PCI Gazette 27, Juli 2006

Fiesta der Paso Pferde am 17. Juni 2006 in Avenches

Barbara Camenzind

Im Zweijahresrhythmus führt der PCI jeweils ein Turnier im Rahmen eines stimmungsvollen südamerikanisches Festes durch, alternierend mit einem „normalen“ Sportturnier, das allerdings letztes Jahr infolge Hochwassers in der Schweiz ausgefallen war. Nun war dieses Jahr wieder „Fiesta“ angesagt, und an einem strahlend schönen Sommertag am 17. Juni 2006 trafen sich 25 Paso Pferde im Nationalgestüt der Schweiz in Avenches am Murtensee.

Schon im Vorfeld der Organisation der Fiesta war klar, dass der Vorstand des PCI das Rahmenprogramm und die Festwirtschaft auslagern möchte, da dieser enorme Aufwand die Kapazitäten des Organisationskomitees bei weitem übersteigen würde. Mit der Firma Swissbrothers, Importeur peruanischer Spezialitäten, hatte der PCI einen Partner gefunden, der grosses Interesse und Engagement zeigte, das südamerikanische Ambiente rund um unsere Veranstaltung zu gestalten. Mit ihren zahlreichen Kontakten zu den peruanischen und kolumbianischen Botschaften, Konsulaten und zur südamerikanischen Population in der Westschweiz und dank einer professionellen Werbekampagne konnte Swissbrothers über 1000 Zuschauer nach Avenches locken. Ganze Familien liessen sich rund um den Showring nieder, erfreuten sich an den Pferden und Tänzen und suchten das Gespräch mit den Pferdebesitzern in den kühlen Stallgassen. Ganz besondere Beachtung fanden die beiden Peruaner Wallache Regalo JSS und Inolvidable JSS, die erst vor drei Tagen in die Schweiz gekommen waren, als erster Direktimport aus Peru! Trotz ihrer langen Flugreise und dem Transit von Amsterdam ins Freiburgerland standen sie am Turniertag nervenstark und ruhig für eine Prüfung zu Verfügung.

Ergänzt wurde diese stattliche Besucherzahl durch Angehörige des PCI und Aficionados, die sich an den traditionell geschmückten und gerittenen Pferden erfreuten. Die erste Prüfung, eine Rittigkeit A, startete mit sieben Reiterinnen um 11.00 Uhr, gefolgt von einer erstmals im PCI durchgeführten Musikkür. Hierbei dürfen Musik und Kleidung selbst ausgewählt werden, das Pferd jedoch soll traditionell vorgestellt werden. Im Rahmen einer eigenen Choreographie müssen bestimmte Pflichtteile gezeigt werden, ähnlich einer Rittigkeitsprüfung. Ein harmonisches Erscheinungsbild, Ausdruck des Reiterpaares, Choreographie, Musikauswahl und die Rittigkeit im Allgemeinen werden bewertet. Nur zwei Teilnehmer wagten sich an diese Herausforderung und hatten Spass, einmal zu eigener Musikauswahl reiten zu können.

Nach diesen zwei ersten Prüfungen war Mittagspause, in der wunderbare peruanische Spezialitäten angeboten wurden. Leider war die Warteschlange vor dem Stand gross und es wäre zu wünschen gewesen, dass mehrere Stände zum Essen zur Verfügung gestanden hätten. Das soll nächstes Mal besser werden.

Mit einiger Verspätung präsentierte die kolumbianische Tanzgruppe AGUAPANELA traditionelle Tänze, gefolgt von der peruanischen Truppe AMERICA BAILA. Die bunten, weiten Röcke sorgten für ein farbenfrohes Bild, und die kokettierenden Tänzerinnen und Tänzer strahlten viel Charme und Lebensfreude aus.

Um 14.00 Uhr wurde das Turnier mit der Paso Fino Pleasure Prüfung fortgesetzt, einer Klasse von sieben Pferden, gefolgt von der Paso Llano A mit ebenfalls sieben Pferden. Erstmals dabei die beiden neuen peruanischen Importpferde, von denen Inolvidable JSS gleich den ersten Rang, Regalo JSS den dritten Rang belegte. Die Freude im Familienkreis Schneider war riesig und wohlverdient, denn die beiden Pferde haben einen überaus guten Eindruck hinterlassen. Dies wird auch den peruanischen Züchter James Schneider freuen, der sich auf dieses Abenteuer eingelassen hatte. Das dritte Pferd, Don Rogerio, weilte zu jener Zeit noch in Amsterdam, ist aber inzwischen wohlbehalten in der Schweiz eingetroffen.

Den Fun Trail bestritten fünf mutige Pferde, und auch die Reiterinnen und Reiter hatten ihren Spass an den anspruchsvollen Aufgaben. Als letzte Prüfungen des Tages folgten die Paso Llano B und die Paso Fino Performance mit je sieben Pferden. Hierbei möchte ich auch erwähnen, dass Claudia Greb die Paso Fino Seite mit sechs Pferden tatkräftig unterstützt hat. Der PCI bedauert, dass sich so wenige seiner Paso Fino Besitzer/innen zu einer Teilnahme am Turnier entschliessen konnten. Sicher gibt es im PCI mehr Fino Pferde, die wir gerne sehen würden. Unsere Turniere sind familiär und der geeignet Ort, um junge und auch unerfahrene Tiere an das Geschehen heranzuführen. Sehr schön hat das Sybille Oesch-Junker mit ihrer jungen Stute Madonna bewiesen, die ihren ersten öffentlichen Auftritt souverän bewältigte.

Sehr interessant war für die Zuschauer bestimmt der an das Turnier anschliessende Teil, die Präsentation von fünf Verkaufspferden. Diese waren der dreieinhalbjährige Paso Fino Wallach Cariño de la Suiza der Swiss Paso Fino Farm, der neunjährige Paso Fino Wallach Brujo CSM, harmonisch präsentiert zusammen mit der sechsjährigen temperamentvollen Peruaner Stute Centella CSM, und die beiden Peruaner Wallache Inolvidable JSS und Regalo JSS. Mögen sie alle einen Menschen finden, zu dem sie ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen können und der ihnen ein abwechslungsreiches, erfülltes Leben bieten kann. Interessenten können sich an die PCI Geschäftsstelle wenden. Die Stute Centella wurde ab Platz verkauft.

Dann begannen die Vorbereitungen zum einstündigen Showblock, der von einer Copa de Champán eröffnet wurde. Allerdings zogen sich bald schwarze Wolken am Himmel zusammen, und nach zwei, drei Shownummern fegte ein Sturmwind Sandböen vor sich her und der restliche Showteil musste in die Halle verlegt werden. Aber auch dort wurde den Zuschauern nochmals ein intensives Bild der beiden Rassen Paso Fino und Paso Peruano geboten, so dass sich der interessierte Zuschauer mehr unter diesen beiden Rassebegriffen vorstellen konnte.

Um 20.30 Uhr fand das Turnier- und Showgeschehen ein Ende, und die Beteiligten sowie ein paar hundert Zuschauer begaben sich ins Festzelt zum Galadiner, das von Tänzen und der Band Cubarrito untermalt wurde; zu unserem Bedauern leider etwas zu lautstark, so dass die Gespräche zu kurz kamen. Die bunten und vielfältigen Tänze waren jedoch ganz bestimmt eine Augenweide. Das Essen schmeckte hervorragend, und so klang dieser Abend mit Tanz und Musik langsam aus, verlief sich bis in die frühen Morgenstunden des Sonntags hinein. Die PCI Reiterinnen und Reiter hielten es aber nicht ganz so lange aus, denn am Sonntagmorgen wartete noch ein besonderer Leckerbissen auf sie: ein gemeinsamer Ausritt an den nahe gelegenen Murtensee.

Um 09.30 Uhr versammelte Brigitte Strickler als Rittführerin die elf Teilnehmer/innen um sich, und kurze Zeit später ritten zwölf Pasos in munterem Tempo los in Richtung Murtensee. Eine Stunde später erreichte die Gruppe das flache, sandige Ufer am Zeltplatz und stellte sich an, ins Wasser zu steigen. Doch hoppla, kein Pferd getraute sich! Es brauchte etwas Überredungskünste, bis sich das erste Tier ins Wasser wagte, dann war es auch für die anderen einfacher, ihm nachzufolgen. Am Schluss standen zwölf Pasos (davon elf CSM Pferde, notabene) bis zum Bauch im Wasser und planschten und spritzten und genossen sichtlich die Abkühlung an diesem heissen Sommertag mit Temperaturen bis zu 30 Grad. Was für ein wohlverdientes Vergnügen für alle nach dem Turniertag!

Nach der Rückkehr in die Ställe fand diese Fiesta der Paso Pferde bei einem gemütlichen Apéro unter schattigen Bäumen ihren Ausklang. Es war ein gelungener, sonniger, fröhlicher Anlass. Sicher hätte das Eine oder Andere besser klappen dürfen, Schwachstellen wurden ausgemacht, und das Organisationskomitee wird eine intensive Rückschau auf die Fiesta halten und Verbesserungsvorschläge festhalten. Es war eine neue Erfahrung für den PCI, mit einem externen Partner zusammenzuarbeiten, und ob dieses Konzept auch für die Zukunft tragfähig ist, wird diskutiert werden müssen. Aber sicher ist, dass die Reiterinnen und Reiter viele schöne Erinnerungen mit nach Hause nehmen konnten und sich daran erfreuen können. Der PCI dankt allen Helferinnen und Helfern, die sich in Avenches engagiert haben, ganz herzlich für ihren Einsatz, der überaus geschätzt wurde. Einen besonderen Dank möchte ich auch unserer kompetenten Richterin Simone Rubli aussprechen sowie der dreisprachigen Speakerin Ronja Tschümperlin. Beide standen den ganzen Tag über unermüdlich im Einsatz. Ein ganz spezieller Dank gebührt Carla Tschümperlin als OK Chefin, die unzählige Stunden für die Organisation des Turniers aufgewendet und ganz wesentlich zum guten Gelingen beigetragen hat. Freuen wir uns nun auf die nächste Fiesta 2008, auf viele schöne Paso Pferde, Musik und Tanz.

Barbara Camenzind