PCI Gazette 27, Juli 2006

Erster Paso Pferde Direktimport aus Peru in die Schweiz

Robert Zürrer

Im Jahr 2002 wurden die grenzsanitarischen Bedingungen für einen Import von Pferden aus Peru in die EU gelockert. Damit bot sich neu die Möglichkeit, aus einem geografisch begrenzten Teil von Peru peruanische Pasos ohne den sehr kostspieligen Umweg über eine US-Quarantäne direkt nach Europa zu bringen. Die ersten, welche von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, waren unsere Mitglieder aus Oesterreich, Mag. Eva Maria Svoboda und Johann Jagoutz (siehe Gazetten Nr 16 und 17).

Damit stellte sich die Frage, ob ein Direktimport zu den gleichen Bedingungen auch in die Schweiz möglich wäre. Entsprechende Anfragen an unsere Behörden ergaben ein etwas diffuses Bild. Es war vor allem unklar, ob in der Schweiz selbst noch eine zusätzliche Importquarantäne durchgeführt werden müsste. Dieses Jahr hat sich nun die Gelegenheit ergeben, diesbezüglich die Probe aufs Exempel zu machen.

James Schneider jun., peruanisch/schweizerischer Doppelbürger, dessen Vater in zweiter Generation Paso Pferde in Peru züchtet (beide PCI Mitglieder) ist vor vier Jahren von Peru in die Schweiz ausgewandert und hat den Wunsch geäussert, Pferde aus der Zucht seiner Familie in die Schweiz zu importieren. Wir haben ihm bei der Abwicklung des Importes unsere Hilfe zugesagt und auch angeboten, falls verlangt die Quarantäne durchzuführen. Letzteres hat sich schliesslich als nicht notwendig erwiesen, wurde aber von den zuständigen Behörden erst kurz bevor die Pferde in Basel über die Grenze kamen telefonisch bekannt gegeben. Die Auskunftsfreudigkeit unserer offiziellen Veterinärbehörden muss in diesem Fall als äussest rudimentär bezeichnet werden.

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Inolvidable JSS und Regalo JSS

Die drei Pferde, alles Wallache aus der Zucht von James (Jimmy) Schneider sen., mussten sich in Lima einer 30-tägigen Quarantäne unterziehen und wurden dann von dort nach Amsterdam geflogen. Die Pferde wurden, wie das so üblich ist, in einer Transportboxe transportiert, in welcher sie ähnlich wie in einem Pferdeanhänger stehen. Der Rest der Ladung bestand in diesem Fall aus Spargeln. Die Transportbox, welche in Peru aus Holz hergestellt wurde, hat sich im vorliegenden Transport fast als fatal erwiesen. Eines der Pferde ist etwa eine Stunde vor Ankunft in Amsterdam gestürzt und konnte vom mitreisenden Begleiter nicht mehr auf die Beine gebracht werden. In den bei grossen Fluggesellschaften sonst üblicherweise verwendeten Standardboxen sind die Trennwände verschiebbar, um in einem solchen Fall mehr Raum zu schaffen, damit dem Tier im Notfall besser geholfen werden kann. Der betroffene Wallach hatte sich beim Versuch, wieder aufzustehen, verschiedene, zum Glück nicht allzu schwere, Verletzungen zugezogen und litt dann beim Entladen unter einer Kreislaufschwäche. Er konnte deshalb die Weiterreise in die Schweiz nicht direkt antreten und musste ein paar Tage in Amsterdam in tierärztlicher Obhut gelassen werden. Heute stehen alle drei bei bester Gesundheit auf dem Betrieb Steihus im Kanton Freiburg.

Die im Bericht von Mag. Eva Maria Svoboda erwähnten durchzogenen Erfahrungen, die sie mit der Abwicklung auf peruanischer Seite gemacht hat, konnten im vorliegenden Import weitgehend vermieden werden. Die Quarantäne konnte von Leuten durchgeführt werden, welche gut befreundet sind mit der Familie Schneider. Vorsichtshalber wurden auch gleich noch Ersatzpferde für allfällige Ausfälle in die Quarantäne genommen. Glücklicherweise kamen sie nicht in den Einsatz und sind wieder zum Züchter zurückgegangen. Da die Quarantänekosten für unsere Verhältnisse sehr günstig sind, lohnt sich diese Massnahme vermutlich. Der teuerste Punkt sind gewisse Blutanalysen, welche in den USA gemacht werden müssen.

Die Preise der Pferde sind in Peru gemäss Frau Svoboda in Peru gleich hoch wie in Europa. Dies gilt aber nur für Zuchtpferde. Wallache von sehr guter Qualität sind sehr viel billiger als vergleichbare Tiere bei uns. Zusammen mit den Transport- und Quarantänekosten liegt der Preis dann etwa im gleichen Bereich wie für ein gleichaltriges Tier bei uns in der Schweiz, vorausgesetzt, die hohen Aufzuchtkosten, die man hier hat, werden seriös eingerechnet.

Die Preise in Peru schwanken zudem von Züchter zu Züchter und scheinen eng korrelliert mit dem Bekanntheitsgrad desselben zu sein. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass ein Import von Paso Peruanos direkt aus dem Herkunftsland durchaus möglich ist. Ein Kauf von Pferden in Peru sollte aber vorzugsweise nur gemacht werden, wenn man vor Ort befreundete, absolut vertrauenswürdige und möglichst einflussreiche Bezugspersonen hat.

Robert Zürrer