Paso Finos

Herkunft und Geschichte

Auf seiner zweiten Reise nach Südamerika, 1493, führte Christoph Columbus zwanzig Hengste und fünf Zuchtstuten mit, die das erste Gestüt in der neuen Welt auf Santo Domingo – der heutigen Dominikanischen Republik – begründeten. Von Santo Domingo aus verbreiteten sich diese Pferde und wurden in den verschiedenen Ländern Südamerikas mit leicht variierenden Schwerpunkten weitergezüchtet. 1509 gelangten die ersten Pferde nach Puerto Rico, das auch heute noch ein klassisches Zuchtland des Paso Finos ist, und 1515 wurde Kuba durch Diego Velasquez erobert, der dort ein ebenfalls bedeutendes Gestüt gründete. Erst 1524 erreichten die Pferde Kolumbien und begannen sich dort dank des milden und fruchtbaren Klimas rasch zu vermehren. Heute ist Kolumbien das bedeutendste Zuchtland des Paso Fino. 1972 wurde in USA die Paso Fino Owners and Breeders Association gegründet, und im 1974 eröffneten Zuchtregister wurden sechs ausgewählte, erstklassige Hengste aus Puerto Rico und Kolumbien als Stammhengste eingetragen. Aus diesen Zuchtlininen heraus entwickelte sich die Bezeichnung des American Paso Fino.

Der Gang

Die Gangmanier des Paso Fino beinhaltet keine übertriebene Vorhandaktion wie bei so manch anderen Gangpferden. Völlig natürlich fliessen die Bewegungen weich, rhythmisch, gerade und ausbalanciert, was dem Reiter einen unvergleichlich bequemen Sitz ermöglicht. Der rassetypische Tölt des Paso Fino wird in drei Kategorien eingeteilt: Classic Fino, Paso Corto und Paso Largo. Die Fussfolge erfolgt immer lateral in der Reihenfolge hinten links, vorne links, hinten rechts, vorne rechts.


Classic Fino: Diese Gangart findet man praktisch nur im Showring. In höchster Versammlung und Aufrichtung zelebriert das Pferd ein atemberaubendes Staccato im rhythmischen Viertakt über den Fino Strip (Holzsteg), klappernd wie Kastagnetten in den Händen einer feurigen Spanierin. Mit minimalem Raumgriff bewegt sich das Pferd fast auf der Stelle. An ein Classic-Fino-Showpferd werden extrem hohe physische und auch psychische Anforderungen gestellt, und nur ein geringer Prozentsatz eines Fohlenjahrganges wird alle natürlichen Voraussetzungen erfüllen, um später in Classic-Fino Klassen erfolgreich bestehen zu können.


Paso Corto: Arbeitstempo, raumgreifender als der Classic-Fino, leicht versammelt und mit Anlehnung ans Gebiss. Klarer Viertakt in entspannter Manier, bevorzugte Gangart für’s Gelände und für den Freizeitreiter.


Paso Largo: Klarer Viertakt in verstärktem Tempo, weiche, elegante und fliessende Bewegungen am lockeren Zügel, deutlich mehr Raumgriff.


Es ist strengstens untersagt, die Gangarten durch irgendwelche technische Hilfsmittel zu manipulieren. Der Tölt ist eine rein natürliche Veranlagung und absolut genetisch fixiert.

Nebst dem Tölt finden sich in Südamerika noch weitere Gang-Varianten der Paso Fino Pferde, so z.B . Trocha (gebrochener Trab) und Trote y Galope (in höchster Versammlung ausgeführter, staccatoartiger Trab und Galopp).

Exterieur

Stockmass ca. 1.40 m bis 1.50 m, quadratisch gebaut, feine, harte Gliedmassen, klare Oberlinie und gute, stolze Aufrichtung. Kopf mit geradem Profil und wachen, ausdrucksvollen Augen. Üppiger Behang. Alle Farben sind erlaubt, mit oder ohne weisse Abzeichen.

Temperament/Brio

Der Paso Fino besitzt in der Regel sehr viel Temperament und Brio unter dem Sattel, ist aber andererseits sehr aufmerksam, menschenfreundlich und anhänglich im Umgang. Ein äusserst sensibles Pferd, das auf feinste Hilfen reagiert und mit viel Gefühl geritten werden sollte. Für Anfänger eher ungeeignet.