PCI Gazette 26, März 2006

Telepathische Kommunikation mit Tieren

Interview mit Barbara Fenner

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Barbara Fenner mit Paso Fino Stute Bonita

Beitrag aus Tierwelt Nr. 49 vom 9. Dezember 2005. Interview: Ruth Müller

Die meisten Menschen glauben nur, was sie sehen. Wie erklären Sie Ihnen die Möglichkeit, mit Tieren zu reden?

Sehr oft sind wir Menschen nicht bereit, Dinge zu akzeptieren, die in unserem Vorstellungsvermögen keinen Platz haben und mit den uns bisher zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Methoden nicht messbar sind. Ich versuche niemanden zu überzeugen oder ihm zu erklären, dass es möglich ist, mit Tieren zu reden. Diese Aufgabe übernehmen meistens die Tiere, und wenn ein Mensch im Gespräch mit seinem Tier erkennt und spürt, was das Tier ihm mitteilen will, dann braucht es keine Erklärung mehr.

Wie wurden Sie Tierkommunikatorin?

Den ersten Kontakt mit der Tierkommunikation hatte ich an Weihnachten des Jahres 1999, damals hatte ich einen Termin bei Helen Gerber und sie hat mit meinem kranken Pferd gesprochen. Ich war skeptisch, denn ich hatte noch nie gehört, dass es Menschen gibt, die mit Tieren reden. Es war ein wunderschönes und berührendes Erlebnis und dieses Gespräch hat Vieles ausgelöst: Ab dem Jahr 2000 besuchte ich Kurse bei Helen Gerber, später traf ich die Amerikanerin Penelope Smith und habe dort meine Ausbildung zur Tierkommunikatorin und Lehrerin in telepathischer Kommunikation mit Tieren weitergeführt. Dass ich seit Frühling 2003 hauptberuflich als Tierkommunikatorin arbeite, das hat sich mit viel Unterstützung von Seiten der Tiere und der Menschen ergeben.

Wann hatten Sie erstmals telepathischen Kontakt mit einem Tier? Und welches Tier war das? Was hat es Ihnen gesagt?

Wir alle haben jeden Tag immer wieder telepathischen Kontakt mit unseren Tieren, nur ist das vielen Menschen nicht bewusst. Den ersten telepathischen Kontakt mit einem mir bisher fremden Tier hatte ich mit dem Pferd einer Kollegin, und ich weiss noch wie ich das Gespräch immer wieder hinausschob, weil ich Angst hatte, das Pferd vielleicht nicht richtig zu verstehen. Als ich mich dann mit dem Pferd in Verbindung setzte, erzählte es mir von seinen Schmerzen, von seinem Wunsch nach Freiheit und Leichtigkeit und davon, dass es bald getötet werden würde und dass es damit einverstanden sei.

Was genau ist Telepathie?

Die Bezeichnung Telepathie kommt aus dem Griechischen und setzt sich zusammen aus den beiden Begriffen Tele (für fern, über eine Distanz) und Pathos (für Empfänglichkeit). Telepathische Kommunikation geschieht von selbst und das viel öfter als uns bewusst ist. Jedem gesprochenen Wort geht ein Bild, ein Gedanke oder ein Gefühl voraus, unsere Worte sind die Stellvertreter, mit denen wir uns verständigen. Telepathie ist die Sprache des Herzens, sie ist klar und ehrlich, und sie ist für uns alle etwas ganz Normales und Alltägliches.

Wie setzen Sie Ihre Fähigkeit ein, wollen Sie vor allem helfen?

Als Übersetzerin arbeite ich für ein besseres Verständnis zwischen Menschen und Tieren. Helfen wollen wir ja alle, ich sehe hier aber auch klare Grenzen: Hat beispielsweise das Pferd eine Kolik, dann muss zuerst der Tierarzt gerufen werden – das Gespräch kann aber ergänzend zur Klärung der Ursache oder genaueren Lokalisierung der Schmerzen hilfreich sein. Wenn sich beim Gespräch herausstellt, dass das Tier beispielsweise ein körperliches Problem hat, gebe ich gerne Adressen von Therapeuten weiter, die vielleicht helfen können.

Durch ein Gespräch hat das Tier die Möglichkeit, seine Sichtweise mitzuteilen. Ich bin aber nicht dazu da, das Tier zu etwas zu überreden, was es nicht tun kann oder aus von ihm genannten Gründen nicht tun will. Wenn also beispielsweise ein Hund am Agility keinen Spass hat, kann ich ihm zwar erklären, dass sein Mensch sich sehr freuen würde, wenn er mit ihm zusammen diese Arbeit tun könnte, ich werde aber nie den Hund unter Druck setzen, damit er tut, was der Mensch will.

Was konnten Sie damit schon erreichen?

Die zahlreichen Briefe und Fotos, die ich immer wieder bekomme, zeigen deutlich, dass ein Gespräch sehr oft Missverständnisse klärt und das gegenseitige Verständnis und Vertrauen fördert. Besonders schön ist es, wenn zum Beispiel ein körperliches Leiden durch das Gespräch erkannt werden kann. Ich erinnere mich an ein Springpferd, das im Parcours die Hindernisse immer verweigerte. Auf die Frage nach seinem Befinden zeigte das Pferd Schmerzen in seinem Maul. Der Tierarzt konnte aufgrund dieser Angaben die Verletzung im Pferdemaul finden und behandeln.

Wie läuft ein Gespräch mit Tieren ab?

Wenn ich mit einem Tier in Kontakt trete, nennt mir sein Halter zuerst den Namen des Tieres und  beschreibt mir sein Aussehen. Das Tier zeigt mir dann meistens noch Details seines Körpers, ein Pferd zum Beispiel seine Abzeichen oder das Aussehen seiner Mähne. Ich nehme mir dann einen Moment Zeit, um mit dem Tier Kontakt aufzunehmen und ihm zu sagen, wer ich bin und was ich möchte, nämlich auf Wunsch seines Menschen mit ihm zu sprechen. Dann bitte ich den Tierhalter, die erste Frage zu stellen, worauf ich beim Tier um die Antwort bitte. Diese kann in verschiedenen Formen bei mir ankommen, in Bildern, Gefühlen oder auch in Worten. So geht es weiter durch den vom Tierhalter vorbereiteten Fragenkatalog, am Ende des Gespräches bedanke ich mich beim Tier und verabschiede mich von ihm, damit ist der Kontakt unterbrochen.

Sprechen Pferde, Hunde und Katzen die gleiche Sprache?

Die Informationen können auf verschiedenen Wegen zu mir kommen, die Art und Weise oder die Genauigkeit der Antworten ist unterschiedlich und unabhängig von der Tierart. Sprache ist unsere beschränkte Form, Gedanken, Gefühle, Wünsche oder Ängste auszudrücken. Das was dem gesprochenen Wort vorausgeht, sind eben jene Gedanken, Ideen oder die Erinnerung an Erlebnisse – und auf dieser Ebene kommuniziere ich auch mit dem Tier. Als Übersetzerin nutze ich dann die Sprache, die ich spreche.

Sind Sie sicher, dass Sie das Tier stets richtig verstehen? Gab es schon Missverständnisse oder Unklarheiten?

Ich habe gelernt, darauf zu vertrauen, wobei ich immer mal wieder zweifle. Aus Erfahrung weiss ich, wie es sich anfühlt, wenn die Verbindung zum Tier wirklich da ist. Es gibt immer wieder Fragen, denen ein Tier gerne ausweicht. Dann ist es an der Übersetzerin zu spüren, dass das Tier die Frage nicht beantworten will oder kann. Und ja, es gab schon Missverständnisse, die gehören mit zum Lernprozess. Manchmal versuchen mich die Tierhalter unter Druck zu setzen, weil sie eine ganz bestimmte Antwort auf ihre Fragen haben wollen oder mit für das Tier unwichtigen Fragen die Qualität der Tierkommunikatorin testen wollen, dann ist es für mich oft sehr schwierig, die nötige Konzentration beizubehalten. Um mit einem Tier in Kontakt zu treten müssen wir ganz ruhig und konzentriert sein, sonst können wir das Tier nicht oder nur ungenau verstehen. Aber das kennt jede Tierkommunikatorin und es ist an uns, immer genauer und stärker zu werden, um solche Missverständnisse sofort zu erkennen.

Was kann der Mensch von Tieren lernen, erfahren?

Sehr vieles, vor allem aber ruhiger und langsamer zu werden. Denn wenn wir auf unsere Intuition hören, wird vieles einfacher. Das braucht manchmal etwas Geduld und Mut, die Tiere helfen uns dabei. Viele Tiere sind aus einem ganz bestimmten Grund zu uns gekommen, zum Beispiel um uns mehr Lebensfreude zu zeigen oder um uns herauszufordern, uns selber mehr zuzutrauen.

Wie hat sich ihr Leben verändert, seit Sie mit Tieren reden?

Ich habe gelernt, an meine eigenen Fähigkeiten zu glauben und mir selber zu vertrauen.

Wie sieht Ihr Arbeitsspektrum aus?

Den grössten Teil meiner Arbeitszeit verbringe ich damit, Gespräche mit Tieren via Telefon zu führen. Es sind vor allem Halter von Haustieren, die meine Hilfe in Anspruch nehmen. Grund für den Anruf bei einer Tierkommunikatorin sind sehr oft Probleme im gemeinsamen Zusammenleben, zum Beispiel ein Verhalten, das wir bei unserem Tier nicht verstehen. Dann gibt es gesundheitliche Probleme, es hilft zu wissen, wo genau der Schmerz sitzt oder wie es sich für das Tier anfühlt wenn es sich bewegt, ob der Schmerz vorher oder nachher stärker ist, manchmal wissen die Tiere auch ganz genau, welche Behandlung ihnen gut tun würde. Und dann kommt auch immer wieder Zeit, um Abschied zu nehmen von einem geliebten Tierfreund: Will das Tier schon gehen, braucht es Hilfe dazu, hat es Schmerzen oder vielleicht noch einen letzten Wunsch? Verlorene Tiere zu kontaktieren gehört auch mit zum Alltag einer Tierkommunikatorin, wobei das ein sehr heikles und schwieriges Gebiet ist.

Geben Sie Ihr Wissen weiter, zum Beispiel  in Kursen?

Ich habe die Lehrerkurse bei Penelope Smith absolviert und unterrichte seit letztem Jahr Basis- und Aufbaukurse in telepathischer Kommunikation mit Tieren.

Welche Menschen können mit Tieren reden oder können es lernen?

Grundsätzlich alle, das hängt von ihrer Bereitschaft ab, die Tiere als gleichwertige Gesprächspartner zu akzeptieren. Einige tun sich schwerer als andere, das hat aber weniger mit der telepathischen Kommunikation als mit den eigenen Grenzen oder Ängsten zu tun.

Was kann ein Tierhalter von einer Konsultation bei Ihnen erwarten?

Ein Gespräch kann Aufschluss geben über die Sichtweise des Tieres, es kann helfen, Schmerzen zu lokalisieren, Vorlieben und Ängste eines Tieres zu zeigen und mehr über seine Gefühle und Gedanken zu erfahren. Natürlich immer vorausgesetzt, das Tier – und auch der Mensch – sind zum Kontakt bereit. Nicht alle Tiere sind gleich offen, das ist ähnlich wie bei uns Menschen. Und auch nicht alle Tiere haben das gleiche Bewusstsein bezüglich ihres Körpers.

Ernähren Sie sich als Tierliebhaberin vegetarisch?

Nein, nicht ausschliesslich. Ab und zu esse ich Fleisch.

Wie lässt sich dies mit ihrer Arbeit vereinbaren?

Tiere töten andere Tiere, um sie zu essen – und wir Menschen töten Tiere und Pflanzen, um sie zu essen.

Akzeptieren wir alle Tiere als gleichberechtigte Mitgeschöpfe, wo liegt dann der Unterschied?

Mir ist es wichtig, dass die Tiere während ihres Lebens unter guten Bedingungen gehalten wurden, deshalb berücksichtige ich Bio- Produkte.

Stossen Sie bei Ihrer Arbeit auch auf Skepsis?

Das kommt immer wieder vor, ja.

Wie entgegnen Sie Kritik?

Ich habe Verständnis dafür, dass es Menschen gibt, die nicht glauben wollen, dass wir mit Tieren reden können. Kritik nehme ich daher nicht persönlich, für mich hat es nichts mit Glauben zu tun, ich weiss, dass ich mit den Tieren in Kontakt bin, und dieses Wissen gibt mir Kraft und Zuversicht.

Welchen Rat möchten Sie Menschen, die Tiere halten, vor allem auf den Weg geben?

Dass sie ihren Tieren mit Respekt und Liebe begegnen, und jedes Wesen als Teil unserer Gemeinschaft achten.


Mehr zu diesem Thema können Sie im 2006 erschienenen Buch von Barbara Fenner nachlesen:

„Tierstimmen“ Vom telepathischen Kommunizieren mit Tieren

Die Schweizer Tierkommunikatorin Barbara Fenner erzählt von ihren Erlebnissen, spricht über Möglichkeiten und Grenzen bei den Gesprächen mit Tieren und gibt anhand von vielen Beispielen Einblick in ihre tägliche Arbeit.
Hardcover, 160 Seiten, Format 22 x 16 cm
ISBN 3-908730-88-0
Fr. 34.80/EUR 19.50
zuzüglich Versandkosten
Bestellungen mit Rechnungs- und Lieferadresse bitte an: Barbara Fenner, Postfach 2913, 8033 Zürich
Telefon +41 (0)44 363 25 49, Telefax +41 (0)44 363 25 35
Oder via Internet: www.kommunizieren-mit-tieren.ch (bitte beim Kommentar PCI erwähnen).