PCI Gazette 26, März 2006

Besuchenswerte Pferd Bodensee

Barbara Camenzind

Vom 17.-19. Februar fand in Friedrichshafen die Pferd Bodensee statt, die wichtigste Pferdefachmesse für den Markt Süddeutschland, Österreich, Tschechien, Norditalien und Schweiz. Über 200 Aussteller aus 8 Nationen präsentierten in 4 Hallen ihre Produkte, und den Besuchern wurde ein interessantes Rahmenprogramm geboten.

27_5Es war mein erster Besuch der Pferd Bodensee an jenem Ausstellungssamstag. Neugier hatte mich hergeführt. Es wurde viel Werbung gemacht für diese Pferdemesse, und bisher kannte ich nur die Fieracavalli in Verona, die Cheval Passion in Avignon und die BEA in Bern. An der Equitana oder der Eurocheval war ich noch nie, hier fehlen mir also die Vergleichsmöglichkeiten.

Auf jeden Fall war ich sehr positiv überrascht vom grosszügigen, übersichtlichen Gelände, von der guten Zugänglichkeit zum Eingang und zu den Hallen und der modernen Ausstrahlung der Anlage. Sie wurde im Juli 2002 eröffnet und weitere Hallen folgten in den nächsten zwei Jahren. Insgesamt sind es 10 Hallen, wovon die Pferd Bodensee vier plus die Showarena belegte. Es sind luftige, helle Gebäude, von Tageslicht durchflutet und sehr angenehm zum Flanieren. Ich zitiere: „Die Messe Friedrichshafen bekam 2003 den Holzbaupreis Baden- Württemberg verliehen. Alle wesentlichen Gebäudeteile der Neuen Bodenseemesse sind mit Holzkonstruktionen überdacht. Der Besucher erlebt hierdurch ein sympathisches Ambiente auf seinem Weg durch die Ausstellungen.“ Dies kann ich nur bestätigen. Der Aufbau ist übersichtlich, es gibt genügend Toiletten und Cafeterias und einen grossen, schönen Hof zum Verweilen.

Die Qualität der Aussteller war durchgehend gut, im Vergleich etwa zu einer Fieracavalli, wo – nebst handwerklich hochstehenden und schönen Arbeiten – sich doch auch viele Kitsch- und Billiganbieter drängten. Viele namhafte Marken waren vertreten, vom Zubehör für Reiter und Reiterin über alle gängigen Pferdeartikel bis hin zu Stallbau und Pferdehängern. Der Schwarzwald war mit einem gemütlichen Infostand und vier prächtigen Schwarzwälder Füchsen vertreten, das tschechische Gestüt Kladruby mit einigen Hengsten, das Haupt- und Landesgestüt Marbach mit einer Auswahl aus ihrer Zucht und – last but not least – auch die Paso Finos waren mit Claudia und Daniel Greb präsent, unter dem Namen und unterstützt von Doris und Reini Sperber vom Sternberghof. Die Finos traten tagsüber aber nicht in erster Linie als Rassepräsentation auf wie wir das gewohnt sind, sondern im Forum „Pferdegerecht“ unter dem Thema „Gangpferde richtig gymnastizieren“. Abends waren sie dann im Schauprogramm zu sehen.

Hauptaufhänger der diesjährigen Messe war das Thema „Pferdegerecht“. In vielen Vorträgen, die den ganzen Tag im Forum gehalten wurden, sprachen namhafte Expertinnen und Experten ganz unterschiedliche Aspekte dieses Themas an. Um einen Eindruck zu vermitteln liste ich ein paar der Vorträge auf:

  • Gangpferde richtig gymnastizieren  (Paso Fino Gestüt Sternberghof)
  • Gangentwicklung mit der Doppellonge  (Horst Becker)
  • Zirkustricks mit Pferd (Barbara Heilmeyer)
  • Werkzeuge der klassischen Dressur (Horst Becker)
  • Wenn Erwachsene in den Sattel wollen (Jochen Schumacher)-  Dressurtraining mit Islandpferden

Es gab darüber hinaus laufend verschiedene Darbietungen auf den beiden Vorführungsplätzen in den Hallen 5 und 6. Natürlich Parelli Natural Horsemanship, Pferdetraining auf Indianisch (Javier Aguilera), Verkaufspferde und viele mehr.

27_6In den Ausstellungshallen selbst sah man – wie schon erwähnt – einige Pferderassen, doch die meisten Tiere für die Veranstaltungen waren in Stallzelten auf dem Gelände untergebracht, was für sie sicher angenehmer war als die Hallenluft. Am Freitag- und Samstagabend fand abends um 19.30 Uhr eine Pferde-Gala statt, welche ich jedoch nicht besucht habe.

Alles in allem kann ich sagen, dass es eine sehr schöne, angenehme und besuchenswerte Fachmesse für den Pferdefreund ist. Das Publikum war zahlreich und fachmännisch, und die Vorführungen im Ring waren auffallend gut besucht und wurden mit Interesse verfolgt. Die nächste Messe findet erst wieder Ende Februar 2008 statt.

Der Eintrittspreis für die Tageskarte beträgt EUR 8.50, eine Familienkarte (Eltern mit allen Kindern) EUR 22.- Anreise per Auto, mit der Bahn (auch direkte Züge ab Basel Bad. Bahnhof), oder mit der Fähre von Konstanz her. Ein praktischer Shuttlebus führte die Besucher alle 20 Min. vom Bahnhof via Hafen in einer kurzen Fahrt direkt zum Messegelände ausserhalb der Stadt. Dort sind auch genügend Parkplätze direkt vor dem Messeeingang vorhanden.

Barbara Camenzind