkrankungen
  • Störung im Zuckerkreislauf
  • Vergiftungen (Darmentzündung – Kolik)
  • Infektionen (z. B. Nachgeburtsverhaltung
  • Mechanische Auslöser (Belastungsrehe)
  • Akuter Energieschub
  • Übergewicht

Symptome der akuten Hufrehe:

  • Schmerzhaftigkeit in der Hornkapsel und der Hufsohle, bei Hufbeinrotation besonders in der Zehe
  • Typischer Rehegang mit untergeschobener Hinterhand, aufgekrümmten Rücken und Vorstellen der Vordergliedmaßen bei erheblichen Schmerzen. Besonders das Drehen und Wenden auf festem Untergrund verursacht erhebliche Schmerzen. Wenn die Schmerzen überhand nehmen legen sich die Pferde viel hin.
  • Hochgradige Pulsation der Gefäße auf Höhe des Fesselkopfes

Dieses Seminar mit Dr. Hugelshofer hat viele interessante Fakten zum Thema Huf geliefert, auch aufgezeigt, dass frühere Erkenntnisse und Behandlungsmethoden von neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen wieder überholt worden sind, dass die genaue Ursache für die Entstehung der Hufrehe noch nicht gefunden worden ist und es auch noch keine sichere Heilmethode gibt. Hufrehe ist bei weitem noch nicht vollständig erforscht. Dr. Hugelshofer empfiehlt allen, die sich weiter in das Thema vertiefen möchten, einen Besuch auf der Homepage www.equivetinfo.de, die sehr umfassende Studien und Bildmaterial dazu liefert. EQUIVETINFO umfasst über 200 Seiten mit Infos zur Pferdemedizin. Sehr empfehlenswert!

Barbara Camenzind